Putin und Obama Das große Schweigen

Wladimir Putin und Barack Obama haben sich nichts mehr zu sagen. Beim Asien-Pazifik-Gipfel gingen sie sich weitgehend aus dem Weg. Nur kurz sprachen sie über den Syrienkrieg. Obamas Fazit: "Ich bin nicht optimistisch."

AFP Photo/ Apec Peru 2016

US-Präsident Barack Obama scherzt, schüttelt Hände, informiert sich über den Friedensprozess in Kolumbien und bilanziert mit Chinas Präsident Xi Jinping den Status Quo des gemeinsamen Verhältnisses. Russlands Präsident Wladimir Putin führt ebenfalls zahlreiche Gespräche beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Lima. Nur eines fehlt: das Miteinander.

"Zu Beginn der Sitzung haben sie sich begrüßt und ein paar Worte gewechselt", erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben russischer Agenturen. Einem Sprecher des Weißen Hauses zufolge unterhielten sich die beiden Politiker am Sonntag "etwa vier Minuten lang" über Syrien und die Ukraine.

Das Gespräch sei ähnlich verlaufen wie viele in den vergangenen Monaten, sagte Obama anschließend bei einer Pressekonferenz. Er kritisierte erneut scharf die russischen Bombardements in Syrien und zeigte sich wenig zuversichtlich über eine Lösung des Konflikts: "Ich bin nicht optimistisch mit Blick auf den Prozess in nächster Zeit."

Putin sagte, man sei sich "mit Respekt begegnet". Zudem stellte er Obama eine Art Willkommensgarantie für Russland aus. "Ich habe ihm für die Jahre der Zusammenarbeit gedankt und ihm gesagt, dass wir uns immer freuen, ihn in Russland zu sehen - wenn es notwendig sein sollte oder wenn er es sich wünscht."

Ansonsten gingen sich die beiden mächtigen Männer aus dem Weg. Ein bilaterales "Abschlussgespräch" der beiden war trotz Obamas Ausscheiden aus dem Amt nicht angesetzt worden - so waren letzte Worte den zufälligen Gipfelbegegnungen vorbehalten.

15 Plätze zwischen Putin und Obama

Deutlich wurde die Distanz der Politiker auch beim feierlichen Dinner und einer opulenten Show am Samstagabend im Parque de la Reserva der peruanischen Hauptstadt. Die Organisatoren hatten Obama an der Seite von Chiles Präsidentin Michelle Bachelet platziert, Putin saß rund 15 Plätze weiter an der Seite von Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto.

Zwischen den beiden Regierungschefs war es aufgrund der russischen Bombardements und Putins Parteinahme für Syriens Machthaber Baschar al-Assad zum Zerwürfnis gekommen. Putin setzt auf weit bessere Beziehungen mit Donald Trump - Obama hingegen warnte seinen gewählten Nachfolger vor einer zu starken Annäherung an Russland und Putin.

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Putin und Obama: Nichts mehr zu sagen

Obama nimmt Trump in Schutz - und warnt ihn indirekt

Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Ausland nahm US-Präsident Barack Obama seinen Nachfolgers Donald Trump noch einmal in Schutz. "Erwartet nicht das Schlechteste. Hofft, dass die Administration ihren Job machen und arbeiten wird. Danach kann man sein Urteil fällen", sagte Obama in Lima.

Er warnte Trump indirekt davor, das Freihandelsabkommen TPP aufzukündigen. "TPP ist ein Plus für die amerikanische Wirtschaft, für Arbeitsplätze und für Arbeiterrechte", sagte Obama.

Die Transpazifische Partnerschaft (TPP) war 2015 beschlossen worden und ist das bisher größte Freihandelsabkommen der Welt. Es umfasst die USA, Australien, Brunei, Kanada, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam. Trump will TPP aufkündigen, weil es Arbeitsplätze in den USA kosten könnte.

In der Abschlusserklärung der 21 Länder, die in der Wirtschafts-Allianz Apec zusammengeschlossen sind, heißt es: "Wir bekräftigen unser Bekenntnis, unsere Märkte offen zu halten und gegen jede Form des Protektionismus zu kämpfen."

China und weitere Staaten warnten Trump eindringlich vor einer Abschottungspolitik und der Aufkündigung von Handelsverträgen. Chinas Staatschef Xi Jinping sagte, ohne Trump zu nennen: "China macht die Tür nicht zu." Bei einem Treffen mit Obama betonte er, man hoffe auf einen "sanften Übergang" beim Wechsel im Weißen Haus.

irb/aar/AFP/dpa



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interessierter Laie 20.11.2016
1. Trump wird sicher mit ihm reden...
Schließlich lebt Putins Wirtschaft schon länger hinter Mauern - das was Trump anstrebt. Und China wird wohl nicht nur mit Verträgen in Lücken vorstoßen. Für die bietet sich die einmalige Gelegenheit, endgültig zur ökonomischen und militärischen Weltmacht aufzusteigen.
ihawk 20.11.2016
2. Friedensnobelpreis
Obama hat zweifellos Großes geleistet. In der Außenpolitik hat er jedoch in meinen Augen grandios versagt und die Welt an den Rand eines globalen Krieges getrieben. Seine nicht endenden Provokationen gegenüber Russland gipfelten in der nachweislich falschen Behauptungen, Russland hätte sich in den US Wahlkampf eingemischt. Worüber soll sich Putin denn mit Obama unterhalten? Für eine konstruktive Zusammenarbeit kann sich Putin beileibe nicht bedanken. Ich habe mitgezählt: Bei seinem Interview mit ARD und Spiegel hat Obama genau 17 mal ebenso charmant wie dreist gelogen.
meinerlei 20.11.2016
3. It's the economy
Das BIP von Europäische Union und USA ist 22 Mal höher als jenes Russlands, das von China ungefähr 5 Mal. Die diesbezügliche Relevanz Russlands entspricht der Italiens. Putin versucht mit militärischen Abenteuern bzw. asymmetrische Kleinkriegen und nationalistischen Parolen vom Niedergang, der allgegenwärtigen Korruption und Kleptokratie in seinem Land abzulenken. Er ist gefährlich wegen der Atombomben, aber Obama hat in seinen letzten Monaten eben Wichtigeres zu tun, als sich Märchen über die Ukraine und Syrien anzuhören. Er verhandelt mit den relevanten Staatschefs, was sonst.
Zaunsfeld 20.11.2016
4.
Zitat von ihawkObama hat zweifellos Großes geleistet. In der Außenpolitik hat er jedoch in meinen Augen grandios versagt und die Welt an den Rand eines globalen Krieges getrieben. Seine nicht endenden Provokationen gegenüber Russland gipfelten in der nachweislich falschen Behauptungen, Russland hätte sich in den US Wahlkampf eingemischt. Worüber soll sich Putin denn mit Obama unterhalten? Für eine konstruktive Zusammenarbeit kann sich Putin beileibe nicht bedanken. Ich habe mitgezählt: Bei seinem Interview mit ARD und Spiegel hat Obama genau 17 mal ebenso charmant wie dreist gelogen.
Putin ist ein Kriegstreiber und Kriegsverbrecher. Im Gegensatz zu Obama hat Putin tatsächlich schon Kriege angefangen. Da muss man nur mal in die Ukrainer schauen. Ein echter Krieg, den Putin mit russichen Truppen auf ukrainischem Boden gegen ukrainische reguläre Truppen führte und in abgeschwäschter Form noch immer weiterführt. Ich weiß zwar nicht, wo Sie Obama Lügen unterstellen, aber wenn wenn Sie Obama einen Lügner nennen, dann müssen Sie Putin wohl für den Ober-Pinocchio halten, denn in den letzten 2 Jahren haben Putin und seine Ministerialmarionetten nicht ein einziges Mal in irgendeinem Thema von Bedeutung die Wahrheit gesagt. Das fängt bei den grünen Männchen auf der Krim an, geht weiter mit dämlich plump gefälschten Satellitenbildern, die angeblich den Abschuss von MH17 durch einen ukrainischen Jet zeigen sollten, geht weiter mit der Behauptung, russiche Truppen würden in Syrien den IS bekämpfen, obwohl sie in Wirklichkeit jeden außer den IS bekämpfen, der Assads Schreckensherrschaft über das eigene Volk bedroht, und hunderte andere Lügen, die Putin teils wenige Wochen, teils sogar wenige Tage nach seiner Äußerung sogar selbst als Lügen eingeräumt hat, teile wurden seine Lügen innerhalb kürzester Zeit von Dritten entlarvt. Also wozu sollte sich Obama mit Putin unterhalten, wenn er doch schon im Vorhinein weiß, dass er von Putin sowieso nichts anderes als dreiste Lügen zu hören bekommt?
bauklotzstauner 20.11.2016
5.
Zitat von ihawkObama hat zweifellos Großes geleistet. In der Außenpolitik hat er jedoch in meinen Augen grandios versagt und die Welt an den Rand eines globalen Krieges getrieben. Seine nicht endenden Provokationen gegenüber Russland gipfelten in der nachweislich falschen Behauptungen, Russland hätte sich in den US Wahlkampf eingemischt. Worüber soll sich Putin denn mit Obama unterhalten? Für eine konstruktive Zusammenarbeit kann sich Putin beileibe nicht bedanken. Ich habe mitgezählt: Bei seinem Interview mit ARD und Spiegel hat Obama genau 17 mal ebenso charmant wie dreist gelogen.
Obama meinte auch auf die Frage, ob die Sezession der Krim mit der Sezession des Kosovo vergleichbar sei, daß das schon deshalb nicht so sein könnte, weil "im Kosovo ein von der UNO beaufsichtigtes Referendum stattgefunden hätte". Wer solch einen Satz von einer Respektsperson wie Obama hört, muß annehmen, daß das Hauptproblem das sei, daß das Referendum auf der Krim nicht von der UN oder der OECD beaufsichtigt wurde, womit also die Korrektheit der Abstimmung nicht "unabhängig überprüft werden konnte", wie man das so in Fachkreisen nennt. Während im Kosovo alles in Ordnung gewesen sei - wie auch die sofortige Anerkennung schon wenige Tage nach der Unabhängigkeitserklärung durch alle westlichen bestätigen sollte, oder? Das kleine Problem ist halt nur: Es GAB im Kosovo kein Referendum! Gar KEINS! Noch nicht mal ein "nicht beobachtetes", wie auf der Krim! Obama hatte gelogen. Zudem verstieß die Sezession gegen eine Resolution des UNO, die ausdrücklich die territoriale Integrität GANZ Serbiens inkluisive des Kosovo garantierte. Ein Bruch des Völkerrechtes, also...
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