Russland Pussy-Riot-Aktivistinnen in Sotschi wieder freigelassen

Zwei Aktivistinnen der russischen Gruppe Pussy Riot sind nach eigenen Angaben am Rande der Olympischen Spiele festgenommen worden. Offenbar hatten sie ein Putin-kritisches Lied vorgetragen. Nach mehreren Stunden in Gewahrsam kamen sie wieder frei.
Pussy-Riot-Aktivistinnen in Polizeiwache: "Einige Beulen und Kratzer"

Pussy-Riot-Aktivistinnen in Polizeiwache: "Einige Beulen und Kratzer"

Foto: EVGENY FELDMAN/ AFP

Sotschi - Die russischen Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina von Pussy Riot sind nach eigener Darstellung in Sotschi festgenommen worden. Sie seien mit mehreren anderen Aktivisten unter brutaler Gewalt in ein Polizeiauto gezerrt worden, teilten die Frauen am Dienstag beim Kurznachrichtendienst Twitter mit. Nach einigen Stunden in Gewahrsam kamen sie wieder auf freie Fuß.

Tolokonnikowa schrieb, sie seien "des Raubs beschuldigt" worden. Auch Aljochina teilte mit, festgenommen worden zu sein. Der Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Mark Adams, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir warten auf eine offizielle Bestätigung, aber es scheint mir ein Fall für die lokalen Behörden zu sein."

Die beiden Aktivistinnen waren erst im Dezember aus russischer Lagerhaft entlassen worden.

"Sie haben in der Polizeiwache Gewalt angewendet. Sie schlugen uns. Dass sie uns das angetan haben, ist furchtbar... Wir haben einige Beulen und Kratzer. Wir werden uns beschweren", twitterte Tolokonnikowa.

"Putin wird dich lehren, die Heimat zu lieben"

Nur wenige Stunden nach ihrer Verhaftung verließen Alijochina und Tolokonnikowa mit einer rosaroten und blauen Mützen das Polizeirevier in Adler. Dutzende Journalisten hatten die letzten Stunden vor dem Gebäude ausgeharrt. Nach ihrer Freilassung stimmten die Aktivisten ihren Anti-Putin-Song an "Putin wird dich lehren, die Heimat zu lieben".

Laut einer Twitter-Meldung von Tolokonnikowa wurden die Aktivistinnen schon am vergangenen Samstag verhaftet und 20 Stunden lang vom russischen Geheimdienst verhört, twitterte Tolokonnikowa.

Offiziell wurde den Frauen Diebstahl vorgeworfen - sie sollen in ihrem Hotel eine Handtasche entwendet haben. Doch nach Angaben von Tolokonnikowa ist dieser Grund nur vorgeschoben. Pussy Riot waren demnach in der Stadt der Olympischen Winterspiele am Schwarzen Meer, um einen neuen Videoclip für ihren Titel "Putin bringt dir bei, die Heimat zu lieben" zu drehen. Dabei seien die beiden am Samstag nach einer Demonstration in einer Kirche verhaftet worden, als sie das Lied skandierten, so Tolokonnikowa in einer Kurznachricht. Olympia in Sotschi gilt als Prestigeprojekt des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Die beiden Aktivistinnen hatten im Februar 2012 an einem "Punkgebet" in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale teilgenommen, das sich gegen Putin richtete. Sie wurden darauf wegen "Rowdytums" zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt, bis im Dezember eine Amnestie griff.

Mit der Polizeiaktion ist offenbar auch der prominente Menschenrechtler Semjon Simonow von der Organisation Memorial festgenommen worden. Das teilte der Bürgerrechtler am Dienstag ebenfalls auf Twitter mit.

Er werde mit den Pussy-Riot-Aktivistinnen in das Polizeiquartier in Adler gebracht. Simonow teilte mit, dass den insgesamt zehn Aktivisten Diebstahl vorgeworfen werde. Der Menschenrechtler hatte vor allem die Ausbeutung von Gastarbeitern beim Bau der Olympia-Anlagen kritisiert.

syd/fab/cth/dpa/Reuters