Terrorvorwürfe Ägypten startet Prozess gegen al-Dschasira-Mitarbeiter

In Ägypten hat der umstrittene Terrorismus-Prozess gegen mehrere Mitarbeiter von al-Dschasira begonnen. Die Angeklagten erklärten sich für nicht schuldig. Menschenrechtler kritisieren das Verfahren gegen die TV-Journalisten als politisch motiviert.
Vor dem Gerichtsgebäude in Kairo: Beobachter warten auf Einlass

Vor dem Gerichtsgebäude in Kairo: Beobachter warten auf Einlass

Foto: Mohamed Kamal/ dpa

Kairo - In der ägyptischen Hauptstadt müssen sich 20 Journalisten des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira vor Gericht verantworten. Zum Auftakt des Verfahrens waren acht Angeklagte im Gerichtssaal anwesend, die zwölf anderen sind auf der Flucht. Nach nur 40 Minuten wurde der Prozess auf den 5. März vertagt, dann soll die Beweisaufnahme beginnen.

Zwei inhaftierte Journalisten nutzten den Termin am Donnerstag, um auf die verheerenden Zustände im Tora-Gefängnis hinzuweisen, in dem sie teilweise seit Monaten festgehalten werden. Die Haftbedingungen seien "psychologisch unerträglich", riefen der ägyptisch-kanadische Journalist Mohammed Fahmy und der Australier Peter Greste. Beide saßen während der Verhandlung in einem Käfig im Gerichtssaal.

Beide beklagten, dass sie weder Zugang zu Büchern noch zu Zeitungen hätten. Nur eine Stunde pro Woche könnten sie sich körperlich betätigen. Ihre Anwälte können ebenfalls nur einmal pro Woche mit den Angeklagten reden. Familienbesuche werden überwacht.

Solidaritätsbekundungen für die Inhaftierten

Die Anklage wirft den al-Dschasira-Mitarbeitern Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor. Außerdem gefährdeten sie Ägyptens nationale Sicherheit. Die neue vom Militär eingesetzte Führung in Kairo wirft dem Sender vor, einseitig die Muslimbrüder zu unterstützen. Der im Juli von der Armee gestürzte Präsident Mohammed Mursi hatte der islamistischen Organisation angehört. Der auf Englisch sendende Kanal al-Dschasira International, für den Greste und Fahmy tätig sind, ist allerdings vom Muttersender in Doha redaktionell getrennt und hält sich weitgehend an BBC-Standards.

In den vergangenen Wochen hatten sich Hunderte Journalisten in aller Welt mit ihren angeklagten Kollegen solidarisiert. Menschenrechtsgruppen kritisieren die Anklage als politisch motiviert. "Die Verfolgung der Reporter zeigt, dass der Raum für Widerspruch in Ägypten immer kleiner wird", sagte Joe Stork von Human Rights Watch am Donnerstag.

syd/ler/Reuters/AP/dpa
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