Razzia in Marokko Drei Terrorverdächtige sprengen sich in die Luft

Seit März läuft die Fahndung nach islamistischen Terroristen in Marokko auf Hochtouren. Nun wollte die Polizei zugreifen. Doch drei Extremisten zündeten vor ihrer Festnahme einen Sprengsatz.


Casablanca - In der marokkanischen Wirtschaftsmetropole Casablanca hat sich am Abend ein dritter Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Der Mann habe seine Sprengladung in einer Menschenmenge gezündet und dabei mehrere Menschen verletzt, hieß es in Polizeikreisen. Das Attentat steht im Zusammenhang mit einer Razzia der Polizei, in deren Verlauf sich heute bereits zwei andere Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt hatten und ein weiterer mutmaßlicher Terrorist von Beamten erschossen wurde. "Es handelt sich um ein viertes Mitglied der gesuchten Gruppe", hieß es bei der Polizei.

Tödliche Terrorfahndung: Spurensicherung in Casablanca
AFP

Tödliche Terrorfahndung: Spurensicherung in Casablanca

Der Verdächtige sei erschossen worden, als er ebenfalls den Sprengstoffgürtel zünden wollte, den er am Körper getragen habe. Bei einer der Detonationen sei ein Beamter getötet und ein weiterer verletzt worden. An der Razzia in einem Arbeiterviertel Casablancas beteiligten sich mehrere Hundert Beamte.

Einer der Toten soll der Bruder eines Terroristen sein, der sich vor einem Monat in einem Internetcafé in Casablanca in die Luft gesprengt hatte. Vier Menschen waren damals zudem verletzt worden. Im Zuge der Ermittlungen sind bislang mehr als 30 Verdächtige festgenommen worden. Sie sollen einer Terrorzelle angehört haben, die auch Attentate auf touristische Ziele plante.

Bei einem weiteren Toten handele es sich um einen 31 Jahre alten Terroristen, der seit den Selbstmordanschlägen von Casablanca im Mai 2003 gesucht wurde. Bei der Terrorattacke auf westliche und jüdische Einrichtungen waren 45 Menschen getötet worden, darunter zwölf der Attentäter. Nach Hinweisen ausländischer Geheimdienste über eine Zunahme der terroristischen Bedrohung sind die Sicherheitskräfte Marokkos seit Wochen in erhöhter Alarmbereitschaft.

Die marokkanischen Sicherheitsbehörden fahnden seit dem 11. März nach bis zu zwölf islamistischen Selbstmordattentätern, wie es in den Polizeikreisen weiter hieß. An dem Tag hatte sich ihr mutmaßlicher Anführer in die Luft gesprengt, um sich der Festnahme zu entziehen. Seine Komplizen trügen jetzt ständig Sprengstoffgürtel, um die Polizei daran zu hindern, ihrer habhaft zu werden.

kai/asc/dpa/Reuters



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