Raketen und Hubschrauber China warnt USA vor Waffendeal mit Taiwan

Die USA liefern Waffen an Taiwan - und macht damit Chinas Führung wütend. Peking forderte eine sofortige Stornierung des Geschäfts im Wert von sechs Milliarden Dollar. Sonst werde es Konsequenzen geben, die "beide Seiten nicht sehen wollen". Ein Programm zum Militäraustausch wurde ausgesetzt.

US-Hubschrauber vom Typ "Black Hawk": China protestiert gegen Waffengeschäft mit Taiwan
AFP

US-Hubschrauber vom Typ "Black Hawk": China protestiert gegen Waffengeschäft mit Taiwan


Peking/Washington - Peking hat scharf gegen ein Rüstungsgeschäft der USA mit Taiwan protestiert. Dabei geht es um eine Lieferung von Waffen im Wert von 6,4 Milliarden Dollar, umgerechnet 4,6 Milliarden Euro. Ein solches Geschäft würde den Beziehungen "schweren Schaden zufügen", hieß es in einer am Samstag in Peking verbreiteten Erklärung des Außenministeriums. Das geplante Waffengeschäft werde "negative Auswirkungen auf vielen wichtigen Gebieten des Austauschs und der Zusammenarbeit beider Länder" haben.

Vizeaußenminister He Yafei bestellte den US-Botschafter ein und forderte ihn auf, die Lieferung umgehend zu stornieren. Ansonsten komme es zu "Konsequenzen, die beide Seiten nicht sehen wollen".

Das mit Washington vereinbarte Programm zum Militäraustausch wurde ausgesetzt. Die amtliche Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua meldete, die gegenseitigen Besuche von Offizieren werde wegen der "schlechten Auswirkung" des Rüstungsdeals auf die amerikanisch-chinesischen Militärbeziehungen bis auf weiteres eingestellt.

Das Pentagon hatte das geplante Rüstungsgeschäft am Freitag offiziell bestätigt. Taiwan erhält demnach unter anderem 114 Patriot-Raketen und 60 Kampfhubschrauber. Die Lieferung ist Teil eines elf Milliarden Dollar schweren Abkommens zwischen Taiwan und dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush aus dem Jahr 2001. Aus politischen und wirtschaftlichen Erwägungen wurde es gestückelt.

Nach Ansicht Pekings würde Washington mit der Lieferung gegen ein Abkommen von 1982 verstoßen, in dem es seine Bereitschaft zu einer "schrittweisen Reduzierung der Waffenverkäufe an Taiwan" bekundet habe. Zuletzt hatte die Lieferung von amerikanischer Waffentechnik an Taiwan 2008 die Beziehungen zwischen Peking und der Bush-Regierung belastet. China hatte daraufhin die militärischen Kontakte zwischenzeitlich abgebrochen.

Peking sieht in Taiwan eine abtrünnige chinesische Provinz und hat damit gedroht, die Insel gewaltsam wiedereinzugliedern. Die USA hatten sich 1979 in einem Gesetz verpflichtet, Taiwan in Verteidigungsfragen zu unterstützen.

kgp/dpa/apn/Reuters



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Königstiger87 30.01.2010
1. Nur Säbelrasseln der Chinesen
China drohen mit Konsequenzen Was sollen sie schon machen? Einen Krieg anzetteln? Mal abgesehen davon, dass sowas auch schnell mal in einem Weltkrieg münden kann, vergisst China dass um sie herum jede Menge Nachbarn lauern, die gerne die Gelegenheit wahrnehmen um sich einen Teil von Chinas Vormachtstellung abzuschneiden. Gewaltsam versteht sich. Die Russen und Inder hätten jedenfalls nichts dagegen wenn Chinas Einfluss schwindet......
la borsa, 30.01.2010
2. Obama muss springen.
Zitat von sysopDie USA liefern Waffen an Taiwan - und macht damit Chinas Führung wütend. Peking bestellte den US-Botschafter ein und forderte eine sofortige Stornierung des Geschäfts im Wert von sechs Milliarden Dollar. Sonst werde es Konsequenzen geben, die "beide Seiten nicht sehen wollen". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,674957,00.html
Der Vorgang ist ein gefährlicher Vorgang. China kann jetzt sowohl militärisch wie auch finanzpolitisch agieren. Obama hat dennoch zugestimmt. Das kann nur darauf hindeuten, dass die USA auch kämpfen wollen.* Die autarkistischen Strömungen im Lande sind derzeit stark ausgeprägt, so dass Obama mit Zollpräferenz-Politik kontern könnte. Eine spannende / gefährlich Sache.*
Eutighofer 30.01.2010
3. 1500 Raketen gegen Taiwan
Im Gegensatz zu China ist Taiwan ein demokratischer Rechtsstaat und die demokratisch legitimierte Regierung in Taipeh darf selbst entscheiden, wie sie das Land verteidigt. China hat es sich selbst zuzuschreiben, wenn Taiwan auf die immer wieder von Peking ausgestoßenen Drohungen reagiert und sich schützen will. China hat über 1500 Kurz- und Mittelstreckenraketen auf Taiwan gerichtet. http://derstandard.at/1256743524040/Taipehs-Dilemma-1500-Raketen-und-warme-Worte Kein Wunder, dass Taiwan nach Abwerhrmöglichkeiten sucht. Würde China eine Nichtangriffsgarantie gegenüber Taiwan erklären, wäre beiden Seiten geholfen. Aber , ganz im Gegenteil, China droht mit Angriff wenn Taiwan seine Unabhängigkeit erklären sollte.
bigXtra 30.01.2010
4. Hu cares?
Jaja, die beleidigten Chinesen schon wieder. Wie wäre es, wenn der Westen in Zukunft jedes mal ähnlich öffentlichkeitswirksam rumheult, wenn China mal wieder Waffen in so nette Gegenden wie den Sudan oder Simbabwe liefert?
Kosto69 30.01.2010
5. Interessant
Wenn man davon ausgeht, das China der größte Gläubiger der USA ist und die beiden Nationen wirtschaftlich sehr eng zusammen arbeiten und wenn man davon ausgeht, dass China von der Existenz Taiwans nicht begeistert ist, dann sollte es ja eigentlich selbstverständlich sein, dass die USA etwas mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen und von alleine 2x überlegen, ob sie ihre Ansichten nicht mal überdenken sollten. Wenn man sich vorstellt, wie die USA reagieren würden, wenn China anfängt den Iran oder Kuba mit Waffen zu beliefern, dann ist wohl die Reaktion aus Peking mehr als verständlich. Da ich in China eine der wenigen Nationen sehe, die die USA ernst nehmen müssen, finde ich die Situation mal ziemlich spannend. @Königstiger: China braucht ja nicht mal von einem Krieg zu sprechen. Es würde ja schon langen, wenn China nicht weiter die Schulden der USA finanzieren würde. Ich schätze die Amis würden schon etwas ins Schwitzen kommen, wenn die Chinesen den Geldhahn zudrehen.
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