Angriff auf Beirut Libanon wird Schlachtfeld im syrischen Krieg

Zwei Raketen sind in der Hisbollah-Hochburg Süd-Beirut eingeschlagen, fünf Menschen wurden verletzt. Der Angriff markiert die Ausweitung des syrischen Bürgerkriegs auf das Nachbarland Libanon. Ein Offizier der Freien Syrischen Armee warnt schon vor weiteren Attacken auf den Libanon.
Angriff auf Beirut: Libanon wird Schlachtfeld im syrischen Krieg

Angriff auf Beirut: Libanon wird Schlachtfeld im syrischen Krieg

Foto: Wael Hamzeh/ dpa

Die Raketenwerfer wurden in den Bergen südöstlich Beiruts gefunden, von den Tätern fehlte jede Spur. Kurz nach sechs Uhr morgens Ortszeit hatten Unbekannte drei 107-Millimeter-Grad-Raketen auf Beirut abgefeuert. Eine Rakete schlug außerhalb der Stadt ein, zwei in dem von der Hisbollah dominierten südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt.

Bei dem Angriff wurden fünf Menschen verletzt. Beobachter sehen die Raketen als Antwort auf eine Propagandarede des Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah. Der hatte am Samstagabend seine Anhänger darauf eingeschworen, dass der Krieg in Syrien auch der Krieg der libanesischen Schiiten-Miliz sei.

Hisbollah schwört Assad Treue bis zum Ende

Nasrallah kündigte an, dass die Hisbollah den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bis zum Ende unterstützen werde. "Ich verspreche euch den Sieg", sagte er in der Fernsehansprache, während der die Anhängern der Partei Gottes in Beirut Feuerwerk zündeten und Sturmgewehrsalven in den Abendhimmel feuerten. Nasrallah erklärte, die Hisbollah engagiere sich in Syrien, um den Libanon vor radikalen, sunnitischen Islamisten zu schützen, die sich dort an die Spitze der Aufstände gesetzt hätten.

Nach Schätzungen westlicher Geheimdienste sind mehrere tausend Kämpfer der Schiiten-Miliz in Syrien im Einsatz. Sie helfen den Regimetruppen bei Angriffen auf die strategisch wichtige Stadt Kusair. Die Hisbollah hat dort in den vergangenen Tagen offenbar herbe Verluste hinnehmen müssen, etwa 100 ihrer Elitekämpfer sollen gefallen sein. Allein an diesem Wochenende seien bis zu 50 Hisbollah-Männer in Kusair verwundet oder getötet worden sein, berichteten libanesische Medien am Sonntag.

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Libanon: Raketenangriff auf Beirut, Drohungen gegen syrische Rebellen

Foto: Wael Hamzeh/ dpa

Mit den Raketen auf Süd-Beirut hat sich eine Befürchtung bewahrheitet, die westliche Beobachter im Libanon schon lange umtreibt: nämlich, dass radikale, eventuelle ausländische Splittergruppen versuchen könnten, das fragile Gleichgewicht im Libanon zu erschüttern und den syrischen Bürgerkrieg auszuweiten. Der Libanon ist entlang konfessioneller Linien tief gespalten. Doch alle Fraktionen, Assad-Unterstützer wie Assad-Gegner, hatten sich bislang an ein unausgesprochenes Abkommen gehalten: Der durch die Ereignisse im Nachbarland gefährdete Frieden sollte gewahrt werden.

Doch die Lage im Libanon ist so angespannt, dass ein paar Provokateure mit Raketenwerfern den schwelenden Konflikt entfachen könnten. Kuwait ruft seine Bürger schon auf, den Libanon umgehend zu verlassen. Im nordlibanesischen Tripoli liefern sich sunnitische Assad-Gegner und alawitische Assad-Unterstützer seit einer Woche schwere Gefechte, bei denen bislang 28 Menschen starben.

Der Angriff auf die Hisbollah-Stadtteile von Beirut wurde in der sunnitischen Unterstadt von Tripoli mit Jubel aufgenommen. "Mir tut es leid, das zu sagen, aber die Leute hier sind natürlich glücklich, wenn die Hisbollah getroffen wird. Das hat sich die Hisbollah selbst zuzuschreiben", sagte der sunnitische Scheich Bilal al-Masri SPIEGEL ONLINE.

Beobachter in Beirut gingen am Sonntag nicht davon aus, dass die Freie Syrische Armee (FSA) hinter dem Beiruter Angriff steckte. Zwar meldete sich Ammar al-Wawi, ein Offizier der FSA in Aleppo, im libanesischen Fernsehsender LBC zu Wort. Er drohte: Wenn die Hisbollah nicht umgehend ihre Männer aus der seit Wochen tobenden Schlacht um Kusair abziehe, werde das "schwere Folgen" für Beirut, Tripoli und den einzigen internationalen Flughafen des Libanon haben. Diese Aussage lässt sich so interpretieren, dass der Beiruter Raketenangriff ganz im Sinne der FSA gewesen ist.

Der in der Türkei agierende Generalstab der - in verschiedene Flügel zerfallenen - FSA wies die Interpretation zurück. Die FSA weist jede Verantwortung für den Angriff auf Süd-Beirut von sich.

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