Raketenabwehr in Osteuropa Moskau und Washington prüfen Kompromissvorschlag

Die USA und Russland suchen nach einer Lösung im Streit über die Raketenabwehr in Osteuropa. In einem Gespräch zwischen den Präsidenten Bush und Putin war der Zwist heute Top-Thema. Experten beider Länder wollen sich bald eine Alternative anschauen.


Sydney - Eine Stunde saßen Wladimir Putin und George W. Bush heute in Sydney zusammen. Beide sind wegen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC) in Australien. Hinter verschlossenen Türen ging es um eines der heikelsten Themen der letzten Zeit zwischen Washington und Moskau: Der von der Bush-Regierung geplante US-Raketenschild in Osteuropa. Und offenbar sind sich beide insofern näher gekommen, als dass ein russischer Vorschlag zumindest geprüft wird. Denn wie Putin im Anschluss mitteilte, wollen Experten beider Länder bald eine Radarstation in Aserbaidschan besichtigen. Moskau hatte sie als Alternative zum Bau eines Raketenstützpunkts in Polen und einer Radaranlage in Tschechien vorgeschlagen. "Wir stellen fest, dass die gemeinsame Arbeit in dieser Angelegenheit fortgesetzt wird", sagte Putin.

Bush (li.) und Putin: "Die gemeinsame Arbeit wird fortgesetzt"
AFP

Bush (li.) und Putin: "Die gemeinsame Arbeit wird fortgesetzt"

Mit dem Radarsystem und der Stationierung von zehn Abfangraketen wollen die USA ihre Raketenabwehr in Osteuropa erweitern. Die Bush-Regierung rechtfertigt die Pläne mit verbessertem Schutz gegen mögliche Angriffe aus Ländern wie Iran oder Nordkorea. Die russische Regierung hatte sich indes mehrfach scharf gegen die Stationierung des US-Raketenschilds ausgesprochen und wiederholt erklärt, sie fühle sich dadurch bedroht. Für den Fall einer Stationierung hat der Kreml Gegenmaßnahmen angedroht.

Bush bezeichnete das Treffen mit Putin im Anschluss als "von beiden Seiten herzlich und konstruktiv". In dem Gespräch sollen auch das Atomprogramm Irans, die Beitrittsbestrebungen Russlands zur Welthandelsorganisation WTO und Umweltfragen thematisiert worden sein. Einzelheiten blieben aber unbekannt.

Putin lud Bush zu einem Angelausflug nach Sibirien ein. Ende Juli war Russlands Präsident auf Bushs Familiensitz in Kennebunkport zu Besuch, wo sie zum Hochseefischen verabredet waren.

ler/AFP/dpa



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