Premierminister Wladimir Putin
Wenn es darum geht, die Vorzüge vaterländischer Autohersteller zu demonstrieren, wird Russlands gern selbst tätig. Den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush kutschierte er mal in einem sowjetischen Oldtimer der Marke "Wolga". Im Dezember brachte er den ersten in Wladiwostok vom Band laufenden "Patriot"-Jeep an den Mann: an Italiens Präsident Silvio Berlusconi, freilich mit Rabatt.
Jetzt rührt Putin die Werbetrommel für Russlands Autobauer Nummer eins, den kränkelnden Awtowas-Konzern. Russlands starker Mann klemmte sich hinter das Steuer einer kanariengelben Sportversion des Lada "Kalina" und tourte auf Pirelli-Reifen demonstrativ 2500 Kilometer durch Sibirien.
Dumm nur, dass nicht nur die Kameras des kontrollierten Staats-TV Putins Roadshow filmten, sondern auch Passanten am Wegesrand. Mindestens hundert Begleitfahrzeuge zählten Mitglieder des sibirischen Jeep-Clubs "Diversant" - ohne die Polizeiposten entlang der Strecke. Russische Blogger monieren, die "Operation Amur" des für die Bewachung zuständigen Föderalen Sicherheitsdienstes habe wohl "das Budget einer mittleren Kleinstadt" verschlungen.
Ein YouTube-Video von Schaulustigen enthüllte zudem eine peinliche PR-Panne: Erst braust Putins Kolonne vorbei. Dann folgt - unter dem Johlen der Zuschauer - ein Abschleppwagen mit einem quietschgelben Lada im Schlepptau. Alles sei nur halb so schlimm gewesen, ließ der Regierungsapparat zügig verlauten, bei dem Pannenwagen habe es sich nur um eines von zwei Ersatzfahrzeugen gehandelt, die der Putin-Tross sicherheitshalber mitführte.
Russische Medien fragten prompt, ob denn auch russische Normalverbraucher beim Kauf eines "Kalina" für den Preis von 370.000 Rubel - umgerechnet 9500 Euro - mit zwei Wagen auf Vorrat rechnen dürften.
"Gut, wenn man mich fürchtet"
Putins PR-Strategen haben dem Premier nach dem Missmanagement während der Waldbrände im August eine Imagekampagne verordnet. Zuletzt war Putin omnipräsent: zu Lande, zu Wasser (beim Armbrustschuss auf einen Grauwal) und in der Luft (als Co-Pilot in einem Löschflugzeug). In elf Tagen habe der Regierungschef 24.650 Flugkilometer hinter sich gebracht, 20 Termine absolviert und mehr als 40 Anordnungen erlassen, notierte das Boulevardblatt "Komsomolskaja Prawda" halb amüsiert, halb ehrfurchtsvoll.
Ausgewählte Journalisten lud Putin ein, ihn bei der Fahrt im Sport-Lada ein Stück zu begleiten. Der "Komsomolskaja Prawda" bekannte er, es sei "gut, wenn man mich fürchtet", und dem Korrespondenten der Zeitung "Kommersant" diktierte Putin, Teilnehmer nicht genehmigter Demonstrationen sollten den "Knüppel auf den Kopf" bekommen. Bereits am Dienstag mühte sich die Moskauer Miliz, Putins Anordnung Folge zu leisten - und verhaftete mehr als hundert Oppositionelle, die in der russischen Hauptstadt für Versammlungs- und Meinungsfreiheit demonstrieren wollten. Putin solle als "Mann der Stärke rehabilitiert" werden, sagte der Politologe Alexej Muchin zu SPIEGEL ONLINE. Doch oftmals wirke das nur noch lächerlich, so Muchin.
Für den -Hersteller Awtowas aber lohnt sich die Unterstützung durch den Staat. Am Dienstag sprang der Börsenkurs des krisengeschüttelten Herstellers um satte 20 Prozent in die Höhe. Allein im August stieg der Absatz um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist die Abwrackprämie der russischen Regierung, die nur beim Kauf eines Neuwagens aus russischer Produktion gewährt wird. Insgesamt legte der Lada-Verkauf in den ersten acht Monaten des Jahres um mehr als 31 Prozent zu.
Putin hat noch weitere Hilfen angekündigt: Schrittweise sollen die Importzölle für Gebraucht- und Neuwagen erhöht werden. "Wir sind nicht Mitglied der Welthandelsorganisation", sagte der Premier. "Wir können uns das leisten."
Wie der Sport-Lada ist auch Russlands Autoindustrie für einen echten Härtetest noch nicht reif. Putins gelber "Kalina" wird jedenfalls keinen weiteren Belastungen ausgesetzt. Er kehrt zurück zum Lada-Werk in Togliatti - als Exponat des Awtowas-Museums.
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Sein Waldbrand-Krisenmanagement brachte ihm heftige Kritik ein, also haben die PR-Strategen Wladimir Putin eine Imagekampagne verordnet. Bescheidenheit, Volksnähe demonstrieren. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Tour durch Sibirien - im Lada?
Abenteuer machen durstig. In Chaborowsk macht Russlands Premier Putin vor einem Straßencafé halt und genehmigt sich ein Mineralwasser.
Weiter geht es, auf die gerade eröffnete Schnellstraße von Chabarowsk nach Tschita. Premier Putin, sonst an den Service von Chauffeuren gewöhnt, setzt sich selbst ans Steuer. Für seinen Werbefeldzug in eigener Sache hat er einen Lada "Kalina Sport" gewählt. Der 98 PS starke Kleinwagen aus der Produktion des Awtowas-Konzerns kostet in Russland 370.000 Rubel - umgerechnet 9500 Euro.
Fernfahrer Putin an der Tanke. 2500 Kilometer weit kutschiert er durch Sibirien. Aber statt Sympathie - oder wenigstens Mitleid - erntet er vor allem Hohn und Spott. Denn er fährt natürlich nicht allein durch die Weiten der Taiga - sondern mit einem Tross von hundert Begleitfahrzeugen, die in den bescheidenen, volksnahen Lada-Fotos nicht auftauchen.
Sibirientourist Putin macht Halt bei den Einheimischen. Im Dörfchen Aksionowo-Silowskoe lässt er im Gespräch durchblicken, dass er sich 2012 wohl für eine weitere Amtszeit im Kreml bewerben werde. Seine Gastgeber verziehen keine Miene.
Ankunft in Tschita: Wladimir Putin verziert seinen treuen Lada mit einem Autogramm. Sein Vertrauen in das Wägelchen war übrigens nicht besonders groß: Zum Konvoi des Premiers gehörte auch ein Abschleppwagen - mit einem Ersatz-Lada am Haken.
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