Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat Agenturberichten zufolge Teile der Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Dies betreffe Truppen in Westrussland, hieß es in den Berichten am Mittwoch. Die Bereitschaft der bewaffneten Truppen solle getestet werden, ordnete Putin an. Ein Muskelspiel inmitten der Spannungen zwischen dem Westen und dem Osten der Ukraine.
"Auf Anweisung des Präsidenten der russischen Föderation wurden die Truppen in Westrussland heute um 14 Uhr in Alarmbereitschaft gesetzt", zitiert die Nachrichtenagentur Interfax den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Das entspricht 10 Uhr MEZ. Man wolle testen, wie die Truppen mit Krisensituationen umgehen, welche "eine Bedrohung für die militärische Sicherheit des Landes darstellen".
Außenminister Sergej Lawrow hatte von einer zunehmend "neofaschistischen" Stimmung im Westen der Ukraine gesprochen. Der Hintergrund: Es stehen Forderungen im Raum, dass die Sprache der russischen Minderheit in der Ukraine verboten werden soll. Ein Vorstoß, der nach dem Umsturz im Land und der Amtsenthebung von Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch vorangetrieben wurde. Im Ostteil der Ukraine leben viele ethnische Russen. Ebenso auf der Halbinsel Krim, wo die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist.
Russland hatte bereits zuvor mit deutlichen Worten eine Wiederherstellung von Stabilität und Ordnung gefordert. Zudem forderte Moskau die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf, die Lage in der Ukraine zu untersuchen. Die bleibt nach dem Umsturz am Samstag vorerst unklar: Noch wartet die Ex-Sowjetrepublik auf eine neue Regierung. Die Kandidaten für das neue Kabinett sollten am Mittwochabend in Kiew auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz, dem Maidan, vorgestellt werden. Das teilte der Politiker Walerij Pazkan von der Partei Udar (Schlag) des Ex-Boxprofis Vitali Klitschko mit.
Nato sichert Unterstützung zu
Nach Angaben der Partei kommen der frühere Parlamentschef Arsenij Jazenjuk sowie der reiche Unternehmer und Ex-Außenminister Pjotr Poroschenko für den Posten des Ministerpräsidenten in Frage. Die Wahl der neuen Regierung ist für diesen Donnerstag im Parlament angesetzt.
Während also das ukrainische Verhältnis zu Russland nach den Ereignissen der vergangenen Woche äußerst angespannt bleibt, kann sich das Land immerhin der weiteren Unterstützung durch die Nato sicher sein. "Die Ukraine ist ein enger und beständiger Partner der Nato", sagte der Generalsekretär der Militärallianz, Anders Fogh Rasmussen, in Brüssel. Man wolle die Partnerschaft mit der früheren Sowjetrepublik fortführen.
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Russische Soldaten in Sewastopol: Präsident Wladimir Putin hat Agenturberichten zufolge Teile der Streitkräfte in Westrussland in Alarmbereitschaft versetzt. Dies dürfte mit der Krise in der Ukraine zu tun haben.
Demonstration am Sonntag in Sewastopol: Im Ostteil der Ukraine leben viele ethnische Russen. Auf der Halbinsel Krim ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert.
Die russischsprachigen Provinzen im Osten fürchten die rechtsextremen russophoben Nationalisten des Rechten Sektors, die rasant Zulauf bekommen. In Kiew kontrollieren sie bereits die Straßen.
Auch am Dienstag gab es neue prorussische Proteste auf der Krim. Hier gibt es in Simferopol kleine Zusammenstöße mit Tataren. Russland und viele andere Staaten fürchten, der Zusammenhalt der Ukraine könnte auf der Kippe stehen.
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