Aufstand gegen Assad Querschläger aus Syrien töten zwei Türken

Der Krieg in Syrien hat erneut auf die Nachbarländer übergegriffen: In einer türkischen Grenzstadt kamen zwei Menschen durch Querschläger ums Leben, im Libanon wurde ein prominenter Anhänger von Diktator Assad getötet.

 Rauch über der Grenzstadt Ceylanpinar: Querschläger aus der Türkei
REUTERS

Rauch über der Grenzstadt Ceylanpinar: Querschläger aus der Türkei


Diyarbakir - Querschläger aus Syrien haben in der türkischen Grenzstadt Ceylanpinar zwei Menschen getötet und das Polizeipräsidium des Ortes getroffen. Auch mehrere Wohnhäuser seien beschädigt worden. Türkische Truppen erwiderten daraufhin das Feuer.

Die Geschosse kamen aus dem syrischen Grenzort Ras al-Ain, wo sich Kurden und islamistische Gegner von Staatschef Baschar al-Assad Gefechte lieferten. Die Kämpfe hatten nach Darstellung der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte begonnen, als Islamisten eine kurdische Streife angriffen und einen Kämpfer als Geisel nahmen.

Bereits am Dienstag waren in Ceylanpinar ein Mann und ein 15-Jähriger durch Schüsse aus Syrien ums Leben gekommen. Das wurde aus Sicherheitskreisen berichtet. Die grenzüberschreitenden Schießereien waren der schwerste Zwischenfall im Grenzgebiet seit Wochen.

Der Krieg in Syrien griff auch auf das benachbarte Libanon über. Im Süden des Landes erschossen mutmaßliche Attentäter aus Reihen der Rebellen am Mittwoch den Journalisten Darra Dschamo, einen prominenten Assad-Anhänger. Es war das erste Attentat gegen einen Unterstützer Assads im Libanon seit Beginn des mittlerweile zum Bürgerkrieg ausgearteten Aufstands gegen den Machthaber vor mehr als zwei Jahren. Das syrische Staatsfernsehen machte "bewaffnete Terrorgruppen" für die Tat verantwortlich.

Aber auch in Syrien selbst gab es Todesopfer: In der Nähe der Hauptstadt Damaskus wurden nach übereinstimmenden Angaben von Regierung und Opposition mehrere Menschen bei der Explosion einer Autobombe getötet.

Die Türkei und der Libanon befürchten, in den Aufstand gegen Assad verwickelt zu werden, bei dem bisher mehr als 90.000 Menschen getötet wurden. Beide Länder haben insgesamt fast 1,8 Millionen Flüchtlinge aufgenommen.

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien hat nach Angaben der Vereinten Nationen einen Umfang angenommen, der zuletzt beim Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren erreicht wurde. In diesem Jahr verließen im Schnitt täglich 6000 Menschen wegen des Bürgerkriegs das arabische Land, sagte der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, am Dienstag vor dem Sicherheitsrat in New York.

als/Reuters

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denolte 17.07.2013
1. Hausgemacht
" Der Flüchtlingsstrom aus Syrien hat nach Angaben der Vereinten Nationen einen Umfang angenommen, der zuletzt beim Völkermord in Ruanda vor 20 Jahren erreicht wurde. In diesem Jahr verließen im Schnitt täglich 6000 Menschen wegen des Bürgerkriegs das arabische Land, sagte der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, am Dienstag vor dem Sicherheitsrat in New York. " Das Problem ist doch, das wir das doch wollen oder ? wieso sonst bewaffnen wir die Terroristen die Stadtteile aushungern lassen wollen ? die in Wohngebiete und dazu noch in die Wohnungen von Syrier die sie vorher auf die Strasse gesetzt haben gehen. Es ist doch fakt das erst durch uns die Leute flüchten vor den Terroristen, würden wir nicht den falschen helfen, würde es schon lange wieder ruhe geben in Syrien. Ich bin nicht für Assad und schon garnicht für Terroristen, bin nur gegen das was WIR ( Europa ) da mit anrichten.
topodoro 17.07.2013
2. Die Türkei wird nun die Geister nicht mehr los, die sie rief
Selber schuld. Wenn die Türkei keine Al Kaida und al-Nusra Leute mehr über die grenze nach Syrien lassen würde, also ihre Grenzen verantwortungsvoll sichern würde, wäre der Spuk an der türkischen Grenze schon lange zu Ende. Aber der "Zauberlehrling" Erdogan wollte ja ans große Geld. Nun hat er das, was er anderen angetan hat selbst am Hals. Wohl bekomms...
maksa 17.07.2013
3. ja was nun?
gabs nicht vor kurzem erst neue Zahlen, die 100.000 Toten Marke sei überschritten?! Wie toll das klingt, "Diktator Assad" und "mutmaßliche Attentäter aus den Reihen der Rebellen"
hotta81 17.07.2013
4. die Realität, die keiner zugibt
Dieser Kolumne von Götz Aly in der Berliner Zeitung vom 16.7.2013, Seite 4 ist nichts hinzuzufügen. "Selbst blindgläubigen Revolutionsfreunden könnte am Freitag ein Licht aufgegangen sein: In Syrie steht nicht diktatorische Reaktion gegen demokratische Revolution, vielmehr versinkt das Land in von außen angefeuerten Gewaltexzessen. Die aus dem Irak, möglicherwese über das NATO-Land Türkei, eingeschleusten Al-Kaida-nahen Brigaden bomben gegen die Assad-Regierung, doch töteten sie dieser Tage gezielt einen prominenten Kommandeur der sogenannten Freien Syrischen Armee, die mit Moral, Geld und Waffen aus dem Westen unterstützt wird. In Syrien üten verschiedene Bürgerkriege. Ausländische Interventionstruppen, die das Kampfziel " Islamischer Staat im Irak und in Syrien" propagieren, untergraben gemeinsam mit der NATO, der Türkei und allerlei Demokratie-, Glaubens- und Ethnokriegern die Rest-Autorität der syrischen Regierung. Gewiss verdient diese keine Unterstützung, aber siebleibt bei all dem Plündern und Morden, Fliehen und Sterben ein Faktor, der eine halbwegs funktionierende öffentliche Ordnung und den Schutz von Minderheiten bewahrt. Reporter, Kommentatoren und Politiker verhalten sich verantwortungslos, wenn sie das syrische Kriegselend mit normativ wertenden Vokabeln beschreiben- wie zum Beispiel: Protesthochburg, arabischer Frühling, Regime, Gotteskrieger, Oppositionskämpfer. Alberne metaphorische Begriffe dienen weder der Analyse nch einer Lösung des Konfliktes. Im Fall eines religiös stark fragmentierten, wirtschaftlich und sozial sehr unterschiedlich entwickelten Landes dürfen diejenigen, die eine friedliche Entwicklung begünstigen wollen, nicht die weltanschauliche Alternative Demokratie oder Dikatur zum Verhandlungshindernis erklären. Zunächst geht es darum, Toleranz, Gleichberechtigung und gegenseitige Anerkennung unterschiedlicher Bekenntnisse und Lebensweisen zu fördern und möglichst günstige Bedingungen für den langfistigen, jedoch stillen Verfassungswandel zu schaffen. Wenigstens diese reformistische Einsicht könnten Europäer aus den Schrecken ihrer dynastisch und religiös motivierten Kriege, aus der Französischen Revolution, der napoleonischen Verheerung, der bolschewistischen Revolution und des nationalen deutschen Erwachens von 1933 gelernt haben. Wer vom arabischen Frühling schwadroniert, sollte sich daran erinnern, welche entsetzlichen Folgen die im Europa des 19. Jahrhunderts ausgerufenen Völkerfrühlinge zeitigten. Die militärischen Interventionen, die in jüngerer Zeit von westlichen Streitkräften unternommen wurden, führten weder in Somalia noch in Irak, Libyen oder Afghanistan zu stabilen zivilen Fortschritten. Die einzige Ausnahme bleiben die ehemaligen jugoslawischen Länder. Fortsetzung im nächsten Beitrag..
hotta81 17.07.2013
5. Fortsetzung
Fortsetzung Die von westlicher Seite stur aufgezählten Vorbedingungen für Friedensgespräche in Genf bewirken nur eins: Die verfeindeten syrischen Kriegsparteien müssen weder ihre Ziele noch ihre Kompromissbereitschaft formulieren; sie müssen nicht mit dem Namen einzelner Wortführer für Teilergebnisse der Verhandlungen und deren Umsetzung geradestehen, sondern können ihren Grupenegoismus, ihre wachsende Blut- und Rachsucht weiterhin im Pulverdampf verbergen. Das geschieht zu Lasten Hunderttausender Zivilisten, still gefördert von der Bundesregierung." (Quelle siehe oben)
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