Massenproteste in Puerto Rico Demonstranten legen Hauptstadt San Juan lahm

Nach tagelangen Protesten hat der Gouverneur von Puerto Rico zwar erklärt, bei der kommenden Wahl nicht mehr anzutreten. Seinen Kritikern reicht das jedoch nicht: Erneut sind Hunderttausende auf die Straße gegangen.

Den elften Tag in Folge demonstrieren Menschen in San Juan - sie fordern den Rücktritt von Gouverneur Rosselló
Pedro Portal/TNS via ZUMA Wire/ DPA

Den elften Tag in Folge demonstrieren Menschen in San Juan - sie fordern den Rücktritt von Gouverneur Rosselló


Am elften Tag von Protesten gegen die Regierung von Puerto Rico haben Hunderttausende Menschen die Hauptstadt San Juan lahmgelegt. Die Demonstranten blockierten am Montag eine Autobahn, zudem blieben zahlreiche Geschäfte und Büros geschlossen. Es war die bisher größte Demonstration, um den Rücktritt von Gouverneur Ricardo Rosselló zu fordern. Manche Beobachter sprachen gar von der größten Demonstration in der Geschichte des Karibikarchipels, in dem rund 3,2 Millionen Menschen leben.

Auslöser der Proteste waren ein Korruptionsskandal in der Regierung sowie die Veröffentlichung von Nachrichten einer privaten Chat-Gruppe zwischen Rosselló und elf Vertrauten, in denen sie sich abschätzig über mehrere Personen äußerten. Die Bemerkungen wurden als frauen- und schwulenfeindlich interpretiert, sowie als respektlos gegenüber den zahlreichen Opfern des verheerenden Hurrikans María von 2017.

Demonstranten in San Juan: "Ricky, tritt zurück" - gemeint ist Ricardo Rosselló
Carlos Giusti/ AP

Demonstranten in San Juan: "Ricky, tritt zurück" - gemeint ist Ricardo Rosselló

Auch in anderen Teilen des US-Außengebiets sowie in den USA und einigen europäischen Städten gab es bereits Demonstrationen gegen Rosselló. Prominente US-Politiker wie Bernie Sanders und führende Angehörige von Rossellós eigener Partei schlossen sich den Rücktrittsforderungen an. US-Präsident Donald Trump nannte Rosselló am Montag einen fürchterlichen Gouverneur.

Mehrere Regierungsangehörige - darunter der Vizegouverneur, der auch Mitglied der Chat-Gruppe war - zogen bereits Konsequenzen und räumten ihre Posten. Rosselló selbst lehnt einen Rücktritt bisher ab. Der 40-Jährige erklärte allerdings am Sonntag in einer Fernsehansprache, bei der nächsten Wahl im kommenden Jahr nicht mehr anzutreten. Er trat zudem als Chef seiner Neuen Progressiven Partei (PNP) zurück. Rosselló regiert seit 2016.

aar/dpa

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