Putins Harmonie-Show Ein Mann, ein Fisch

Russlands Premier Putin inszeniert sich gerne als Naturbursche - auf der Jagd, beim Reiten, unter Wasser. Jetzt fuhr er an die Wolga und lud seinen vermeintlichen Rivalen, Präsident Medwedew, zum Angeln ein.

REUTERS / RIA Novosti

Moskau - Dieses Mal hat er das Hemd angelassen. Russland Premier Wladimir Putin ist mal wieder in der Natur unterwegs, selbstverständlich inklusive Kamera-Tross. Anders bei seinem letzten sorgfältig inszenierten Outdoor-Ausflug vor drei Jahren posierte er dieses Mal nicht mit freiem Oberkörper. Stattdessen zeigte er sich betont harmonisch mit Präsident Dmitrij Medwedew.

Dieser durfte am Ufer der Wolga seine Macher-Qualitäten beweisen und seinen ersten Fang in die Kameras halten. Dabei ist die Rolle des Naturburschen üblicherweise Putin vorbehalten. In den vergangenen Jahren konnten Interessierte Fotos von ihm bei der Jagd auf einen Wal bewundern, ihn mit einem Gewehr durch Wälder ziehen sehen oder beim Reiten durch Sibirien betrachten. Auch als Tigerbändiger oder Hubschrauberpilot war er im Einsatz. Der Premier pflegt gern sein Macho-Image.

Vergangene Woche betätigte er sich gar als Schatztaucher im Asowschen Meer. Er entdeckte - natürlich völlig überraschend - gleich zwei beschädigte Amphoren aus dem sechsten Jahrhundert. Sein Vorteil: Er hatte an dem Tag klare Sicht, vermeldete die Agentur Interfax.

Medwedew durfte zum Amphorentauchen nicht mit, beim Angeln aber war seine Anwesenheit wohl inszeniert. Die Bilder zielten offenbar darauf ab, Berichte über eine mögliche Rivalität zwischen den beiden Männern zu widerlegen. Denn auch rund sieben Monate vor der Präsidentschaftswahl haben sie nicht mitgeteilt, wer von ihnen dann kandidieren wird. Öffentlich sagten beide bislang nur, sie würden eine Kandidatur nicht ausschließen, wollten sich aber untereinander abstimmen.

Putin war von 2000 bis 2008 Staatschef und machte den Präsidentenposten für Medwedew frei, da er nach zwei Legislaturperioden gemäß der Verfassung nicht noch einmal kandidieren durfte. Nach einer vierjährigen Pause spricht jedoch nichts gegen eine erneute Kandidatur. Medwedew wurde von Beobachtern lange Zeit lediglich als Platzhalter Putins eingestuft.

Tatsächlich hat Präsident Medwedew viele Spitzenbeamte feuern und Politiker aus Staatsunternehmen entfernen lassen, die dem Putin-Lager zugerechnet werden. Aber auch der Premier hat für die Zeit nach den Wahlen Säuberungen angekündigt.

Unklar ist, wie groß die vermeintliche Rivalität zwischen den beiden tatsächlich ist. Gibt es wirklich Zeichen ernsthafter Meinungsunterschiede? Sind Medwedew und Putin Konkurrenten geworden - oder ein raffiniertes Team, welches das Publikum mit Ablenkungsmanövern hinzuhalten sucht?

kgp/AFP



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
earl grey 17.08.2011
1. der Taucher...
Zitat von sysopRusslands Präsident Putin inszeniert sich gerne als Naturbursche - auf der Jagd, beim Reiten, unter Wasser.*Jetzt fuhr er an die Wolga und lud seinen vermeintlichen Rivalen, Präsident Medwedew, zum Angeln ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,780761,00.html
Naja, Hauptsache der Taucher hat den toten Fisch auch an den richtigen Haken gehängt...
derandersdenkende, 17.08.2011
2. Mit den Inszenierungen ist das so eine Sache
Zitat von sysopRusslands Präsident Putin inszeniert sich gerne als Naturbursche - auf der Jagd, beim Reiten, unter Wasser.*Jetzt fuhr er an die Wolga und lud seinen vermeintlichen Rivalen, Präsident Medwedew, zum Angeln ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,780761,00.html
und die Kritiker reagieren sehr verschieden darauf. Die einen halten die beiden Hauptakteure für authentisch und verweisen auf die jammervolle Rolle Ihres gemeinsamen Vorgängers, der wiederum von andere Kritikern hofiert wurde. Ihre Kritik war jedoch durch arglistige Täuschung gekennzeichnet, weil sie damit den Hauptakteuren auf anderen wichtigen Bühnen Wettbewerbsvorteile einräumten. Deren Inszenierungen verliefen fortan eher peinlich und finden immer weniger Beifall. Ergo! Selbst die geübtesten Kritiker bekommen Probleme, wenn das Publikum ihre Auffassung nicht teilt. Was Putin und Medwedew angeht, könnte ich mir durchaus einen turnusmäßigen Tausch der Ämter vorstellen. Auf falsche Kritiker sollten sie besser nicht hören.
dirkgruenwald 17.08.2011
3. Der Andersdenkende
Ich glaube, Sie verwechseln da etwas. Putin und Medwedjew sind keine Art von Beamten oder Angestellten, deren Pöstchen man austauschen kann. Sie sollen die höchsten gewählten Repräsentaten Russlands sein. Aber wenn man die russische Verfassung wie Sie und Putin interpretiert, dann braucht man eigentlich keine Wahlen. Da könnte man viel Geld sparen. Symptomatisch für das ganze Kasperle-Theater ist doch, dass Putin Chef einer Partei ist, deren Mitglied er noch nicht einmal ist. Daher zeugt Ihr Verständnis für Putin von einem Mangel an grundlegenden Merkmalen des demokratischen Systems.
hupfhupf 17.08.2011
4. Und ...
Zitat von earl greyNaja, Hauptsache der Taucher hat den toten Fisch auch an den richtigen Haken gehängt...
... immerhin hat er auch offensichtlich einen Suesswasserfisch angehaengt. Manch einer mag sonst kritische Fragen gestellt haben, wenn der Taucher vorher einen Heilbutt aus dem Tiefkuehlregal gezogen haette.
derandersdenkende, 17.08.2011
5. Nicht unbedingt !
Zitat von dirkgruenwaldIch glaube, Sie verwechseln da etwas. Putin und Medwedjew sind keine Art von Beamten oder Angestellten, deren Pöstchen man austauschen kann. Sie sollen die höchsten gewählten Repräsentaten Russlands sein. Aber wenn man die russische Verfassung wie Sie und Putin interpretiert, dann braucht man eigentlich keine Wahlen. Da könnte man viel Geld sparen. Symptomatisch für das ganze Kasperle-Theater ist doch, dass Putin Chef einer Partei ist, deren Mitglied er noch nicht einmal ist. Daher zeugt Ihr Verständnis für Putin von einem Mangel an grundlegenden Merkmalen des demokratischen Systems.
Natürlich müssen sich beide einer demokratischen Wahl stellen ! Und ich gehe einfach davon aus, daß beide dann auch gewählt werden. Desweiteren glaube ich, daß ein vom Westen dort aufgestellter Kandidat dort genausowenig Chancen hätte, wie ein z.B. von Rußland aufgestellter in Deutschland. Aber diese Feststellung gilt auch für Afghanistan und Irak. "Demokratische" ( installierte ) Regierungen sind dort nur möglich, solange Besatzertruppen vor Ort sind. Aber mit der von Ihnen zitierten Demokratie hat das wenig zu tun. In Rußland sind z.Z. einfach keine Alternativen da. Das kann man bedauern oder auch nicht. Und die vom Westen mitunter hochgejubelten gut Hundert Massendemonstranten sind da wirklich keine Alternative, höchstens die Pflege einer jederzeit bei Bedarf rückgreifbaren Demonstrantengruppe. Den Russen geht es im Gegensatz zu Jelzin gut mit Putin. Und da ist es völlig egal ob und welcher Partei er angehört. Er ist dem Volk verpflichtet und nicht irgendwelchen Partei- oder Wirtschafts-Bonzen.
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