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20. März 2019, 15:07 Uhr

Kriegsverbrechen und Völkermord in Bosnien

Radovan Karadzic zu lebenslanger Haft verurteilt

Mehr als 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica hat ein Uno-Tribunal die Strafe für den Kriegsverbrecher Radovan Karadzic deutlich erhöht. Der Serbe muss nun lebenslang hinter Gitter.

Der serbische Nationalist Radovan Karadzic ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter des Uno-Tribunals in dem Berufungsverfahren in Den Haag sprachen ihn wegen Völkermords, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig.

Dem Urteil zufolge wusste der heute 73-Jährige von Tötungen, untersuchte sie aber nicht. Er habe den Völkermord von Srebrenica 1995 gewollt und angeordnet. Der frühere Psychiater gilt als politisch Hauptverantwortlicher für die Gräuel.

Im damaligen Balkan-Krieg hatten serbische Einheiten unter General Ratko Mladic im Sommer 1995 die Uno-Schutzzone überrannt und dann etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet. Das Uno-Tribunal sprach Karadzic wegen Mordes, Verfolgung und Zwangsvertreibung schuldig. Außerdem habe er die 44 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Stadt Sarajevo zu verantworten

Karadzic war 2016 in erster Instanz zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Kriegsverbrechertribunal sprach ihn wegen tausendfachen Mords, Verfolgung und Zwangsvertreibungen von bosnischen Muslimen schuldig.

Mildernde Umstände für Karadzic, welche seine Anwälte in dem Berufungsverfahren geltend machen wollten, ließ das Gericht nicht gelten - weder seine fehlende militärische Ausbildung, noch sein angeblich gutes Verhalten während des Kriegs.

Vorheriges Strafmaß "unangemessen und schlicht ungerecht"

Vielmehr folgte die Kammer der Anklage, die ein deutlich schärferes Strafmaß gefordert hatte: Die bisherigen 40 Jahre entsprächen nicht den festgestellten Vergehen und dem enormen Ausmaß von Karadzics Verbrechen, urteilte die Berufungskammer. Die bislang verhängte Strafe durch das Tribunal sei deutlich zu gering gewesen.

Zur Begründung hieß es, im Rahmen der Verfahren vor dem Jugoslawientribunal waren die Verbrechen, derer Karadzic schuldig gesprochen wurde, die schwersten Vorwürfe in allen Prozessen vor dem Tribunal. Andere, Karadzic untergebene Angeklagte, hätten lebenslange Freiheitsstrafen erhalten. Auch darum sei eine kürzere Strafe für ihren Vorgesetzten Karadzic ein zu mildes Urteil gewesen. Das bisherige Strafmaß von "nur 40 Jahren" sei "unangemessen und schlicht ungerecht" und ein eindeutiger Fehler gewesen, verlas der Richter der Berufungskammer aus der Entscheidung.

Der Kriegsverbrecher war erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Serbien als alternativer Heiler entdeckt - und an das Gericht ausgeliefert worden. Er bestritt alle Vorwürfe und forderte in dem Berufungsverfahren Freispruch. Die Anklage hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert.

apr/cht/dpa

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