Irak Häuserkampf um Ramadi

Straße um Straße kämpft sich die irakische Armee ins Zentrum von Ramadi vor. Die Befreiung der besetzten Stadt zieht sich - der IS leistet erbitterten Widerstand. Eine versteckte Bombe tötete zuletzt mehrere Soldaten.


Der Sturm auf Ramadi läuft, das irakische Militär rückt mit einem Großaufgebot in die Großstadt vor. Doch während mehrere Außenbezirke noch relativ zügig von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) rückerobert werden konnten, dürfte der Kampf um die Innenstadt länger dauern. Dort halten sich die meisten Kämpfer des IS verschanzt, sind Scharfschützen postiert und Sprengsätze versteckt.

Eine solche versteckte Bombe hat nach Informationen des Senders Al Jazeera nun zahlreiche irakische Soldaten in den Tod gerissen. Die Rede ist von zehn Toten, einige von ihnen sollen aber möglicherweise auch bei Gefechten ums Leben gekommen sein. Der Sender hat Mitarbeiter in Ramadi vor Ort.

Irakische Geheimdienste gehen davon aus, dass sich rund 250 bis 300 IS-Kämpfer im Zentrum verschanzt haben. Ein Militärsprecher hatte am Dienstag angekündigt, dass Ramadi "in den kommenden 72 Stunden vollständig" befreit sein werde. Man habe mit der Häuserkampf-Taktik der Miliz gerechnet.

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Irakische Armee: Die Schlacht um Ramadi
Auf Seiten der irakischen Regierung kämpfen neben regulären Armee-Einheiten auch schiitische Milizen, die von Iran unterstützt werden. Die meisten Menschen in Ramadi und Umgebung sind Sunniten. Menschenrechtsgruppen hatten den schiitischen Milizen in den vergangenen Monaten mehrfach Kriegsverbrechen gegen Sunniten vorgeworfen.

Ramadi liegt rund hundert Kilometer westlich der irakischen Hauptstadt Bagdad. Die Stadt ist seit Mai in der Hand der Dschihadisten. Die Regierung in Bagdad hatte bereits im Juni, im Juli und im November behauptet, die Rückeroberung der Stadt stehe unmittelbar bevor. Eine erfolgreiche Befreiungsaktion wäre für die Armee neben der strategischen auch von großer symbolischer Bedeutung.

Bei der Stürmung der Stadt durch den IS im Mai 2015 hatten viele staatliche Soldaten die Flucht ergriffen. Dadurch konnten die Islamisten neben der Stadt selbst auch umfangreiches Kriegsgerät erobern.

Am Sonntag hatte das irakische Militär Flugblätter über Ramadi abgeworfen, um die Bewohner zur Flucht aufzurufen. Sie hätten 72 Stunden Zeit, die Stadt zu verlassen. Doch nach Informationen des Verteidigungsministers versucht der IS, die Menschen am Aufbruch zu hindern.

Einem Militärsprecher zufolge betrachten die Terroristen die rund 50.000 Bürger unter ihrer Kontrolle als ihre Geiseln. Demnach mussten Familien, die versuchten, Ramadi zu verlassen, eine Strafe von umgerechnet mehr als 5600 Euro pro Familie an den IS zahlen. Laut Augenzeugen sollen die Dschihadisten auch gedroht haben, all jene zu töten, die aus der Stadt fliehen wollen.

jok/dpa/AP/Reuters

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