Anschlag in Québec Fox News löscht Tweet nach Beschwerde Kanadas

Kanada hat Fox News vorgeworfen, Angst zu verbreiten und die Ehre der Opfer des Anschlags von Québec zu verletzen. Grund war ein Tweet über die Herkunft des mutmaßlichen Täters. Der US-Sender reagierte prompt.

Gedenkstätte für die Opfer von Québec
REUTERS

Gedenkstätte für die Opfer von Québec


Das Büro des kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau hat Fox News dazu aufgefordert, einen Tweet zu korrigieren oder zu löschen, in dem der konservative US-TV-Sender behauptet, der mutmaßliche Attentäter von Québec sei marokkanischer Herkunft. Tatsächlich ist der Verdächtige Frankokanadier.

Trudeaus Sprecherin Kate Purchase schrieb einen Brief an den Co-Chef von Fox News, Bill Shine, und verwies auf die "falsche und irreführende Sprache". Der Tweet verletzte die Ehre der Opfer, weil dieser Fehlinformationen verbreite, mit Identitätspolitik spiele, Angst erzeuge und die Spaltung von Gemeinden vorantreibe.

Nach Veröffentlichung des Briefes löschte Fox News den Tweet. Man habe die falsche Information am Montag zunächst mit einem Tweet korrigiert und auch die entsprechende Meldung aktualisiert, teilte Refet Kaplan, Geschäftsführer von FoxNews.com, mit. Die ersten Tweets seien nun gelöscht worden, man bedauere den Fehler.

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Der Tweet war offenbar aufgrund einer ersten Polizeimeldung entstanden, laut der zwei Verdächtige festgenommen worden seien. Später stellten die Behörden klar, dass einer dieser Verdächtigen ein Zeuge sei.

"Wir müssen weiter darauf hinarbeiten, dass unsere Gemeinden sicher und vereint sind, anstatt Mauern zu bauen und Gemeinschaften zu Sündenböcken zu machen", schrieb Purchase. "Angst macht uns nicht sicherer, sie macht uns schwächer." Das Erzeugen von Angst und das Schließen der Grenzen sei keine Lösung, so Purchase, das würde nur von den wahren Alltagsproblemen der Bürger ablenken.

Bei dem Anschlag am Sonntagabend war der mutmaßliche Attentäter Alexandre B. in eine Moschee in Québec eingedrungen, hatte das Feuer eröffnet und dabei mindestens sechs Menschen erschossen. Die Polizei geht davon aus, dass der 27-Jährige allein gehandelt hat. Zum Motiv haben sich die Ermittler noch nicht geäußert. Mehrere Medien berichten, Hass auf Muslime sei das Motiv gewesen.

max/Reuters

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