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Israelische Raketenangriffe: Rauch über Damaskus

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Nächtlicher Raketenbeschuss Syrien wertet Luftangriffe aus Israel als Kriegserklärung

Zweimal hat Israel in den vergangenen Tagen Syrien mit Raketen angegriffen. Das Regime in Damaskus bezeichnet die Attacken als Kriegserklärung - und kündigt Vergeltung an. Auch Ägypten wertet Israels Handlungen als Aggression, die Angst vor einem großen Krieg in der Region wächst.

Damaskus - Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu: Syrien hat den Raketenbeschuss aus Israel als "Kriegserklärung" bezeichnet. Die Luftangriffe gegen Ziele bei Damaskus "öffnen die Tür für alle Möglichkeiten", sagte Syriens Informationsminister Omran al-Soabi. Die Attacken seien eine "eklatante Verletzung internationalen Rechts" und machten die Lage in der Region gefährlicher. Syrien werde sein Volk "mit allen verfügbaren Mitteln verteidigen".

Vize-Außenminister Faisal al-Makdad sagte CNN, die Angriffe seien ein neuer Beleg für die Allianz islamistischer Terroristen mit Israel. Syrien werde zu gegebener Zeit Vergeltung üben. Offiziell befinden sich Syrien und Israel ohnehin schon im Kriegszustand. Allerdings war es unter dem Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an der schwerbewachten Grenze beider Länder jahrelang ruhig geblieben.

Nach Angaben der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana schickte Syriens Außenministerium ein Schreiben an den Uno-Sicherheitsrat und den Uno-Generalsekretär. Wenn Israel seine Angriffe fortsetze, werde das die Spannungen in der Region erhöhen, zitierte Sana aus dem Brief. Dies könne zu einem Krieg führen, der Frieden und Sicherheit in der Region wie auch auf der ganzen Welt bedrohe. Der Sicherheitsrat müsse nun seiner Verantwortung gerecht werden und die israelischen Angriffe stoppen.

Unterstützung für Syrien kommt aus Ägypten. Die Regierung in Kairo verurteilte die israelischen Luftangriffe als "Aggression". Die Angriffe verstießen gegen internationales Recht und bedrohten die Sicherheit und Stabilität in der Region, erklärte das Präsidentenamt. Die Arabische Liga forderte die Vereinten Nationen wegen des Angriffs zum Handeln auf. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Konfliktparteien, ruhig und zurückhaltend zu agieren, um eine Eskalation des bereits jetzt "verheerenden und sehr gefährlichen" Konflikts zu verhindern.

Das syrische Oppositionsbündnis Nationale Koalition verurteilte die israelischen Luftangriffe. Israel habe den Konflikt im Land ausgenutzt, um eigene Ziele zu verfolgen. Die Bombardierungen lenkten zudem von massenhaften Tötungen durch syrische Regierungstruppen ab. Ähnlich äußerte sich die Freie Syrische Armee der Rebellen. Die israelischen Angriffe seien empörend, aber Syrien werde jeden Tag von Präsident Baschar al-Assad und Israel bombardiert, hieß es.

Israel sperrt Luftraum im Norden für zivile Flugzeuge

Israels Luftwaffe hatte nach israelischen Angaben in der Nacht zum Freitag sowie in der Nacht zu Sonntag mehrere Ziele nahe Damaskus angegriffen. Ein hochrangiger israelischer Verantwortlicher sagte, die Angriffe hätten iranischen Waffenlieferungen für die libanesische Hisbollah-Miliz gegolten. Jerusalem hatte in der Vergangenheit immer wieder klargestellt, Waffenlieferungen aus Syrien an die Hisbollah unter keinen Umständen zu dulden.

Die Regierung in Jerusalem will insbesondere verhindern, dass chemische Kampfstoffe und moderne Raketen in die Hände der Hisbollah fallen. Zuletzt verschärfte Israel Warnungen an Damaskus, solche Waffenlieferungen würden als "rote Linie" angesehen. Notfalls müsse die israelische Armee in Syrien eingreifen, um dies zu verhindern.

Aus Furcht vor Vergeltungsangriffen sperrte Israel am Sonntag den Luftraum im Norden des Landes für zivile Flugzeuge. Das berichtete der israelische Rundfunk. Die israelische Fluggesellschaft Arkia kündigte an, alle Flüge aus der nördlichen Hafenstadt Haifa nach Eilat am Roten Meer im Süden des Landes auszusetzen. Eine israelische Militärsprecherin wollte dazu keine näheren Details geben. Sie verwies lediglich auf die Zusammenarbeit zwischen der Zivilluftfahrt, der Luftwaffe und der Flughafenbehörde in Israel bei der Lagebeurteilung.

Die israelische Armee stationierte zwei Raketenabwehrsysteme im Norden des Landes. Eine Militärsprecherin in Tel Aviv sagte, zwei Batterien des Systems "Iron Dome" ("Eisenkuppel") seien in Position gebracht worden. Das sei eine Routinemaßnahme, die nach "operativen Einschätzungen" erfolgt sei. Sie wollte nicht kommentieren, ob es sich um eine Vorsichtsmaßnahme handelt. Der israelische Rundfunk meldete, die Batterien seien in der Nähe der Städte Haifa und Safed aufgestellt worden.

ulz/AFP/dpa/AP/AFP
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