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23. September 2011, 16:10 Uhr

Radioaktive Fässer

IAEA untersucht Uran-Fund in Libyen

Die Internationale Atomenergiebehörde hat Meldungen über den Fund von Uran in Libyen bestätigt. Rebellen hatten Tausende Fässer mit radioaktivem Material auf einer Militärbasis entdeckt - Experten wollen es jetzt untersuchen.

Tripolis/Wien - Die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) will das radioaktive Material untersuchen, das Revolutionskräfte des Übergangsrates in Libyen gefunden haben. Das sagte IAEA-Sprecherin Gill Tudor am Freitag am Sitz der Behörde in Wien. Es sei bereits seit 2004 bekannt gewesen, dass Uran in Libyen vorhanden sei.

Der Fernsehsender CNN hatte am Freitag berichtet, dass an einem Militärstützpunkt nahe der Wüstenstadt Sabha Tausende Fässer mit uranhaltigem Pulver gefunden worden seien, das unter dem Begriff "Yellowcake" bekannt ist. Dabei handelt es sich um eine in der Natur vorkommende Substanz, die nach vielen Verarbeitungsschritten für die Herstellung von Kernbrennstoff oder für Atombomben verwendet werden kann.

"Die IAEA wird die Inspektionen wieder aufnehmen zu einem Zeitpunkt, wenn sich die Situation im Land stabilisiert hat", sagte Tudor. Ein Diplomat aus dem Umfeld der IAEA sagte, dass das uranhaltige Pulver derzeit offenbar nicht angemessen geschützt sei. "Es sollte gesichert werden." Das Material sei nicht bedenklich in Hinblick auf Waffen. Es könne aber ein Umweltproblem entstehen, wenn es verstreut würde, auch wenn es nur schwach radioaktiv sei.

Unter dem früheren Machthaber Muammar al-Gaddafi arbeitete Libyen an einem geheimen Atomwaffenprogramm. Es kam allerdings nicht weit. 2003 wurde Gaddafi mit internationalem Druck gezwungen, es offen zu legen.

Ein westlicher Diplomat sagte in Wien, einschlägige technische Anlagen und zur Herstellung von Bomben geeignetes atomares Material seien bereits 2009 außer Landes gebracht worden. Libyen habe seinen Vorrat an "Yellowcake" behalten, da es keinen Markt für dieses Material gebe.

Die IAEA hatte während der Revolution in Libyen mit Atomexperten des Atomforschungszentrums Tajoura bei Tripolis Kontakt gehalten. "Offenbar sind sie noch alle an ihrem Arbeitsplatz. Auf Fragen der IAEA haben sie positiv geantwortet", sagte der Diplomat.

amz/dpa/AFP

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