Demokratin aus Michigan Rashida Tlaib will als erste Muslima in den US-Kongress einziehen

Sie ist Muslima, ihre Eltern stammen aus Palästina - und bald dürfte Rashida Tlaib für die Demokraten im US-Kongress sitzen. Dass sie kämpfen kann, bekam schon Donald Trump zu spüren.
Rashida Tlaib

Rashida Tlaib

Foto: Al Goldis/ AP

Ihre Mutter kommt aus der Nähe von Ramallah, ihr Vater stammt aus Ost-Jerusalem - und sie steht nun als erste muslimische Frau in der Geschichte der USA vor dem Einzug in den Kongress: Rashida Tlaib.

Der 42-Jährigen ist nach ihrem Sieg bei den Vorwahlen der Demokraten der Sitz im Repräsentantenhaus wohl kaum mehr zu nehmen: Kein Republikaner ist bereit, im 13. Wahlbezirk von Michigan anzutreten.

"Man muss nicht ändern, wer man ist, um für ein Amt zu kandidieren", sagte Tlaib der "New York Times" nach ihrem Sieg in der vergangenen Woche. "Und darum geht es in diesem Land."

Wer ist Rashida Tlaib?

Die Politikerin wurde in Detroit als erste von 14 Kindern einer palästinensischen Einwandererfamilie geboren. Ihr Vater arbeitete in einer Fabrik von Ford. Die Juristin zog bereits als erste Muslima 2008 in das Landesparlament von Michigan ein. Dort diente sie drei zweijährige Legislaturperioden, die erlaubte Höchstzahl.

Überregional bekannt wurde die Mutter zweier Kinder, als sie 2016 eine Rede des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump störte mit der Aufforderung, er solle die Verfassung lesen. "Der 13. Bezirk wollte eine Kämpferin", schrieb sie auf Twitter zu ihrer Nominierung. "Und sie bekommen eine." Tlaib träumt den amerikanischen Traum.

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Ihre Twitter-Seite zeigt auch ihre Beziehung zu ihrem Glauben: Dort nennt sie sich selbst eine "stolze Muslima". In einem CNN-Bericht vom Juni wird beschrieben, wie sie im Südwesten von Detroit trotz der Hitze bei einem Besuch bei Wählern auf Wasser verzichtet - es war Ramadan.

Welche Rolle spielt der Islam im US-Wahlkampf?

Religion sei allerdings bei ihrem Gang von Haustür zu Haustür nie ein Thema gewesen, berichtet der Sender. In diesem Teil von Michigan leben überdurchschnittlich viele Muslime. Die Bevölkerung der Stadt Dearborn im Großraum Detroit etwa stammt nach einer Erhebung aus dem Jahr 2000 zu 30 Prozent aus dem arabischen Raum.

Bei den Vorwahlen in Michigan waren zwei weitere Kandidaten islamischen Glaubens angetreten - einer davon für den Gouverneursposten. Beide scheiterten. Insgesamt berichten US-Medien von 90 Muslimen, die sich in diesem Jahr bei der Wahl im November für Ämter auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene bewerben.

Der erste Muslim im Kongress war 2006 der Demokrat Keith Ellison. Dort sind Muslime unterrepräsentiert. Zur Größe der Religionsgemeinschaften in den USA gibt es wenige amtliche Statistiken, weil das Statistikamt sie wegen der Trennung von Kirche und Staat nicht systematisch erhebt.

Der Gruppe Pew Research zufolge waren 2017 knapp 3,5 Millionen Amerikaner Muslime - 1,1 Prozent der Bevölkerung. Im Kongress sitzen gegenwärtig zwei Muslime, was 0,4 Prozent der Abgeordneten entspricht.

Welche Reaktionen gibt es auf Tlaibs Wahlerfolg?

Dass Tlaib erfolgreich war, ist für den ehemaligen Islam-Beauftragten von Ex-Präsident Barack Obama, Zaki Barzinji, auch eine Frage der Vorbereitung. "Sie ist das perfekte Beispiel dafür, wie man systematisch politische Macht aufbaut", sagt er CNN. "Sie sprang nicht einfach aus dem Nichts in die Kongresswahl, sie hat mehr als ein Jahrzehnt damit zugebracht, sich systematisch hochzuarbeiten."

Er wünsche sich, dass die islamische Gemeinde in den USA diese Lektion lernen würde: Trotz des Frustes über das Fehlen von Vertretern auf höchster Ebene machten sich zu wenige die Mühe, "im Erdgeschoss anzufangen".

In dem Ort Beit Ur al-Fauka im Westjordanland feierten Tlaibs Großmutter mit Onkels und Tanten, Nachbarn und Freunden Mitte der Woche den Sieg ihrer Verwandten. Rashida habe in dem Geburtsort ihrer Mutter 1997 geheiratet und sei zuletzt 2006 dort zu Besuch gewesen.

Mitglieder der Tlaib-Familie im Westjordanland feiern den Sieg ihrer Verwandten in den USA

Mitglieder der Tlaib-Familie im Westjordanland feiern den Sieg ihrer Verwandten in den USA

Foto: Nasser Nasser/ AP

Ihr Onkel Bassam Tlaib sagt zu dem Sieg: "Es erfüllt uns mit Stolz - als Mitglieder der Tlaib-Familie, als Einwohner von Beit Ur al-Fauka, als Palästinenser, als Araber und als Muslime - dass ein einfaches Mädchen eine solche Stellung erreicht."

dop/Reuters
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