Umsetzung der Sparpläne Brüderle gesteht Griechen mehr Zeit zu

Die griechische Regierung verlangt mehr Zeit, um das Sparprogramm umzusetzen. Soll sie haben, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle - allerdings nur einige Wochen. Ansonsten bleibt er hart: Das Land habe bereits die Gelbe Karte bekommen.

Fraktionsvorsitzender Brüderle: "Wir sind Griechenland sehr weit entgegengekommen"
dapd

Fraktionsvorsitzender Brüderle: "Wir sind Griechenland sehr weit entgegengekommen"


Berlin - Geht es nach FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, dürfen die Griechen ihr Land nur ein kleines bisschen langsamer reformieren als von den internationalen Gläubigern gefordert: "Bei einzelnen Reformschritten können allenfalls noch Verschiebungen auf der Zeitachse sinnvoll sein", sagte Brüderle der "Welt am Sonntag". "Dabei geht es aber um Wochen, nicht um Jahre."

Am Freitag hatte Griechenlands neuer Regierungschef Antonis Samaras mehr Zeit von den internationalen Gläubigern gefordert, um die Sparauflagen zu erfüllen. Die Ziele wolle er nicht ändern, sagte Samaras im Athener Parlament. Er wolle aber die Strategie verhandeln und benötige mehr Zeit. Das Land liegt bei der Erfüllung seiner Auflagen deutlich zurück, nicht zuletzt wegen der zwei Neuwahlen in diesem Jahr.

Auch wenn Brüderle den Griechen ein paar Wochen mehr Zeit zugestand, betonte er: "Jetzt müssen die Bedingungen eingehalten werden." An den Vereinbarungen der Griechenland-Hilfen könne nichts mehr geändert werden, auch ein neues Hilfspaket lehnte er ab: "Wir sind Griechenland bereits sehr weit entgegengekommen."

In Kürze benötigt das Land weitere Milliarden aus dem jüngsten Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF). Die Freigabe dieser Mittel hängt allerdings von einem Bericht der Experten von IWF, EZB und EU-Kommission über die Spar- und Reformfortschritte ab.

Jeder zweite angehende Ingenieur oder Techniker will Heimatland verlassen

Während Samaras in seiner Rede klarstellte, die neue Regierung wolle Griechenland in der Euro-Zone halten, ist für Brüderle ein Ausscheiden kein Tabu. Mit einem Vergleich aus dem Fußball erklärte er: "Wenn man die Regeln nicht einhält, gibt es die Gelbe Karte. Und beim nächsten Mal ist es die Rote, dann muss man vom Feld." Die Gelbe Karte habe das Land schon erhalten, mahnte er.

Gerade junge Leute wollen auf diese Rote Karte offenbar nicht warten und gehen lieber vorher: Immer mehr angehende Ingenieure und Techniker hoffen auf einen Arbeitsplatz in Großbritannien, Deutschland oder der Schweiz. Das geht aus einer Absolventenbefragung des Berliner Trendence-Instituts hervor. In Griechenland hegt inzwischen mehr als jeder zweite Absolvent eines technischen Studiengangs Auswanderungspläne, in Spanien und Portugal sind es jeweils mehr als 40 Prozent, in Italien 37 Prozent. Für die Zukunft Europas könnte das langfristig erhebliche Folgen haben: Wenn Fachkräfte in den südlichen EU-Staaten fehlen, würde sich das strukturelle Ungleichgewicht innerhalb der Union noch weiter verschärfen.

fln/Reuters

insgesamt 25 Beiträge
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kuddel37 07.07.2012
1. Politikerclowns
Zitat von sysopdapdDie griechische Regierung verlangt mehr Zeit, um das Sparprogramm umzusetzen. Soll sie haben, sagt FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle - allerdings nur einige Wochen. Ansonsten bleibt er hart: Das Land habe bereits die Gelbe Karte bekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843151,00.html
Was eine Witzfigur. Wenn das Land schon die gelbe Karte bekommen hat, sich nicht an die Vorgaben gehalten hat, darf es keinerlei Entgegenkommen mehr geben. Es gibt nur noch die rote Karte, also keinerlei Kredite mehr, schon gemachte Bürgschaften und Zusagen werden wiederrufen. Aber diese Clowns werden dann doch wieder einknicken.
lynx2 07.07.2012
2. Rote Karte für...
Zitat von sysopdapdDie griechische Regierung verlangt mehr Zeit, um das Sparprogramm umzusetzen. Soll sie haben, sagt FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle - allerdings nur einige Wochen. Ansonsten bleibt er hart: Das Land habe bereits die Gelbe Karte bekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843151,00.html
.. Brüderle! Der Weinschlotzer aus dem Land der 2,1 Billionen €-Schulden, dem Schäuble, der Verschwender 1 Mrd. € p.a. für die FDP-Klientel Hotelbesitzer genehmigt hat, macht den Griechen Vorschriften. Frecher geht's nicht.
Oberfinanzdirektion 07.07.2012
3. Brüderle, der alte Trickser
---Zitat--- "Dabei geht es aber um Wochen, nicht um Jahre." ---Zitatende--- Und um wieviele Wochen? 52? 104? Jaja, das macht einen Politiker eben aus: sag was aber bloss nie die Wahrheit. Als ob Brüderle im großen Poker überhaupt was zu entscheiden hätte.. Sommerloch wohl grade, oder?
spatzimatzi 07.07.2012
4. http://www.scribd.com/doc/99210338/Das-Euro-Desaster
Zitat von sysopdapdDie griechische Regierung verlangt mehr Zeit, um das Sparprogramm umzusetzen. Soll sie haben, sagt FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle - allerdings nur einige Wochen. Ansonsten bleibt er hart: Das Land habe bereits die Gelbe Karte bekommen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,843151,00.html
hahaha- diese Analyse der Eurokrise hat auch diesen Schritt bereits Prophezeit und erklärt auch warum Das Euro-Desaster (http://www.scribd.com/doc/99210338/Das-Euro-Desaster) Diese Analyse ist sehr lesenswert. -Der Verfasser zeigt auf, dass es sich bei der Eurokrise um eine Zahlungsbilanzkrise mehrerer europäischer Volkswirtschaften handelt, und der Euro mit seinem Einheitszins selbst die Krisenursache ist, weil es dadurch zu einer fatalen Fehlsteuerung der Kapitalströme kam. -Es wird deutlich, welche Kosten und Verwerfungen der Euro schon verursacht hat (auch schon vor der eigentlichen Krise) und welche weiteren Kosten und Verwerfungen drohen. -Der Text verdeutlicht außerdem, worin die konzeptionellen Denkfehler der "Euroretter" bestehen und wieso EFSF, ESM oder Eurobonds niemals ein Ende oder auch nur eine nachhaltige Linderung der Krise herbeiführen können. Darüber hinaus skizziert der Verfasser, wie es wahrscheinlich weitergeht, wenn man die "Euroretter" gewähren lässt, und welche Aternativen aus deutscher Sicht bestehen. Und es wird nachvollziehbar davor gewarnt, was es für Folgen für Demokratie, Rechtsstaat und Frieden in Europa hat, wenn der Euro durch eine Trasferunion "stabilisiert" werden soll. Unbedingt lesen!
abominog 07.07.2012
5. Das Problem mit den Staatsdienern
ist den obersten Staatsdienern selbstverständlich bekannt: Die vermehren sich wie die Kaninchen, leisten in der Summe kaum einen signifikanten Beitrag für das Gemeinwohl (in sehr vielen Fällen ganz im Gegenteil sogar!), leben wie die Fürsten, sind abgesichert wie die Bankster, verdienen unverschämt viel Geld, funktionieren nicht richtig, haben Macht ohne Ende und sind geiziger als Dagobert Duck! National ist das schon sehr problematisch, aber international ist es eine Katastrophe...
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