Prozess Irving sieht sich nicht als Holocaust-Leugner

In Wien hat der Prozess gegen den rechtsextremen Historiker David Irving begonnen. Der Hitler-Biograf bestritt gleich zu Beginn der Verhandlung, ein Leugner des Holocausts zu sein. Er wolle sich aber im Sinne der Anklage für schuldig bekennen.


Wien -  "Ich bin kein Holocaust-Leugner. Meine Ansichten haben sich geändert", sagte Irving, 67, vor dem Schwurgericht in Wien.  In den vergangenen Jahren habe er Einsicht in neues Forschungsmaterial gehabt, das die Existenz der Gaskammern beweise.

Irving:  "Meine Ansichten haben sich geändert"
REUTERS

Irving:  "Meine Ansichten haben sich geändert"

Irving muss sich wegen seiner Äußerungen über den Holocaust verantworten, die er 1989 vor rechtsradikalen Organisationen in Österreich gemacht hatte. Bei Vorträgen hatte er die Existenz von Gaskammern in nationalsozialistischen Vernichtungslagern bestritten.

Als "Wiederholungstäter" muss Irving mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren rechnen. Irving war im November in der Steiermark bei einer Straßenkontrolle festgenommen worden. Die Leugnung des Holocaust steht in Österreich wie auch in Deutschland unter Strafe.

Irvings Verteidiger Elmar Kresbach sagte vor Beginn der auf zwei Tage angesetzten Verhandlung, sein Mandant werde sich schuldig im Sinne der Anklage bekennen. "An dem, was er vor 17 Jahren gesagt hat, lässt sich nicht rütteln."

Vor Beginn des Prozesses hatte Irving in mehreren Erklärungen vor Journalisten die Anklage als "lächerlich" bezeichnet. Während der Staatsanwalt Irving als "systematischen Holocaust-Leugner" bezeichnete, meinte der Angeklagte, es tue ihm leid, wenn er durch seine früheren Äußerungen über die Gaskammern die Opfer des Holocausts "beleidigt" habe.

als/dpa/afp



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