Qaida-Botschaft Weißes Haus weist Bin Ladens Angebot zurück

Die US-Regierung hat auf das neue Bin-Laden-Tonband reagiert. Man verhandle nicht mit Terroristen, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses auf die Äußerung des Qaida-Chefs, er biete unter Bedingungen einen Waffenstillstand an. Noch wird geprüft, ob es wirklich Bin Ladens Stimme ist.


Washington - Am Abend nahm US-Regierungssprecher Scott McClellan zu dem Tonband Stellung. Allerdings wollte er bei einer Pressekonderenz nicht direkt auf den Inhalt des Tonbands eingehen. Die Regierung warte zunächst die Analyse der Geheimdienste ab. Er erklärte allerdings, "wir wissen, dass der Feind uns angreifen will". Und fügte hinzu: "Wir verhandeln nicht mit Terroristen, wir legen ihnen das Handwerk." Amerika werde den Krieg gegen den Terror gewinnen.

Bin Laden (Archiv): "Neue Anschläge in Vorbereitung"
AFP

Bin Laden (Archiv): "Neue Anschläge in Vorbereitung"

Fraglich ist, ob die Stimme auf dem Tonband tatsächlich al-Qaida-Chef Osama bin Laden gehört. Zudem soll geklärt werden, wann die Aufnahme gemacht wurde. Zu diesem Zweck untersuchen Techniker der US-Geheimdienste das Band.

Klar ist bisher lediglich, dass die Aufnahme nach dem 29. November des vergangenen Jahres gemacht wurde. Denn die angebliche Bin-Laden-Stimme zitiert Äußerungen von US-Präsident George W. Bush, die dieser damals gemacht hatte: Er hatte einen sofortigen Rückzug der US-Truppen aus dem Irak einen "großen Fehler" genannt, der den Soldaten, den "Feinden" und den Irakern eine falsche Botschaft senden würde.

Al-Dschasira hatte heute Nachmittag drei Auszüge aus der Rede von insgesamt knapp drei Minuten Länge ausgestrahlt. Die Osama Bin Laden zugerechnete Stimme drohte darin mit neuen Terroranschlägen in den USA. Neue Anschläge seien in Vorbereitung. Es liege nicht an den Sicherheitsvorkehrungen in den USA, dass es seit längerem keinen Anschlag mehr gegeben hat, sagte der Sprecher. "Diese Aktionen werden vorbereitet und ihr werdet sie in euren Häusern sehen, sobald sie abgeschlossen sind, so Gott will."

Die Stimme bot den USA einen Waffenstillstand unter bestimmten Bedingungen an. Al-Qaida sei bereit, auf den Wunsch der amerikanischen Öffentlichkeit zu reagieren, die von der US-Regierung den Abzug der Truppen aus dem Irak fordere. "Wir haben keine Einwände, darauf mit einem langfristigen Waffenstillstand auf Basis fairer Bedingungen zu reagieren", hieß es in der Botschaft. "Wir würden uns an diesen Waffenstillstand halten, denn Gott hat unserer Nation (der Muslime) auferlegt, sich an Abmachungen zu halten."

Im Frühjahr 2004 hatte Bin Laden bereits einmal ein Waffenstillstandsangebot gemacht. Damals hatte der TV-Sender al-Arabija ein entsprechendes Tonband veröffentlicht. Darin bot der Sprecher, dessen Stimme Osama bin Laden zugeordnet wurde, europäischen Staaten, die nicht gegen Muslime kämpfen, einen Waffenstillstand an. Es war der offensichtliche Versuch, einen Keil zwischen die im Antiterrorkampf Verbündeten zu treiben. Er bot damals eine Frist von drei Monaten, um auf das Angebot einzugehen. Einen Waffenstillstand mit den USA schloss der Sprecher damals kategorisch aus.

Die USA haben auf Bin Laden, der für die Terroranschläge vom 11. September 2001 verantwortlich gemacht wird, 25 Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt. Es wird vermutet, dass sich der meistgesuchte Terrorist der Welt zusammen mit anderen führenden al-Qaida-Mitgliedern in dem bergigen Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan versteckt.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.