Besuch in Israel Putin nennt Iran "ernsthafte Gefahr" für die Welt

Russland wehrt sich gegen härtere Sanktionen gegen Iran - doch die Bedrohung durch das Land erkennt Präsident Putin an. Bei einem Besuch in Israel bezeichnete er Teherans Atompläne als "ernsthafte Bedrohung". Er forderte Jerusalem zudem zu Verhandlungen mit den Palästinensern auf.

Russlands Präsident Putin in Israel: Gespräche über Iran und Syrien
REUTERS

Russlands Präsident Putin in Israel: Gespräche über Iran und Syrien


Jerusalem - Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu einen atomar bewaffneten Iran als "ernsthafte Gefahr" für die Welt bezeichnet. Netanjahu hat bei seinem Treffen mit Putin während dessen Israel-Besuch am Montag für weitere Sanktionen gegen Teheran geworben.

In einer Mitteilung nach dem Treffen erklärte Putin, er und Netanjahu hätten über Iran und Syrien gesprochen. Allerdings seien seiner Ansicht nach einzig Verhandlungen ein Weg zu Lösungen, fügte Putin hinzu. Zu Details äußerte er sich nicht.

Jerusalem geht davon aus, dass Teheran heimlich Atomwaffen entwickelt. Der Iran hingegen hat stets erklärt, sein Nuklearprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken. Russland hatte sich zuletzt gemeinsam mit China für die Beschränkung von Sanktionen gegen den Iran eingesetzt. Israel drohte wiederholt mit militärischen Aktionen gegen das iranische Atomprogramm.

In der vergangenen Woche hatte auch ein Krisentreffen der fünf Uno-Vetomächte und Deutschlands mit iranischen Vertretern kaum Fortschritte gebracht. Die nächste Eskalationsstufe rückt nun bedrohlich näher: Am 1. Juli soll das Ölembargo der Europäischen Union gegen Iran in Kraft treten.

An dem Gespräch mit Netanjahu nahmen auch der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sowie Außenminister Avigdor Lieberman teil. Netanjahu bekräftigte seine drei Forderungen an den Iran: Teheran müsse die Anreicherung von Uran stoppen, alles angereicherte Material außer Landes bringen und die Atomanlage in Fordo schließen. Netanjahu sprach sich auch dafür aus, "die Sanktionen und Forderungen an den Iran weiter zu verschärfen".

Klarer Appell an Israel und die Palästinenser

Putin war am Montag in Israel eingetroffen. Am Mittag reiste er in die Küstenstadt Netanja, wo er an der Einweihung einer Gedenkstätte für die Soldaten der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg teilnahm. Dienstag sollte Putin ins Westjordanland und nach Jordanien weiterreisen.

Der russische Politiker rief Israel und die Palästinenser zu einer sofortigen Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. In Israel lebten mehr als eine Million aus der ehemaligen Sowjetunion eingewanderte Menschen und er habe ein Interesse daran, "dass sie in Frieden und Sicherheit leben können", sagte der Moskauer Staatschef. Man wolle die Beziehungen mit Israel unter anderen im Bereich des Handels, der Industrie und der Raumfahrt ausbauen, fügte er hinzu.

jok/dapd/dpa



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Seite 1
Heinz-und-Kunz 25.06.2012
1. Interessant...
Zitat von sysopREUTERSRussland wehrt sich gegen härtere Sanktionen gegen Iran - doch die Bedrohung durch das Land erkennt Präsident Putin an. Bei einem Besuch in Israel bezeichnete er Teherans Atompläne als "ernsthafte Bedrohung". Er forderte Jerusalem zudem zu Verhandlungen mit den Palästinensern auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840863,00.html
Klare Worte gegen den Iran aus *dem Osten*! Das dürfte das eine oder andere Weltbild schwer erschüttern. Rußland und China als Garanten von Irans Sicherheit. Von wegen!
ElisR. 25.06.2012
2. Die Sache mit dem Jota...
Zitat von sysopREUTERSRussland wehrt sich gegen härtere Sanktionen gegen Iran - doch die Bedrohung durch das Land erkennt Präsident Putin an. Bei einem Besuch in Israel bezeichnete er Teherans Atompläne als "ernsthafte Bedrohung". Er forderte Jerusalem zudem zu Verhandlungen mit den Palästinensern auf. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,840863,00.html
Werter Autor, Sie schreiben: "... Bei einem Besuch in Israel bezeichnete er Teherans Atompläne als "ernsthafte Bedrohung...". Im Text, auf den Ihr Link verweist, heißt es: "Der russische Präsident Wladimir Putin hat *nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu* einen atomar bewaffneten Iran als "ernsthafte Gefahr" für die Welt bezeichnet." Gestatten Sie mir bitte dazu folgende Fragen: Wie erklären Sie den Unterschied? Hat Putin tatsächlich von "Teherans Atomplänen" gesprochen? MfG ElisR.
Zartoshti 25.06.2012
3. Wie immer
80 % der Besucher lesen nur die Überschrift: Putin nennt Iran ernsthafte Gefahr für die Welt. Wenn man den Artikel liest ging diese Aussage von Netanjahu aus. Ohne Worte wie hier Wahrheiten verdreht werden.
Mario V. 25.06.2012
4. Titel und Inhalt... mein lieber Herr Gesangsverein!
Überschrift: Putin nennt Iran "ernsthafte Gefahr" für die Welt. Artikel-Einleitung: Bei einem Besuch in Israel bezeichnete er Teherans Atompläne als "ernsthafte Bedrohung" Weiter unten im Artikel dann: "nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu" hat er "einen atomar bewaffneten Iran als "ernsthafte Gefahr" für die Welt bezeichnet". Und was hat Putin nun wirklich gesagt? Darüber steht überhaupt nichts im Artikel. Wahrscheinlich war es sowas wie "Atomwaffen in den falschen Händen sind eine ernsthafte Bedrohung für die Welt." Den genauen Wortlaut wissen vermutlich nur Putin und Netanjahu, und der Dolmetscher. Aber wer wird sich schon an solchen Kleinigkeiten stören. Hauptsache wir haben mal wieder eine reißerische Überschrift, gell?
MarionMarx 25.06.2012
5. Stimmungsmache
Was soll das? Putin hat weder Iran an sich, noch Irans Atomprogramm als eine "ernsthafte Gefahr für die Welt" bezeichnet, sondern nur die fiktive Möglichkeit, eines nuklear bewaffneten Iran. Da er sich weiterhin gegen verschärfte Sanktionen ausspricht, hat sich also nichts geändert. Was soll das? Gehen Sie davon aus, dass ihre Leser nur die Überschriften lesen?
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