Putschversuch im Kongo Präsident Kabila ermordet?

Der Präsident der Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire), Laurent Kabila, ist nach Angaben des belgischen Außenministers Louis Michel tot. Er soll Opfer einer seiner Leibwachen geworden sein, nachdem er einigen seiner Generäle ihre Entmachtung androhte.


Nach Meldungen aus Belgien von seiner Leibwache getötet: Laurent Kabila
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Nach Meldungen aus Belgien von seiner Leibwache getötet: Laurent Kabila

Kinshasa/Brüssel - Die Meldungen am späten Dienstag Abend waren zunächst widersprüchlich. Zunächst wurde nur von einer Verletzung Kabilas berichtet. Während einer halbstündigen Schießerei vor seinem Haus soll ein Leibwächter Kabilas auf den Präsidenten geschossen und ihn am Rücken und am rechten Bein getroffen haben - dies teilte ein hoher Offizier am Abend in Kinshasa mit. Kabila lebe und werde von Ärzten behandelt, fügte er hinzu. Ebenfalls verletzt wurde unbestätigten Berichten zufolge der Sohn des Präsidenten, Joseph Kabila, der an der Spitze der Streitkräfte steht.

Nach Angaben des belgischen Außenministers sei Kabila aber inzwischen tot. "Ich habe aus drei Quellen, dass Kabila wahrscheinlich erschossen worden ist", teilte Michels nach einer Krisensitzung seines Kabinetts in Brüssel mit. Nach Angaben von Michels sei die Ermordung von einem seiner Leibwachen in Anwesenheit einiger Generäle geschehen, denen Kabila zuvor Entmachtung angedroht haben soll. Auch der Sprecher Kabilas in den USA erklärte in der Nacht zum Mittwoch, dass Kabila seinen Verletzungen erlegen sei.

Ausgehverbot in Kinshasa

Der Rundfunks in Kinshasa bestätigte den Tod Kabilas zunächst nicht. Die Regierung wolle sich erst am Morgen offiziell zu den Vorgängen äußern. Unmittelbar nach der Schießerei rief Präsidentenberater Eddy Kapend die Bevölkerung in einer Fernsehansprache zu Ruhe auf und ordnete die Schließung aller Flughäfen und Grenzen des Landes an. Durch die Straßen von Kinshasa fuhren Lastwagen mit bewaffneten Soldaten. Innenminister Gaetan Kakudji ordnete ein nächtliches Ausgehverbot an und erklärte, Kabila habe alle Kampfeinheiten in der Hauptstadt in Alarmbereitschaft versetzt.

Kabila herrschte als Autokrat

Welche Kräfte hinter dem Putschversuch stehen, war zunächst unklar. In Kongo herrscht seit August 1998 Bürgerkrieg. Damals erhoben sich bewaffnete Oppositionsgruppen gegen Kabila. Unterstützt wurden sie von Ruanda und Uganda sowie von der Minderheit der im Osten Kongos lebenden Tutsi. Auf die Seite der Regierung in Kinshasa stellten sich Simbabwe, Angola und Namibia. In Brüssel sprach Rebellensprecher Kin-Kiey Mulumba von einer Palastrevolution. Kabila sei von Soldaten seiner eigenen Leibgarde erschossen worden. Die Ereignisse in Kinshasa seien ein Beleg dafür, dass die Bevölkerung einen Machtwechsel wolle, erklärte Mulumba.

Kabila kam im Mai 1997 an der Spitze eines Aufstands gegen den langjährigen Machthaber Mobutu Sese Seko an die Macht. Er gab Zaire den Staatsnamen Kongo zurück. Mit seinem autokratischen Führungsstil zog der anfangs gefeierte Herrscher zunehmend den Unwillen weiter Bevölkerungskreise auf sich, zumal er viele versprochene Reformen nicht eingelöst hat.



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