Prozess gegen Rote Khmer Ex-Ministerin beschimpft Tribunal

Die ehemalige "First Lady" der Roten Khmer hat das kambodschanische Sondertribunal verflucht. 15 Minuten dauerte die Tirade der ehemaligen Ministerin Ieng Thirith. Die Schwägerin von Rote-Khmer-Führer Pol Pot ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.


Phnom Penh - Eine der Schlüsselfiguren des grausamen Regimes der Roten Khmer in Kambodscha hat bei einem Haftprüfungstermin das Völkermord-Tribunal beschimpft. "Ich bin keine Mörderin, ihr könnt mich deshalb auch nicht anklagen, sonst werdet ihr alle in der siebten Hölle verflucht!" rief Ieng Thirith (76), die einstige Sozialministerin und Schwägerin von Rote-Khmer-Führer Pol Pot aufgebracht. Sie ist wie vier weitere Häftlinge wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Ieng Thirith, frühere Sozialministerin der Roten Khmer: "Ihr werdet alle in der siebten Hölle verflucht"
REUTERS

Ieng Thirith, frühere Sozialministerin der Roten Khmer: "Ihr werdet alle in der siebten Hölle verflucht"

Die Ex-Sozialministerin hatte zunächst gesagt, sie sei zu schwach, um auszusagen. Doch als die Ankläger ihr vorwarfen, von dem Vorgehen in dem berüchtigten Gefängnis Tuol Sleng gewusst zu haben, brach die 76-Jährige in eine 15-minütige Tirade aus. "Ich weiß nicht, warum einem guten Menschen solche Verbrechen vorgeworfen werden, ich habe sehr viel gelitten, und ich kann nicht wirklich geduldig sein, wenn ich falsch beschuldigt werde."

Sie wies dem Chefideologen des Regimes, dem heute 82-jährigen Nuon Chea, die Hauptschuld zu: "Er hat das alles gemacht. Ich habe das beste für mein Vaterland gegeben."

Ieng Thirith hatte Beschwerde gegen ihre Untersuchungshaft eingelegt. Sie ist wie ihr Mann, der damalige Außenminister Ieng Sary (83), seit Herbst 2007 in Haft. Die Richter wollten im Laufe der Woche über den Antrag entscheiden. "Ich bin hier, um die Wahrheit zu sagen", rief Ieng Thirith. "ich habe nichts Unrechtes getan."

Unter der Herrschaft der Roten Khmer kamen zwischen 1975 und 1979 rund zwei Millionen Menschen um - viele wurden zu Tode gefoltert und in Gefängnissen ermordet, andere überlebten Hungersnöte und Zwangsarbeit nicht. Die Roten Khmer wollten einen autarken, maoistischen Bauernstaat einrichten, verdächtigten aber praktisch jeden als Spion oder Gegner der Revolution.

Das Tribunal war nach langem Tauziehen zwischen der Regierung und den Vereinten Nationen 2006 eingerichtet worden. Angeklagt werden dürfen nur die damals höchsten Kader des Regimes. Vergangene Woche hatte der erste Prozess begonnen. Auf der Anklagebank saß Kaing Guak Eav (66) alias Duch. In dem unter seiner Aufsicht stehenden Gefängnis Tuol Sleng in Phnom Penh wurden während der Herrschaft des Regimes von Pol Pot zwischen 1975 und 1979 mindestens 12.380 Männer, Frauen und Kinder gefoltert und ermordet. Duch droht lebenslange Haft.

Neben Ieng Thirith, ihrem Mann, Duch und Nuon Chea ist auch der damalige Staatschef Khieu Samphan (78) angeklagt. Der Prozess gegen Duch wird am 31. März fortgesetzt.

sac/dpa/afp



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