Prozess in Argentinien "Todesengel" muss lebenslänglich in Haft

Der als "Todesengel" berüchtigte frühere Junta-Offizier Alfredo Astiz ist in Argentinien zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Astiz wurde wegen Entführungen, Folter und Mordes während der Militärdiktatur verurteilt. Besonders bekannt ist der Fall zweier getöteter französischer Nonnen.
"Todesengel" Astiz: lebenslange Haft

"Todesengel" Astiz: lebenslange Haft

Foto: MARCOS BRINDICCI/ REUTERS

Buenos Aires - Alfredo Astiz stand gemeinsam mit 17 weiteren ehemaligen Armeeangehörigen vor Gericht. Die Beschuldigten wüteten in dem berüchtigten argentinischen Geheimgefängnis Esma, in dem Tausende Häftlinge litten. Jahrelang sammelten Ermittlungsrichter Beweise, 160 Zeugen sagten aus. Insgesamt wurden ihnen fast einhundert Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Am Mittwoch (Ortszeit) fielen in Buenos Aires die Urteile. Die meisten Angeklagten erhielten lebenslange Haft oder langjährige Gefängnisstrafen - nur zwei wurden freigesprochen. Unter anderen wurde der frühere Außenminister Oscar Montes zu lebenslänglich verurteilt.

Für viele ist Astiz ein besonders grausames Symbol des "schmutzigen Krieges" von 1976 bis 1983 in Argentinien. Nun muss er lebenslänglich ins Gefängnis.

"Mörder, Mörder", riefen Angehörige von Opfern nach der Urteilsverlesung. Nach 34 Jahren könnten die Familien endlich trauern, sagte ein Anwalt der Angehörigen der 1977 entführten Nonnen, Horacio Mendez Carreras. Eine Nichte von Léonie Duquet, einer der beiden Nonnen, begrüßte das Urteil am Ende des zweijährigen Prozesses. Die Justiz sei "Basis der Demokratie", sagte Geneviève Jeaningros. "Alle, die ihr Leben gegeben haben, haben das nicht umsonst getan." Unterstützer der Angeklagten sangen dagegen die argentinische Nationalhymne.

Die Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet waren im Dezember 1977 verschleppt worden. Mit ihnen wurden zehn weitere Aktivistinnen entführt, darunter die Gründerin der "Mütter der Plaza de Mayo", einer Organisation von Frauen, deren Angehörige während der Diktatur verschwanden. Es wird angenommen, dass Duquet und vier Argentinierinnen lebend aus einem Flugzeug ins Meer geworfen wurden. Ihre Leichen wurden 2005 auf einem Seefriedhof entdeckt, auf den Grabsteinen stand "N.N." Anwohner hatten die Toten entdeckt, als sie an Land gespült wurden. Hunderte Opfer der Militärjunta wurden bei sogenannten Todesflügen ermordet.

In Frankreich wurde der heute 59-jährige Astiz bereits 1990 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt, in Italien im Jahr 2007. Ein argentinisches Gericht hatte den "Todesengel" bereits nach dem Ende der Militärherrschaft für schuldig befunden, Morde, Folter und Entführungen begangen zu haben. Ende der achtziger Jahre jedoch wurden unter dem peronistischen Präsidenten Carlos Menem Amnestiegesetze erlassen, von denen Astiz profitierte. Der Oberste Gerichtshof des Landes erklärte den Gnadenerlass später aber für nichtig.

Während der Militärdiktatur sollen im Folterzentrum Esma rund 5000 Menschen misshandelt worden sein. Insgesamt wurden damals nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen bis zu 30.000 Menschen gefoltert, ermordet oder verschwanden spurlos. Esma ist heute eine Gedenkstätte, durch die Räume führen Überlebende. In allen Teilen des Landes werden Massengräber exhumiert, Gebeine identifiziert.

ler/AFP