Britischer Thronfolger Prinz Charles' Hitler-Putin-Vergleich erzürnt Russland

"Putin tut jetzt so ziemlich dasselbe wie Hitler": Mit diesem Satz sorgt Prinz Charles für weitere Spannungen im Verhältnis zwischen Großbritannien und Russland. Moskau verlangt eine Klarstellung - "immerhin ist er der künftige König".
Prinz Charles in Kanada: Kontroverse um Hitler-Putin-Vergleich

Prinz Charles in Kanada: Kontroverse um Hitler-Putin-Vergleich

Foto: Chris Jackson/ AFP

London - Architektur und Umweltschutz - das sind eigentlich die Themen, die Prinz Charles besonders am Herzen liegen und zu denen sich der britische Thronfolger häufig öffentlich äußert. Am Rande eines Staatsbesuchs in Kanada hat er nun über die Ukraine-Krise gesprochen - und prompt eine politische Kontroverse zwischen Großbritannien und Russland ausgelöst.

Bei seinem Kanada-Besuch hatte Charles die 78-jährige Marienne Ferguson im Migrationsmuseum der Stadt Halifax getroffen. Die Jüdin war vor den Nazis aus Danzig nach Kanada geflohen, viele ihrer Angehörigen überlebten den Holocaust nicht. In Bezug auf die Ukraine-Krise soll der britische Thronfolger zu ihr gesagt haben: "Und jetzt tut Putin so ziemlich dasselbe wie Hitler." Das Büro des Prinzen wollte nicht dementieren, dass dieses Zitat so gefallen ist.

Das Außenministerium in Moskau äußerte sich "not amused" über den Hitler-Putin-Vergleich. Russische Diplomaten baten die britische Regierung um eine Klarstellung. "Uns ist nicht klar, ob das die offizielle Position Großbritanniens wiedergibt", sagte ein ranghoher Diplomat dem "Telegraph". "Immerhin ist er der zukünftige König."

Premier Cameron will Charles' Äußerung nicht kommentieren

Charles' Äußerungen seien besonders beleidigend, weil während des Zweiten Weltkriegs 20 Millionen Russen ums Leben kamen - darunter auch Familienmitglieder von Wladimir Putin, hieß es aus dem russischen Außenministerium weiter. "Jede Familie in unserem Land hat jemanden in diesem Krieg verloren."

Auch in Großbritannien selbst stieß Charles auf Kritik. Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Ukip, die aus ihrer Bewunderung für Putin keinen Hehl macht, sagte: "Es gibt Zeiten, in denen es für Prinz Charles besser ist, sich nicht in solche Dinge einzumischen."

Der Labour-Abgeordnete Mike Gapes, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Unterhauses, twitterte : "Wenn Prinz Charles kontroverse Aussagen zu nationalen oder internationalen Themen tätigen will, sollte er abdanken und sich zur Wahl stellen."

Gapes' Parteichef Ed Miliband gab dem Thronfolger dagegen Rückendeckung: "Ich denke, dass viele Menschen in unserem Land die Sorgen von Prinz Charles über Präsident Putin und sein Vorgehen in der Ukraine teilen", sagte der Oppositionsführer dem Fernsehsender Sky News.

Premierminister David Cameron wollte sich nicht zu dem Hitler-Putin-Vergleich äußern. Sein einziger Kommentar: "Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung."

syd