Raketenangriffe aus Gaza Israel fordert Schutz von der Uno

Der Schlagabtausch in Nahost eskaliert: In der Nacht haben radikale Palästinenser Raketen abgefeuert, bei israelischen Luftangriffen wurden mindestens zwei militante Palästinenser getötet, zahlreiche verletzt. Jerusalem hat nun den Uno-Sicherheitsrat zur Hilfe gerufen.

Israels Premier Netanjahu: Gegen alle vorgehen, "die uns angreifen wollen"
AP

Israels Premier Netanjahu: Gegen alle vorgehen, "die uns angreifen wollen"


Jerusalem - Israel fordert im blutigen Konflikt mit Palästinensern Hilfe vom Uno-Sicherheitsrat. Der Rat und die internationale Gemeinschaft müssten dafür sorgen, dass die anhaltenden Raketenangriffe auf israelische Zivilisten gestoppt würden, erklärte der stellvertretende israelische Uno-Botschafter Chaim Waxman in einem Schreiben an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Gleichzeitig warnte er, Israel werde "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine Bürger zu schützen".

Die Gewalt dauerte auch in der Nacht an: Bei neuen israelischen Luftangriffen im Gazastreifen starben mindestens zwei militante Palästinenser - dabei soll es sich um Mitglieder der Extremistengruppe Islamischer Dschihad handeln. Ein Sprecher der palästinensischen Rettungsdienste teilte ferner mit, 38 weitere Menschen seien verletzt worden. Darunter seien auch zahlreiche Frauen und Kinder. Damit stieg die Zahl der Toten im Gazastreifen seit Beginn der Gewalt am Freitag auf mindestens 20 - unter ihnen ist auch ein 12-jähriger Schüler. Rund 70 Menschen wurden verletzt. Die israelische Armee teilte mit, man habe ein Waffenlager sowie mehrere Raketenabschussrampen beschossen.

Auch die Raketenangriffe auf Israel gingen in der Nacht zu Montag weiter. Mindestens vier Grad-Raketen mit längerer Reichweite seien im Bereich der Städte Beerscheba und Aschkelon eingeschlagen, berichtete der Rundfunk. Dabei wurde jedoch niemand verletzt. Auch am Montag blieben etwa 200.000 israelische Schulkinder im Umkreis des Gazastreifens zu Hause. Nach israelischen Angaben haben radikale Palästinenser binnen 48 Stunden mehr als 150 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert.

Die israelische Regierung kündigte Härte an: Regierungschef Benjamin Netanjahu teilte mit, er habe der Armee Anweisung erteilt, gegen alle vorzugehen, "die uns angreifen wollen". "Die Operationen in Gaza werden solange wie nötig weitergehen", sagte Netanjahu laut dem öffentlichen Rundfunk bei einem Treffen mit 30 Bürgermeistern der von den palästinensischen Raketenangriffen betroffenen Orte in Südisrael. Er fuhr fort, ohne ein Ende der "iranischen Bedrohung" sei auch keine Lösung für die Raketenangriffe in Sicht. Näher äußerte sich Netanjahu dazu aber nicht.

Die neue Gewalt überschattet das für Montag in New York geplante Treffen des Nahost-Quartetts. An den ersten Beratungen seit sechs Monaten nehmen nach Uno-Angaben auch US-Außenministerin Hillary Clinton, ihr russischer Kollege Sergej Lawrow und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon teil. Im Mittelpunkt der Beratungen sollte der festgefahrene Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern stehen.

Nach Medienberichten bemüht Ägypten sich um eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas, die im Namen anderer militanter Organisationen verhandelt.

Die schlimmste Welle der Gewalt seit einem halben Jahr war von der Tötung des Anführers der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee am Freitag ausgelöst worden. Nach israelischen Angaben soll er einen größeren Anschlag an der Grenze zu Ägypten geplant haben.

anr/dpa/AFP



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