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Tragödie im Lastwagen: Prozess um die erstickten Flüchtlinge

Foto: Hans Punz/ dpa

Prozessauftakt zur Flüchtlingstragödie: Der Todes-Lkw von Parndorf

71 zusammengepferchte Flüchtlinge erstickten qualvoll in einem Lastwagen, der an einer Autobahn in Österreich abgestellt war. In Ungarn hat jetzt der Prozess gegen elf mutmaßliche Schlepper begonnen.

Nur vier Tage nach der grauenhaften Entdeckung sprach Angela Merkel ihr berühmtes "Wir schaffen das" aus, und die Flüchtlingskrise kam damit endgültig in Deutschland an: In einem Kühllaster, der an einer Autobahn bei Parndorf im österreichischen Burgenland abgestellt war, wurden im August 2015 insgesamt 71 tote Menschen entdeckt. Sie waren qualvoll in dem Fahrzeug erstickt. Am Mittwoch hat im ungarischen Kecskemét der Prozess gegen elf mutmaßliche Schlepper begonnen.

Der Prozess findet in Ungarn statt, weil die Flüchtlinge nach Angaben von Gutachtern noch auf ungarischem Staatsgebiet starben. Die Staatsanwaltschaft will für die vier Hauptangeklagten - ein Afghane und drei Bulgaren - lebenslange Haftstrafen wegen Mordes und Schlepperei beantragen. Sieben weitere Bulgaren werden beschuldigt, zusammen mit den anderen vier Männern 1200 Migranten über Ungarn weiter Richtung Westen und Norden geschmuggelt zu haben.

Die erstickten Flüchtlinge - 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder aus Syrien, dem Irak und Afghanistan - waren von den Schleppern an der serbisch-ungarischen Grenze in den Kühlwagen gepfercht worden. Über Ungarn sollten sie nach Österreich geschleust werden. Lesen Sie hier eine Rekonstruktion der Tragödie.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, vom Ersticken der Flüchtlinge im luftdicht verschlossenen Laderaum des Kühlwagens gewusst zu haben und daher mit 'besonderer Grausamkeit' vorgegangen zu sein.

Die Grafik zeigt, wie dicht gedrängt die Flüchtlinge im Lkw standen

Die Grafik zeigt, wie dicht gedrängt die Flüchtlinge im Lkw standen

Foto: DER SPIEGEL

In der vergangenen Woche hatten Medienberichte für Aufsehen gesorgt, denen zufolge der qualvolle Tod der 71 Flüchtlinge womöglich hätte verhindert werden können: Wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf die Ermittlungsakte berichteten, hatten ungarische Ermittler bereits zwei Wochen vor der tödlichen Fahrt die Telefone der Schleuserbande abgehört und die Gespräche aufgezeichnet - die Aufnahmegeräte liefen auch während der Todesfahrt im August 2015.

Die ungarischen Behörden schritten den Berichten zufolge aber nicht sofort ein. Angeblich waren die aufgezeichneten Gespräche erst nach dem Flüchtlingsdrama übersetzt und ausgewertet worden.

Die eigentliche Verhandlung begann mit der Verlesung der Anklageschrift. Dem ging eine langwierige Diskussion voraus, die der Hauptangeklagte, der 31-jährige Afghane, vom Zaun gebrochen hatte. Er beschwerte sich mehrfach über die angeblich mangelnden Sprachkenntnisse der Gerichtsdolmetscherin, die für ihn ins Paschtu übersetzte. Die Dolmetscherin verwehrte sich gegen die Vorwürfe.

Das Gericht in Kecskemét hat nach dem Auftakt am Mittwoch noch weitere Verhandlungstage für den 22., 23., 29. und 30. Juni angesetzt. Danach soll mehrmals im Monat weiterverhandelt werden. Wann ein Urteil gesprochen wird, ist unklar.

als/AFP/dpa