Razzia im Irak Saddams Söhne von US-Soldaten erschossen

Bei einer Razzia in der irakischen Stadt Mossul haben US-Soldaten die beiden Söhne des Ex-Diktators Saddam Hussein, Udai und Kussei, getötet. Endgültige Klarheit über die Identität der Leichen hatte eine DNS-Analyse gebracht.


Wurde bei dem Angriff zerstört: Die Villa von Saddams Cousin in Mossul
REUTERS

Wurde bei dem Angriff zerstört: Die Villa von Saddams Cousin in Mossul

Washington - Die beiden Söhne Udai und Kussei Hussein waren am Dienstag zusammen mit zwei weiteren Irakern bei einer Fahndungsaktion in der nordirakischen Stadt Mossul getötet worden. Das wurde von US-Militärs in Bagdad bestätigt. "Wir sind sicher, dass Udai und Kussei getötet wurden", so ein Sprecher. "Wir haben mehrere Quellen benutzt, um die Einzelpersonen zu identifizieren."

Vorausgegangen war ein Hinweis an die US-Militärs, nach dem sich die beiden Söhne des Ex-Diktators in einer Villa in Mossul aufgehalten hatten. Diese soll einem Cousin Saddams gehören. Das Gebäude war daraufhin am Dienstag von etwa 200 Soldaten der 110. Airborne Division gestürmt worden. Augenzeugen berichteten, dass sie dabei beschossen worden seien, als sie sich dem Haus näherten. Den Truppen kamen Hubschrauber zur Hilfe, um den Widerstand vor der Erstürmung niederzuschlagen. Das Haus wurde dabei stark beschädigt, das Dach stürzte ein, nachdem es offenbar von einer Rakete getroffen worden war. Auch Zivilisten sollen bei den rund sechsstündigen Gefechten verletzt worden sein, mehrere Personen seien in Krankenhäuser eingeliefert worden.

Nach dem Angriff waren die vier Leichen so stark entstellt, dass sie nicht sofort identifiziert werden konnten. "Wir haben mehrere Quellen benutzt, um die Einzelpersonen zu identifizieren", sagte ein Sprecher in Bagdad. Dazu sollen neben DNS-Tests auch die Prüfung persönlicher Merkmale gehören, wie zum Beispiel Spuren von Schusswunden, die Udai in der Vergangenheit erlitten hatte. Bei den beiden anderen Leichen soll es sich um einen Sohn Kusseis und einen Leibwächter handeln.

15 Millionen Dollar Belohnung für Hinweise

Das Schicksal Saddams und seiner Söhne war seit Beginn des Irak-Kriegs ungeklärt. Die US-Regierung hatte kürzlich eine Belohnung von 15 Millionen Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zur Gefangennahme oder zum Tod der Saddam-Söhne führen. Er gehe davon aus, dass die von den USA ausgesetzte Belohnung gezahlt werde, sagte der Sprecher des US-Militärs in Bagdad. Für den Ex-Präsidenten selbst beträgt die Belohnung 25 Millionen Dollar.

Saddam Hussein mit seinen beiden Söhnen Udai und Kussei
REUTERS

Saddam Hussein mit seinen beiden Söhnen Udai und Kussei

Die für ihre Grausamkeit bekannten Söhne Saddams standen auf der US-Liste der meist gesuchten Iraker auf Platz zwei und drei. Der 37-jährige Kussei Hussein wurde als möglicher Nachfolger seines Vaters gehandelt. Der studierte Jurist leitete die Elitetruppen der Republikanischen Garde. Er stand auf der Liste der meistgesuchten Iraker hinter seinem Vater. Der 39-jährige Udai schien lange Zeit zum Nachfolger von Saddam Hussein auserkoren - bis er 1996 angeschossen und schwer verletzt wurde. Er hatte einen Sitz im Parlament und stand dem Irakischen Olympischen Komitee vor. Außerdem führte er den Fernsehsender Youth TV und die Tageszeitung "Babil".

In Bagdad selbst soll die Nachricht vom Tod der Söhne mit Freudenschüssen und Jubelschreien gefeiert worden sein. Der US-Zivilverwalter Paul Bremer sagte, er wolle nicht darüber spekulieren, wie sich der Tod von Saddam Husseins Söhnen auf die Sicherheitslage in Irak auswirke. "Es ist sicherlich eine gute Nachricht für das irakische Volk", sagte er in Washington. Die US-Börsenkurse an der Wall Street reagierten mit leichten Kursgewinnen auf die Todesnachricht.

Die britische Regierung hat den Tod der beiden Söhne des gestürzten irakischen Staatschefs Saddam Hussein begrüßt. "Udai und Kussei Hussein teilten die Verantwortung ihres Vaters für viele Jahre des Leidens des irakischen Volkes", sagte Außenminister Jack Straw. "Sie hatten die Gelegenheit, sich der Justiz zu stellen und sich für ihre Verbrechen zu verantworten. Sie haben sich geweigert, das zu tun." Selbstverständlich hätte Großbritannien ein freiwilliges Aufgeben der beiden Männer vorgezogen, sagte Straw. "Aber die Nachricht, dass Saddams Söhne keine Bedrohung mehr für die Sicherheit des Irak sind, wird eine Beruhigung für das irakische Volk sein."

Erneuter Anschlag auf US-Soldaten

Unterdessen wurde bei einem erneuten Anschlag nahe Bagdad ein US-Soldat getötet. Der Überfall ereignete sich nördlich der Hauptstadt im so genannten sunnitischen Dreieck. Das US-Oberkommando berichtete, die Angreifer hätten Granaten und Handfeuerwaffen benutzt. Ein zweiter Soldat sei verletzt worden. Mit dem neuen Opfer stieg die Zahl der seit Beginn des Irak-Kriegs getöteten US-Soldaten auf 153.



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