Umfrage zu Schweizer Volksentscheid "Wir Deutschen treten ihnen ständig auf die Füße"

Sie sind frustriert, enttäuscht, ratlos: Die Entscheidung gegen Masseneinwanderung verunsichert Deutsche, die in der Schweiz leben und arbeiten. Oder stimmen die Vorurteile der Eidgenossen? Die Umfrage.
Die Schweizer Flagge hochhalten: Deutsche sind enttäuscht von ihrer Wahlheimat

Die Schweizer Flagge hochhalten: Deutsche sind enttäuscht von ihrer Wahlheimat

Foto: Harold Cunningham/ Getty Images

Hamburg - Wir sind zu schnell, wir sind zu laut, wir sind zu direkt - dass deutsche und schweizerische Kommunikation nicht allzu einfach ist, ist nicht neu. Schweizer ihrerseits sind sehr höflich, grüßen jeden einzelnen Party-Gast mit Vornamen und diskutieren wieder und wieder den gleichen Standpunkt, auch wenn sie derselben Meinung sind. "Manche Schweizer sind von uns Deutschen genervt, sie fühlen sich gestört", sagt Sara Winter, Journalistin in Basel.

Doch das Ergebnis des Volksentscheids zur Einwanderung hebt diese Unannehmlichkeiten auf eine andere Ebene. 50,3 Prozent der Schweizer Wähler hatten am Sonntag für die Initiative "Gegen Masseneinwanderung" der SVP gestimmt (lesen Sie hier alle Details zum Votum). Das Referendum sieht vor, dass die Regierung innerhalb von drei Jahren jährliche Quoten für die Einwanderung einführen muss. Nicht nur Politiker aus Deutschland oder Frankreich reagieren harsch. Auch die Deutschen, die seit Jahren in dem Nachbarland leben und arbeiten, fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

"Überrascht hat mich der Ausgang des Volksentscheids nicht", sagt Jürgen Stücken-Siegrist. Der pensionierte Lehrer wohnt seit 1986 in der Schweiz. "Probleme mit Zuwanderung haben sie hier tatsächlich, aber die haben eigentlich nichts mit den Ausländern selbst zu tun." So steigen seiner Beobachtung nach wegen der vielen Zuwanderer die Mieten, was nicht nur positive Gefühle hervorrufe.

"Es wird einen Fachkräftemangel geben"

"Kurioserweise gab es für den Volksentscheid aber gerade in den großen Städten, wo das ein Thema sein müsste, keine Zustimmung - sondern eher in den ländlichen Gebieten", wundert sich der 65-Jährige, dem in fast 30 Jahren Schweiz nie Deutschlandfeindlichkeit begegnete. Dabei seien gerade Bauern auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Das Votum sei nicht zu Ende gedacht: "Es wird einen Fachkräftemangel geben. Wie der behoben werden soll, ist noch gar nicht absehbar."

Einen Mangel an medizinischem Fachpersonal befürchtet Journalistin Kristina Gnirke, ihr Kollege Ulrich Safferling ärgert sich über Deutsche, die dem Klischee entsprechen, und Kommunikationsberater Ralph Tatu befürchtet, der Entscheid könnte Begehrlichkeiten auch in anderen Ländern wecken.

Was also sagen Deutsche, die in der Schweiz leben und arbeiten, zum Bürgervotum gegen Masseneinwanderung? Die Umfrage.

Aufgezeichnet von: Vera Kämper, Christoph Sydow, Rainer Leurs und Jonathan Widder
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