SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

13. August 2011, 13:38 Uhr

Qaida-Terror

US-Behörden befürchten Anschläge mit Giftbomben

Plant al-Qaida eine neue Offensive? Laut "New York Times" versucht das Terrornetzwerk, im Jemen große Mengen des tödlichen Gifts Ricin herzustellen. Die US-Sicherheitsbehörden sind sehr besorgt - und fürchten Anschläge mit verheerender Wirkung.

Hamburg - Seit mehr als einem Jahr bemüht sich der jemenitische Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida, an beträchtliche Mengen von Ricinussamen zu gelangen. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf nicht namentlich genannte Informanten aus Sicherheitskreisen. Die Samen können als Grundlage zur Herstellung des als besonders gefährlich geltenden Gifts Ricin dienen.

Dem Bericht zufolge haben die US-Behörden Belege dafür gesammelt, dass Extremisten entsprechendes Material in Jemens aufständische Schabwa-Provinz bringen. Die Hinweise ließen den Schluss zu, dass das Gift dort hergestellt und mit kleinen Sprengladungen versehen werden könnte. So seien Anschläge etwa in Einkaufszentren, Flughäfen oder U-Bahn-Stationen möglich.

US-Präsident Barack Obama und seine Sicherheitsberater wurden demnach bereits im vergangenen Jahr über die Möglichkeit einer Biogiftbombe informiert und seither regelmäßig unterrichtet. "Die potentielle Bedrohung von Massenvernichtungswaffen", sagte der frühere Direktor des US-Anti-Terrorzentrums der "New York Times", "ist sehr, sehr real. Es ist nicht sehr schwer, Ricin herzustellen." Zwar werde ein solcher Anschlag keine massiven Zerstörungen verursachen, die psychologische Wirkung könnten jedoch verheerend sein, so Michael E. Leiter.

Öffentliche Aufrufe

Der Qaida-Ableger im Jemen, den die Behörden für besonders gefährlich halten, hat in der Vergangenheit bereits öffentlich zu Anschlägen mit Ricin und anderen tödlichen Giften aufgerufen. In einem im vergangenen Herbst im Netz veröffentlichten Artikel hieß es dem Blatt zufolge: "Brüder mit weniger Erfahrung auf den Feldern der Mikrobiologie und Chemie, jedoch mit Grundlagenwissen sollten in der Lage sein, andere Gifte wie Ricin oder Zyanid zu entwickeln."

Laut "New York Times" hat die US-Regierung inzwischen den Druck auf die Extremisten im Jemen erhöht. Demnach kam es wiederholt zu Luftschlägen. Außerdem soll der Geheimdienst CIA eine Basis in der Region errichten, um al-Qaida dort effektiver bekämpfen zu können.

Dem Blatt zufolge könnten die Islamisten ihre Biowaffentaktik jedoch auch abwandeln. Saudische Sicherheitsexperten wollen erfahren haben, dass die Qaida Parfümflaschen voller Ricin an hohe Regierungsbeamte und Ermittler zu senden beabsichtigte. Allerdings gebe es keinen Beleg dafür, dass die tödlichen Geschenke tatsächlich je abgeschickt wurden.

jdl

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung