Nordirland-Konflikt Handschlag unter früheren Feinden

Sie trug quietschgrün, er wählte einen dunklen Anzug, ihre gemeinsame Geste dauerte nur Sekunden - und war doch historisch. Queen Elizabeth II. und der frühere IRA-Anführer Martin McGuinness haben sich die Hände gereicht. Für die Monarchin hatte der ehemalige Erzfeind eine knappe Botschaft parat.


London - Der britische "Guardian" feiert die kurze Begegnung als "bedeutenden Schritt" und einen großen Erfolg im Friedensprozess mit Nordirland. In Belfast haben sich die britische Königin Elizabeth II. und der ehemalige Kommandant der Irish Republican Army (IRA), Martin McGuinness, die Hände gereicht. Es war eine lange erwartete Geste der Versöhnung - die erst hinter verschlossenen Türen vollzogen und dann noch einmal für die Kameras wiederholt wurde.

Das Zusammentreffen in der nordirischen Hauptstadt war das erste Mal, dass ein Mitglied des einstigen bewaffneten Widerstandes in Nordirland der Königin persönlich gegenübertrat. Bisher wurde die Queen, die formell auch Oberbefehlshaberin der britischen Streitkräfte ist, bei den nordirischen Republikanern stets als Feindbild angesehen. Noch vor zehn Jahren, so der "Guardian", wäre ein solches Treffen undenkbar gewesen.

Die Begegnung fand am Rande einer Kunst-Veranstaltung statt. McGuinness ist als Sinn-Fein-Mitglied inzwischen stellvertretender erster Minister von Nordirland. Er hielt die behandschuhte Hand der Monarchin für einen Moment und sprach nach eigenen Angaben auf Irisch zu ihr. "Auf Wiedersehen und Gott sei mit Ihnen", sei in etwa die Botschaft gewesen, die er dem Gast mit auf den Weg gegeben habe, so der Politiker.

Einst Staatsfeind - heute Aussöhner

McGuinness gilt als einer der Köpfe der Irisch Republikanischen Armee, die mit einem bürgerkriegsähnlichen Aufstand in den siebziger und achtziger Jahren die Abspaltung Nordirlands von Großbritannien erreichen wollte. Von britischen Medien wurde er einst als "Staatsfeind Nummer eins" bezeichnet. Er war einer der wichtigsten Vertreter der IRA, als diese im Jahr 1979 den Cousin der Königin, Lord Mountbatten, mit einem Bombenattentat tötete.

Seit Mitte der neunziger Jahre setzte er sich für die Aussöhnung ein und gilt als einer der Baumeister des Karfreitags-Friedensabkommens von 1998.

jok/dpa/AFP



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