Nach Massenprotesten Puerto Ricos Gouverneur kündigt Rücktritt an

Ricardo Rosselló will sein Amt als Gouverneur Puerto Ricos Anfang August abgeben. Zuletzt hatte es massive Proteste gegen den Regierungschef gegeben - unter anderem wegen eines öffentlich gewordenen Chats.

Ricardo Rosselló: Bemerkungen aus einem Chat wurden als frauen- und schwulenfeindlich interpretiert
Brendan McDermid/REUTERS

Ricardo Rosselló: Bemerkungen aus einem Chat wurden als frauen- und schwulenfeindlich interpretiert


Nach anhaltenden Massenprotesten hat Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Rosselló seinen Rücktritt für den 2. August angekündigt. In einem am Mittwochabend (Ortszeit) veröffentlichten Video sagte der Regierungschef des größten US-Außengebiets, dass Justizministerin Wanda Vázquez bereit stehe, das Amt kommissarisch zu übernehmen.

Seit Ende vorvergangener Woche waren in der Hauptstadt San Juan immer größer werdende Menschenmengen auf die Straße gegangen, um Rossellós Rücktritt zu fordern. Die bislang größte Demonstration gab es am Montag mit geschätzt rund 500.000 Teilnehmern.

Die tagelangen Proteste in San Juan hatten Erfolg
Eric Rojas/AFP

Die tagelangen Proteste in San Juan hatten Erfolg

Auslöser der Proteste war die Veröffentlichung von Nachrichten einer privaten Chat-Gruppe zwischen Rosselló und elf Vertrauten, in denen sie sich abschätzig über mehrere Personen äußerten. Die Bemerkungen wurden als frauen- und schwulenfeindlich interpretiert, sowie als respektlos gegenüber den zahlreichen Opfern des verheerenden Hurrikans Maria von 2017. Im Zusammenhang mit Hilfsgeldern nach der damaligen Katastrophe wird Rosselló auch Korruption vorgeworfen.

Jubel vor dem Regierungssitz

Mehrere Regierungsangehörige - darunter der Vizegouverneur, der auch Mitglied der Chat-Gruppe war - hatten bereits Konsequenzen aus dem Fall gezogen und ihren Posten geräumt. Rosselló selbst, der seit 2016 regiert, hatte einen Rücktritt bisher abgelehnt. Der 40-Jährige erklärte allerdings am Sonntag in einer Fernsehansprache, bei der nächsten Wahl im kommenden Jahr nicht mehr anzutreten. Er trat zudem als Chef seiner Neuen Progressiven Partei (PNP) zurück.

Für Donnerstag war zu neuen Demonstrationen und einem Streik aufgerufen worden. Auch in anderen Teilen Puerto Ricos sowie in den USA und einigen europäischen Städten gab es bereits Demonstrationen gegen den Gouverneur. Prominente US-Politiker wie Bernie Sanders und führende Angehörige von Rossellós eigener Partei schlossen sich den Rücktrittsforderungen an. US-Präsident Donald Trump nannte Rosselló am Montag einen fürchterlichen Gouverneur.

Im Verlauf des Mittwoch verdichteten sich dann die Anzeichen für einen bevorstehenden Rücktritt. Nach der Ankündigung des 40-Jährigen brach Jubel bei Demonstranten aus, die sich vor dem Regierungssitz in San Juan versammelt hatten.

aev/dpa/AFP



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