Pussy Riot Britische Rockstars fordern Freiheit für russische Musikerinnen

Die drei angeklagten russischen Musikerinnen der Punkband Pussy Riot bekommen prominente Unterstützung: Britische Rockstars fordern in einem offenen Brief in der "Times" die Freilassung der Regierungskritikerinnen. Auch die Akademie der Künste in Berlin kritisiert das Verfahren.
Maria Alechina (l.) und Nadeschda Tolokonnikowa im Gericht: Stundenlang im Glaskäfig

Maria Alechina (l.) und Nadeschda Tolokonnikowa im Gericht: Stundenlang im Glaskäfig

Foto: Mikhail Metzel/ AP

London - Seit vier Monaten sitzen die drei Frauen in Untersuchungshaft, der seit Montag andauernde Prozess besteht aus stundenlangen Marathonverhandlungen. Jetzt haben zahlreiche britische Rockstars Russland aufgerufen, den Prozess gegen die Mitglieder der regierungskritischen Punkrockband Pussy Riot einzustellen.

Musiker wie Pete Townshend von der Gruppe The Who, Pulp-Sänger Jarvis Cocker, Neil Tennant von den Pet Shop Boys, Kate Nash und Martha Wainwright veröffentlichten in der Zeitung "The Times" einen offenen Brief. Darin fordern sie die Freilassung der Musikerinnen. Der Brief erschien anlässlich des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in London. Dort wollte er den britischen Premierminister David Cameron treffen und die Olympischen Spiele besuchen.

Der Auftritt der Frauen in der Moskauer Kathedrale sei eine legitime Protestaktion gewesen, schrieben die Musiker. Die Vorwürfe gegen die Frauen seien absurd: "Eine andere Meinung zu haben, ist in jeder Demokratie ein Grundrecht." Maria Alechina, 24 Jahre, Nadeschda Tolokonnikowa, 22 Jahre, und Jekaterina Samuzewitsch, 29 Jahre, drohen nach einem Punkgebet gegen Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russisch-orthodoxen Kathedrale sieben Jahre Haft wegen "Rowdytums aus religiösem Hass".

Bürgerrechtler kritisieren den Prozess als politisch motiviert. Auch der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml, Michail Fedotow, sagte, bei der Aktion in der Moskauer Erlöserkathedrale am 21. Februar habe es sich höchstens um Ruhestörung gehandelt.

Die Akademie der Künste in Berlin fordert ebenfalls die sofortige Freilassung der inhaftierten Musikerinnen. Die Länge der Inhaftierung und das angedrohte Strafmaß seien unverhältnismäßig, sagte Akademie-Präsident Klaus Staeck am Donnerstag. Mit ihrer Überreaktion stellten sich die russisch-orthodoxe Kirche und der russische Staat "außerhalb der Standards europäischer Kulturtraditionen".

Nach Ansicht der Verteidigung will die Moskauer Justiz den umstrittenen Prozess gegen die drei Putin-Gegnerinnen in großer Eile durchpeitschen. Die stundenlangen Marathonsitzungen ließen ein Urteil gegen die Pussy-Riot-Mitglieder schon in der kommenden Woche vermuten, sagte Anwalt Nikolai Polosow.

Richterin Marina Syrowa lehnte am Donnerstag zum fünften Mal einen gegen sie gerichteten Befangenheitsantrag ab, wie die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" in einem Internet-Liveticker berichtete.

Die inhaftierten Künstlerinnen beklagten am vierten Verhandlungstag, dass die Richterin ihre Anträge ignoriere. Die jungen Frauen, die im Gericht in einem Käfig aus Plexiglas ausharren müssen, beschweren sich seit dem Prozessbeginn am Montag über zu wenig Schlaf und Essen sowie fehlende Pausen.Am Mittwoch musste ein Notarzt eine der Musikerinnen versorgen - sie war im Gericht zusammengebrochen.

lgr/dpa/dapd
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