Putins Judo-DVD Werfen und würgen mit Wladimir

Vom Stress des politischen Geschäfts erholt sich Russlands Präsident Putin gern, indem er Gegner ein wenig würgt, wirft und hebelt: Jetzt gibt er sein Kampfsport-Wissen weiter. Zusammen mit Olympiasieger Yasuhiro Yamashita legt er eine Judo-DVD vor.


Russlands Präsident Wladimir Putin, vom "Time"-Magazin zur Person des Jahres gekürt, legt viel Wert auf sein martialisches Image: Im Sommer ließ er sich mit nacktem Oberkörper und Camouflage-Hose beim Fischen in Sibirien fotografieren, zu seinen sonstigen Hobbys gehören Bewegungssportarten wie Boxen oder Judo. Da darf er sich sogar "Dan" ("Meister") nennen, und nur die sind ja auch nach deutscher Handwerkstradition ausbildungsberechtigt: Auch Wladimir Putin fühlt sich berufen - und legt nun eine Schulungs-DVD in Sachen Werfen, Hebeln, Würgen vor.

Denn obwohl Judo wörtlich "der sanfte Weg" bedeutet, ist es natürlich ein Kampfsport. Als solcher ist der dem Ringen verwandt: Während man Judo gemeinhin mit spektakulären Würfen verbindet, wird der Sieg in Wettkämpfen meist erst am Boden errungen: Es geht darum, den Gegner unter Ausnutzung dessen Bewegungs-Momentums zu destabilisieren, auf die Matte zu befördern, dort festzuhalten oder mittels eines Hebel- oder Würgegriffes bewegungsunfähig zu machen.

Das muss man erst einmal können: Es ist schon eine sportliche Leistung, sich mit einem Olympiasieger zu messen. Das tat Putin erstmals vor zwei Jahren in Tokio und kurz darauf noch einmal in St. Petersburg. Videoaufnahmen seiner Trainingskämpfe mit dem japanischen Meister Yasuhiro Yamashita wurden nun zu einer Schulungs-DVD zusammengefasst.

Für Putin ist Judo eine charakterbildende Sportart: "Sportarten wie Judo lehren uns gegenseitigen Respekt. Respekt für den Gegner, mit dem Wissen, dass ein schwach erscheinender Gegner sich wehren und sogar siegen kann, wenn man seine Konzentration fahren lässt und selbstzufrieden wird." Wer dabei an Politik denkt, macht sich des Spöttertums verdächtig.

Putins Schwarzgurt wurde dem russischen Präsidenten nicht honoris causa verliehen. Der prominente Judoka tritt sporadisch in regulären Wettkämpfen an und hat in Russland einen Boom der ursprünglich japanischen Sportart ausgelöst. Rund 200.000 Russen sollen inzwischen auf den Dojo-Matten aktiv sein.

Veröffentlicht wird die DVD voraussichtlich Anfang kommenden Jahres als Beilage zu einem Judo-Lehrbuch. Auch das ist für Putin nichts neues: Etliche Jahre vor Beginn seiner Präsidentschaft war Putin schon einmal Co-Autor eines Judo-Handbuches.

pat/AP



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