Prozessauftakt Angeklagter gesteht Attentat auf Pim Fortuyn

Volkert van der Graaf machte kurzen Prozess: "Ich gestehe die Schüsse": Mit dieser Aussage vor dem Amsterdamer Gericht scheint der erste politische Mord in der jüngeren Geschichte der Niederlande, das Attentat auf den Parteivorsitzenden Pim Fortuyn, aufgeklärt zu sein.


Angeklagter Van der Graaf: "Ich gestehe die Schüsse"
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Angeklagter Van der Graaf: "Ich gestehe die Schüsse"

Amsterdam - Dem 33 Jahre alte Angeklagte van der Graaf werden vorsätzlicher Mord, unerlaubter Waffenbesitz und Bedrohung eines Zeugen vorgeworfen. Ihm droht lebenslange Haft. Der Spitzenkandidat der rechtspopulistischen Partei Liste Pim Fortuyn wurde wenige Tage vor der Parlamentswahl in den Niederlanden im Mai 2002 erschossen.

Schon in der Voruntersuchung hatte er die Tat zugegeben. Vor Gericht bekräftigte Van der Graaf nun sein Geständnis. "Ich gestehe die Schüsse", sagt er und begründete den Mord mit der Sorge, Fortuyn hätte zu mächtig werden können. Der Rechtspopulist habe "die verletzlichen Mitglieder der Gesellschaft" bedroht. Fortuyn hatte unter anderem gefordert, die Grenzen für Einwanderer zu schließen.

Van der Graaf, der laut Augenzeugen entspannt und selbstbewusst wirkte, erklärte, er habe sich einen Tag zuvor zu dieser Tat entschlossen. Niemand habe davon gewusst. Vorher habe er seine Bedenken über Fortuyns Ansichten zwar mit Freunden besprochen, sagte der Angeklagte, nicht aber seine Mordabsicht.

Der 33-Jährge bestätigte Ermittlungsergebnisse, wonach er seit März vergangenen Jahres jeden Wahlkampfauftritt Pim Fortuyns recherchiert hatte. Nach einem vorab angekündigten Rundfunkinterview tötete er sein Opfer mit fünf Schüssen aus einer Pistole. Als Van der Graaf kurz darauf festgenommen wurde, steckte die Waffe in seiner Tasche, und das Blut des Politikers klebte an seiner Hose. Nach eigener Aussage stand der Angeklagte nur eineinhalb Meter von Fortuyn entfernt, als er schoss.

Während der mehrtägigen Anhörung im Hochsicherheitstrakt müssen die Richter nun unter anderem die Geistesverfassung Van der Graafs zur Tatzeit beurteilen. Es geht um die Frage, ob der Mann zurechnungsfähig war. Der Bruder des Ermordeten, Simon Fortuyn, sagte Reportern, Van der Graaf sei "nicht nur ein Kontroll-Fanatiker, der meinen Bruder tötete. Er war auch ein Idiot."

Im Zuschauerraum hinter einer kugelsicheren Scheibe protestierten während des Prozessauftakts mehrere Menschen lautstark gegen Van der Graaf. Sie riefen "Mörder" und forderten lebenslange Haft.

Nur wenige Journalisten und Zuschauer haben außer den Geschwistern des Ermordeten Zugang zum Gerichtssaal. Für andere wurde eine Video-Übertragung in der Innenstadt eingerichtet.

Für das Verfahren sind drei Tage angesetzt. Das Urteil wird Mitte April erwartet.



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