Antisemitischer Komiker Paris droht Hetzer Dieudonné mit Tourverbot

Sein Quenelle-Gruß erinnert an Hitler und machte Dieudonné M'bala M'bala über Frankreich hinaus bekannt. Mit Anstiftung zum Rassenhass verdient der Komiker viel Geld - nun will die Regierung seine Auftritte verbieten. Dem antisemitischen Hetzer könnte das nützen.

REUTERS

Von , Paris


Mehr Werbung geht nicht: Noch bevor der Ex-Humorist Dieudonné M'bala M'bala am Donnerstag seine Frankreich-Tournee beginnt, hat die Regierung die bevorstehenden Auftritte des notorischen Provokateurs noch einmal richtig ins Rampenlicht gerückt. Mit einem Erlass an Frankreichs Bürgermeister und Präfekten sollen die oft rassistischen Sketche des gewendeten Linken verboten werden. Unterbunden werden muss, so Premier Jean-Marc Ayrault, "die Banalisierung antisemitischer Äußerungen".

In dürrem Juristenfranzösisch erklärt ein Rundschreiben, abgefasst von Innenminister Manuel Valls und Premier Ayrault, das der Exekutive am Montag zugestellt wurde, dass die Auftritte Dieudonnés mittels Polizeigewalt gestoppt werden können, wenn die "öffentliche Ordnung" gefährdet sei.

An die Präfekten, Chefs der Departements, ergeht die eindeutige Mahnung: "Es ist Ihre Aufgabe, die zuständigen Behörden an die Bedingungen für ein Aufführungsverbot zu erinnern, ihnen bei der Gestaltung und Umsetzung dieser Maßnahmen zu helfen, falls Sie darum gebeten werden oder an Stelle der betreffenden Behörden zu handeln, wenn Sie absehen, dass die Bedingungen für ein Verbot vorhanden sind."

Belege dafür gibt es nach Ansicht der Regierung im Fall Dieudonné genug. Der Schauspieler, dessen Quenelle genannter, umgekehrter Hitlergruß zuletzt für Aufsehen gesorgt und unter Sportlern Nachahmer gefunden hatte, begann seine Karriere als Vorkämpfer gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Doch dann mutierte der Kritiker von Frankreichs kolonialer Vergangenheit zum giftenden Nationalisten: mit regelmäßigen Ausfällen gegen Israel, mit Bühnenauftritten, bei denen er in gestreifter Häftlingskleidung der Nazi-Konzentrationslager erschien, mit Lobhudeleien für Irans Ex-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, die libanesische Hisbollah oder Syriens Diktator Baschar al-Assad.

"Der Faschist wird zum Erleuchteten stilisiert"

Die rabiaten Attacken bescherten ihm mehr als ein halbes Dutzend Verurteilungen und eine treue Fangemeinde, auch unter jugendlichen Extremisten. "Er ist vielleicht der einzige Schwarze, der von Jean-Marie Le Pen geschätzt wird", kommentierte Radio France die unheilvolle Annäherung zwischen Dieudonné und dem Ehrenpräsidenten des Front national. Dabei gefällt sich der Scharfmacher im Part des unschuldig Verfolgten: Auf seiner Facebook-Seite vermerkt er mit Genugtuung den "Wind des Hasses", der ihm mit "Stärke sechs bis sieben" ins Gesicht wehe.

Aus Angst, den perfiden Provokateur als Opfer darzustellen, halten auch manche Linke in Frankreich ein Auftrittsverbot für falsch. Der mediale Wirbel, so die Befürchtung, würde Dieudonné nur neue Anhänger zutreiben. Der könnte sich einmal mehr als wackerer Streiter darstellen, im Kampf gegen die herrschenden Eliten, die traditionellen Parteien, die staatliche Obrigkeit. Eine Verdrehung der Tatsachen, so das Internetportal "Médiapart": "Der Faschist wird damit zum Erleuchteten stilisiert, (...) als vom System verfolgter Aktivist."

In Wahrheit ist der Rassismus-Unternehmer ökonomisch fest etabliert und mit einem kleinen Familienimperium gut im Geschäft. Dank einiger Millionen Video-Klicks bei YouTube floriert eine Firma, die zwar rechtlich keine Verbindung mit ihm hat, praktischerweise aber Sohn und Tochter beschäftigt: Deren Umsatz erreichte nach Recherchen von France-Info 2012 rund zwei Millionen Euro. Die legale Trennung ist wichtig, denn Dieudonné, siebenmal wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt, schuldet der Justiz noch 65.000 Euro an Strafgeldern. Er selbst bezeichnet sich als mittellos.

Frankreichs Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus, eine internationale Nichtregierungsorganisation, hatte deswegen bereits 2011 Klage eingereicht, seither ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf "betrügerische Insolvenz". Hier will die Regierung jetzt Druck machen. "Die gesamten staatlichen Stellen", so versprach Innenminister Valls, sollen mobilisiert werden, um Dieudonnés Schulden einzutreiben.

Vorerst setzt die Regierung auf das Aufführungsverbot. Dieudonnés Programm enthalte "infame antisemitische Attacken auf mehrere jüdische Personen", so die Regierung, "außerdem heftige, schockierende Verstöße gegen das Gedenken an den Holocaust." Der Tourneeauftakt wird daher mit Sicherheit gestoppt werden, so Ministerpräsident Ayrault. "Ich habe", versicherte der ehemalige Bürgermeister von Nantes, "nicht den geringsten Zweifel an der Entscheidung des Präfekten."

Alain Juppé, Oppositionspolitiker und Bürgermeister von Bordeaux, hat bereits gehandelt. Er verbot den am 28. Januar geplanten Aufritt von Dieudonné.

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BlogBlab 07.01.2014
1. Taktik
Dieudonnés Taktik scheint zu sein, sich bei den Rechtsradikalen einschmeicheln zu wollen, um so bei ihnen als Schwarzer akzeptiert zu werden. Es ist immer verblüffend, wenn ausgerechnet Schwarze gegen andere Minderheiten hetzen und sie so behandeln, wie sie immer beklagen selbst behandelt zu werden.
iceman04 07.01.2014
2.
Zitat von BlogBlabDieudonnés Taktik scheint zu sein, sich bei den Rechtsradikalen einschmeicheln zu wollen, um so bei ihnen als Schwarzer akzeptiert zu werden. Es ist immer verblüffend, wenn ausgerechnet Schwarze gegen andere Minderheiten hetzen und sie so behandeln, wie sie immer beklagen selbst behandelt zu werden.
Die Frage an Sie und der Journalist, ist: haben Sie die Auftritte von Dieudonné gesehen? Weil er nähmlih über alles herzieht(Schawarze, Araber, Weisse, Asiaten, Katholiken und allgemin Christen und und und). Wie er selber sagt ist er ein Provokateur. Und Leute die, das nicht verstehen, werden aus ihm sicherlich ein Märtyrer machen. Er ist ein Universalist und gegen die Religionen, was schon mit deine Aussage wonach er Rechtsradikal sei nicht übereinstimmen kann. Er hat sicherlich ein größeres Problem mit den Juden, weil sie die einzige sind, die versucht haben ihn mundtot zu machen. Und da habe ich auch ein Problem wenn die Politiker sich einmischen nur wenn es die Juden betrifft, über alle kann man lachen, und auch über fast jede Leiden, aber wenn es um die Juden geht, ist es Schluss. Das kann nicht fair sein. Und genau deswegen hat er soviel Anhänger in Frankreich. Dazu muss man auch sagen, dass er einen der besten Komiker seine Generation ist, das sagen die meistens seine Kollege.
maipiu 07.01.2014
3. Gottgegeben?
Wenn sich einer Gottgegeben nennt (ich vermute mal einfach, dass ihn nicht seine Eltern so nannten) dann ist das doch etwas bizarr. Noch bizarrer, dass er mit seiner Masche so viel Geld verdient. Da läuft so einiges schief bei unseren Nachbarn. Aber verbieten würde ich den auch nicht, weil ihn das nur aufwertet. Ich hoffe, sie kriegen ihn da, wo's wehtut, nämlich an seinem Geldbeutel.
NullKommaNichts 07.01.2014
4. Zitat
Ich möchte in diesem Zusammenhang nur einen Ausschnitt eines Liedtextes einer deutschen Band zitieren: "[...] Was gegen Dummheit hilft ist Bildung, denn gegen Verbote sind die Dummen oft immun..."
seine-et-marnais 07.01.2014
5. Warum?
Zitat von sysopREUTERSSein Quenelle-Gruß erinnert an Hitler und machte Dieudonné M'bala M'bala über Frankreich hinaus bekannt. Mit Anstiftung zum Rassenhass verdient der Komiker viel Geld - nun will die Regierung seine Auftritte verbieten. Dem antisemitischen Hetzer könnte das nützen. "Quenelle"-Geste: Paris will antisemitischen Komiker Dieudonné stoppen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/quenelle-geste-paris-will-antisemitischen-komiker-dieudonne-stoppen-a-942140.html)
Warum stürzt sich die frz Regierung und die Opposition ausgerechnet jetzt in die mediale Schlacht gegen den Rechtsextremisten Dieudonné M'Bala M'Bala? Es ist Wahlzeit und der FN schlägt Umfragerekorde, und um davon abzulenken dass da einige Versprechungen nicht gehalten wurden, wird jetzt kräftig die Karte des Kampfes gegen Rassismus und Antisemitismus gezogen. Das hat nichts mit dem der Person Dieudonnés zu tun, das ist für den Wähler gedacht. Dieudonné verbreitet immerhin seine abstossenden Parolen seit Jahren, trat auch schon mal mit einer 'antizionistischen Partei' zu Wahlen an mit einem gewissen Erfolg in den 'Cités' in denen viele maghrebinische Einwanderer wohnen. Bei der 'Insovabilitätskampagne', dem Vorwurf seine Bussen nicht zu bezahlen wird der Regierung böse aufstossen dass der politisch so korrekte Grüne Vincent Placé es auch nicht für nötig hält 18000€ für Falschparken zu bezahlen. Die Kampagne dürfte dem PS noch kräftig im Magen liegen, denn Dieudonné kann sich jetzt als 'Martyrer' im Kampf gegen die Regierung (und die demokratische Opposition) darstellen, was ihm nicht nur meiner Meinung nach, sondern auch der Meinung einer Reihe von Politikern kräftig Sympathien in den Cités dürfte denn es herrscht hier in Frankreich schon seit langem ein 'israelischer-arabischer Ersatzkrieg' zwischen jüdischer un moslemischer Bevölkerung der hier nur angeheizt wird. Ein weiterer Schwachpunkt ist dass die Regierung der Gesetzeslage nach eigentlich wegen der Meinungsfreiheit keine allzustarke gesetzliche Grundlage für ihr Vorgehen hat, also die Frage gerichtlich geklärt werden muss ob das juristisch wegen der Meinungsfreiheit üuberhaupt legal ist. Das gibt noch einige interessante Momente. Die UMP hängt sich in dieser Sache an den vorpreschenden PS, kann aber jederzeit wieder in die Rolle der Opposition fallen, wenn es schief geht.
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