Putsch und Proteste Militär vereitelt Rückkehr des Ex-Präsidenten nach Honduras

Seine Maschine kreiste über der Hauptstadt und konnte nicht landen: Mit Militärfahrzeugen hat die Armee in Honduras eine Rückkehr des gestürzten Präsidenten Zelaya verhindert. Bei blutigen Zusammenstößen kamen mindestens zwei seiner Anhänger ums Leben.


Tegucigalpa - Die Lage in Honduras hat sich zugespitzt: Der entmachtete honduranische Präsident Manuel Zelaya ist bei einem dramatischen Rückkehrversuch in seine Heimat gescheitert. Eine Woche nach dem Sturz und der Vertreibung Zelayas durch das Militär haben Soldaten die Landebahn des Flughafens der Hauptstadt Tegucigalpa mit Militärfahrzeugen blockiert, so dass Zelayas Maschine abdrehen musste.

Anhänger Zelayas bejubeln sein Flugzeug (über Tegucigalpa) - doch das Militär lässt es nicht landen
AP

Anhänger Zelayas bejubeln sein Flugzeug (über Tegucigalpa) - doch das Militär lässt es nicht landen

Zelaya musste zunächst nach Nicaragua und dann nach El Salvador ausweichen. Noch während die Maschine über Tegucigalpa kreiste, sagte Zelaya dem TV-Sender Telesur, er habe alles versucht. Es bestehe die Gefahr, dass Jagdflugzeuge der Armee seine Maschine abfangen. "Hätte ich einen Fallschirm gehabt, wäre ich aus dem Flugzeug gesprungen", sagte der vor einer Woche entmachtete Staatschef.

Zugleich kündigte er an, einen neuen Rückkehrversuch unternehmen zu wollen. "Wenn es jetzt nicht geht, dann werden wir es morgen oder übermorgen wieder probieren. Er rief zudem das honduranische Militär zum Einlenken auf. "Ich bin Befehlshaber der Streitkräfte und wurde vom Volk gewählt", sagte Zelaya. Die Freigabe des Flughafens sei ein Befehl.

Übergangspräsident Roberto Micheletti will nach eigenen Worten aber erst verhandeln, wenn sich die Lage beruhigt hat. Seine neue Regierung vertrete das Volk. Der gestürzte Präsident Zelaya wurde am Flughafen von Tausenden Anhängern erwartet, die sich Ausschreitungen mit Sicherheitskräften lieferten. Anhänger Zelayas versuchten, den Zaun des Flughafens zu durchbrechen. Dabei kamen nach Polizeiberichten zwei Demonstranten ums Leben. Das Rote Kreuz berichtete von 30 Verletzten.

Zelaya hatte sich von Washington aus auf den Weg nach Tegucigalpa gemacht und wurde vom Präsidenten der Uno-Vollversammlung, Miguel D'Escoto Brockmann aus Nicaragua, und einigen Botschaftern begleitet. Die neue Regierung hatte zuvor gedroht, Zelaya bei seiner Ankunft festzunehmen und vor Gericht zu stellen.

Zelaya war am Sonntag vergangener Woche gestürzt und vom Militär außer Landes gebracht worden. Die Armee begründete den Putsch mit Zelayas Streben nach einer in der Verfassung nicht vorgesehenen weiteren Amtszeit als Präsident nach den Wahlen im November. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) schloss Honduras wegen des Putsches am Wochenende aus ihren Reihen aus. Sollte es Zelaya gelingen, in seine Heimat zurückzukehren, droht ihm die Festnahme.

Es wird erwartet, dass sich Zelaya in San Salvador mit dem Vorsitzenden der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), José Miguel Insulza, und Präsidenten befreundeter Staaten treffen wird. Die Präsidenten von Ecuador, Argentinien und Paraguay unterstützen ihn bei seinen Versuchen, die Macht in seinem Land zurückzuerlangen.

anr/dpa/AFP/AP



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