Nach rassistischem Foto Demokraten fordern Rücktritt von US-Gouverneur

Ein Jahrbuchfoto zeigt eine Figur in der Robe des Ku-Klux-Klan und einen schwarz angemalten Mann. Einer von beiden ist der demokratische Gouverneur von Virginia. Seine Partei will das nicht dulden.

Nach dem Bekanntwerden eines rassistischen Fotos haben Mitglieder seiner Partei den Rücktritt des demokratischen US-Gouverneurs Ralph Northam gefordert. Das Bild aus einem Universitäts-Jahrbuch zeigt zwei Figuren: Eine trägt die typische Kapuzenrobe des Ku-Klux-Klan, der für zahlreiche Lynchmorde in den Südstaaten der USA verantwortlich ist. Die andere hat sich Gesicht und Hände schwarz angemalt (blackfacing) und will so einen Afroamerikaner darstellen. Blackfacing geht auf eine rassistische Tradition des 19. Jahrhunderts zurück, als sich Schauspieler schwarz anmalten, um den Tanz von Sklaven nachzuahmen.

Das Foto aus dem Universitäts-Jahrbuch von 1984 war zunächst von einer Website ins Netz gestellt und dann von mehreren US-Medien aufgegriffen worden. Wer von den beiden Figuren der Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia ist, blieb offen. Kurz darauf fand der TV-Sender CBS eine Jahrbuchseite aus Northams Zeit beim Militär. Dort ist unter anderem sein Spitzname "Coonman"  zu finden. Das Wort "Coon" ist eine rassistische Bezeichnung für eine schwarze Person.

Northam entschuldigte sich für das Foto, es sei "eindeutig rassistisch und kränkend" gewesen und entspreche in keiner Weise seinen heutigen Werten. Eine Bereitschaft zum Rücktritt ließ er in seiner persönlichen Erklärung indes nicht erkennen.

Video: Persönliche Erklärung von Ralph Northam (engl.)

SPIEGEL ONLINE

Nach der Veröffentlichung des Fotos forderten die republikanische Partei und die gegen Diskriminierung von Schwarzen kämpfende Bürgerrechtsvereinigung NAACP den 59-jährigen Gouverneur zum Rücktritt auf. Auch aus seiner eigenen Partei gab es harsche Kritik: Alle demokratischen Präsidentschaftskandidaten forderten seinen Rücktritt.

Kaliforniens Senatorin Kamala Harris schrieb auf Twitter, "Rassismus sollte keinen Platz in der Regierung haben". Die Politikerin, deren Mutter aus Indien und Vater aus Jamaika stammt, will für die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2020 antreten.

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Das Bild rufe wieder "Jahrhunderte der Wut, Qualen und rassistischer Gewalt" hervor, erklärte der afroamerikanische US-Senator Cory Booker wenige Stunden nach seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Es habe das Vertrauen in Northam erschüttert, deshalb sollte er zurücktreten, fügte Booker hinzu.

Der Bundesstaat Virginia wurde in den vergangen Jahren vermehrt mit seiner rassistischen Vergangenheit der Sklaverei konfrontiert. Im Sommer 2017 gingen in der Universitätsstadt Charlottesville im Bundesstaat erneut Mitglieder des Ku-Klux-Klans auf die Straße, um gegen die Entfernung der Statue des konföderierten Generals Robert E. Lee zu demonstrieren. Am Rande der Proteste wurde dabei eine Frau getötet.

Die Wahl des demokratischen Gouverneurs Northam 2017 war von vielen im Land als Sieg gegenüber Donald Trump und als Zeichen gegen das Erbe der Konföderation gesehen worden. Im amerikanischen Bürgerkrieg hatten die konföderierten Staaten für den Erhalt der Sklaverei gekämpft.

mfh/AFP/dpa
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