Razzia gegen Kurdenorganisation Türkische Polizei nimmt Dutzende mutmaßliche Islamisten fest

Bei einer landesweiten Razzia gegen kurdische Extremisten hat die türkische Polizei zahlreiche mutmaßliche Islamisten festgenommen. Auch im Fall des tödlichen Bombenanschlags von Diyarbakir gibt es erste Verhaftungen.


Istanbul – Die Aktion der türkischen Polizei richtete sich gegen kurdische Islamisten der radikalen türkischen Hisbollah-Organisation. Mehr als 40 Personen wurden den Angaben zufolge festgenommen. Die Ermittler werfen ihnen vor, im Namen der Hisbollah Verbrechen begangen zu haben, wie türkische Medien heute berichteten. Festnahmen habe es in Istanbul, Mersin, Konya und Diyarbakir gegeben.

Die Hisbollah strebt nach einem kurdischen Gottesstaat und hat sich in der Vergangenheit blutige Untergrundkämpfe mit der ebenfalls verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK geliefert. Sie hat nichts mit der gleichnamigen Organisation im Libanon zu tun.

Die türkische Hisbollah war 2000 weitgehend zerschlagen worden, nachdem die Führungsspitze in Istanbul gefasst worden war. Danach waren Dutzende von Mordopfern gefunden worden, die in Häusern vergraben oder einbetoniert waren. Inzwischen hat sie sich Berichten zufolge neu gruppiert.

Vier Verdächtige nach Attentat festgenommen

Auch im Fall des gestrigen Bombenanschlags mit fünf Toten im Südosten der Türkei meldet die Polizei erste Festnahmen: Vier Verdächtige seien verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft in Diyarbakir sagte der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu weiter, die Polizei habe für den Fall bis zum 20. Januar besondere Ermittlungsbefugnisse bekommen.

Ein mit Sprengstoff präparierter Wagen war am Donnerstag nahe einer Schule geparkt und gezündet worden, als ein Bus der türkischen Armee passierte. Unter den Toten waren vier Studenten. 68 Menschen wurden verletzt.

Im Südosten der Türkei ist der Konflikt zwischen der Armee und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in den vergangenen Monaten eskaliert, nachdem die PKK mehrere Angriffe auf Stellungen der Armee ausgeführt hatte. Dutzende Soldaten wurden getötet. Die türkische Armee hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 312 PKK-Kämpfer getötet.

phw/dpa



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