Schlägerei in TV-Show Gericht verurteilt Putin-Kritiker Lebedew

Das Gefängnis bleibt ihm erspart: Ein Gericht in Moskau hat den prominenten Putin-Kritiker Alexander Lebedew zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Grund ist eine Prügelei in einer TV-Show. Doch der Oppositionelle wittert politische Motive hinter seiner Verurteilung.

Verurteilter Lebedew: Prügelei in Fernsehsendung
DPA

Verurteilter Lebedew: Prügelei in Fernsehsendung


Moskau - Er hatte den Moskauer Baulöwen Sergej Polonski vor laufenden Kameras per Fausthieb zu Boden gestreckt - nun ist der russische Milliardär Alexander Lebedew deshalb zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Das Gericht in Moskau befand den 53-Jährigen der Körperverletzung für schuldig.

Die Staatsanwaltschaft ließ die Anklage wegen Rowdytums zuvor fallen. Damit umging Lebedew eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Sein Anwalt kündigte dennoch an, in Berufung gehen zu wollen. "Ich schäme mich für dieses Urteil", sagte Lebedews Verteidiger Genry Reznik.

Der Angeklagte hatte den Prozess gegen sich als einen Rachefeldzug von Präsident Wladimir Putin bezeichnet. Lebedew, Besitzer einer russischen Großbank, finanziert die oppositionelle Zeitung "Nowaja Gaseta" und hat in der Vergangenheit auch in seinem Blog humoristische Kurzgeschichten über Putin geschrieben. Außerdem gehören dem ehemaligen KGB-Agenten der britische "Independent" sowie der Mehrheitsanteil am Londoner "Evening Standard".

Prügelei vor laufenden Kameras

Lebedew gehört zu den wenigen Oligarchen in Russland, die sich nach der Festnahme des Öl-Tycoons Michail Chodorkowski noch trauen, dem Kreml offen zu widersprechen. Die "Nowaja Gaseta" zählt zu den letzten kritischen Blättern im Land. Mehrere ihrer Journalisten haben ihre Arbeit in den vergangenen Jahren mit dem Leben bezahlt - die prominenteste unter ihnen war Anna Politkowskaja.

Vor knapp einem Jahr hatte Lebedew angekündigt, sich aus Russland zurückziehen zu wollen. Doch noch nimmt er kaum ein Blatt vor den Mund - und lässt mitunter auch Fäuste sprechen. In einer TV-Show duellierte er sich im September 2011 mit dem Ex-Chef des Immobilienkonzerns Mirax Group, Sergej Polonski. Dieser hatte angekündigt, anderen Studiogästen "die Fresse polieren" zu wollen - da fackelte Lebedew nicht lange und streckte ihn mit Faustschlägen nieder. Polonski trug eine Verletzung an der Hand davon und beschwerte sich zudem darüber, dass seine Jeans zerrissen worden sei.

Doch der Geschlagene selbst ist auch kein Kind von Traurigkeit. Er musste zuletzt drei Monate in einem Knast in Kambodscha verbringen, nachdem er dort am Silvesterabend eine Bootscrew angegriffen hatte.

syd/Reuters/AP



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
makki45 02.07.2013
1.
Was will der Artikel sagen ? a/ wäre Lebedew kein Putin-Kritiker bekäme er keine Strafe ? b/ Putin-Kritiker sind Asoziale, die sich prügeln in der Öffentlichkeit ? Kann mir bitte jemand helfen ?
opossum15 02.07.2013
2.
Wie dumm muss man eigentlich sein um bei 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit einen politischen Rachefeldzug gegen sich zu sehen. Fakt ist doch, dass er sich vor laufender Kamera geprügelt hat, was hat er da noch erwartet. Solche Menschen, die nur nach Anarchie und rechtlicher Willkür schreien, werden im Westen noch als ernst zunehmende Kremelkritiker gesehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.