Reaktionen auf Trump Muslime sehen religiöse Freiheit in den USA bedroht

Der US-Präsidentschaftsbewerber Trump hat ein Einreiseverbot für Muslime in die USA gefordert. Der Muslimverband der USA nennt das "kleingeistig": Die Forderung spiele dem IS in die Hände und spalte Amerika.


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Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat die "vollständige und komplette Schließung" der amerikanischen Grenzen für Muslime gefordert. Die Reaktionen sind einhellig: Es herrscht Fassungslosigkeit.

Nihad Awad, Präsident des Council on American-Islamic Relations (CAIR), machte klar, wie Trump mit solchen abstrusen Forderungen den Islamisten in die Hände spielt: "Der 'Islamische Staat' versucht doch, die religiöse Freiheit in den USA zu unterminieren, und viele Politiker springen im Wahlkampf kleingeistig auf diesen Zug auf", sagt er.

Der Umgang mit der Bedrohung durch den Terrorismus wird derzeit in den USA heftig diskutiert: Die mutmaßliche Terrorattacke im kalifornischen San Bernardino, bei der 14 Menschen starben, hat in den USA Ressentiments gegen Muslime befeuert. Eine Täterin hatte sich zum "Islamischen Staat" (IS) bekannt.

"Manche Kandidaten spielen dem IS unmittelbar in die Hände, ob willentlich oder wissentlich, sie tun es. Sie spalten Amerika, anstatt es zu vereinen", sagte Awad der Nachrichtenagentur dpa. "Es gibt aber tatsächlich gar keinen religiösen Konflikt in den USA, sondern einen ideologischen. "Etwa ein Prozent der US-Bevölkerung ist muslimisch. "Die USA sollten sich vor Ignoranz fürchten, nicht vor Muslimen", so Awad.

Im Kampf gegen Extremismus arbeite die muslimische Gemeinschaft in den USA eng mit Ordnungshütern und Strafverfolgern zusammen. Radikalisierung passiere vor allem über das Internet, nicht in Moscheen, so Awad: "Extremisten leben isoliert oder im Untergrund."

Das Weiße Haus erklärte, Trumps Forderung sei vollkommen konträr zu den Werten der USA. Ben Rhodes, stellvertretender nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten, sagte CNN: "Wir haben die Anerkennung der Religionsfreiheit in unserer Verfassung."

Trump hatte seine radikale Forderung mit einer Umfrage begründet: Darin habe eine große Zahl der befragten Muslime Gewalt gegen Amerikaner in den USA bejaht, weil sie Teil des globalen Dschihad (Heiliger Krieg) sei. Die Repräsentanten des Landes müssten nun klären, was eigentlich los sei, forderte Trump: "Wir müssen herausfinden, woher all dieser Hass kommt."

Selbst die republikanischen Mitbewerber rückten von Trumps Statement ab

"Trump ist komplett verwirrt"

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Auch in Pakistan reagierten Muslimverbände auf Trumps Forderung: "Das ist die schlimmste Form von Engstirnigkeit, gemischt mit Ignoranz", sagte Asma Jahangir, eine pakistanische Menschenrechtsanwältin. "Ich könnte mir vorstellen, dass jemand, der hofft, US-Präsident zu werden, nicht mit ignoranten kriminell-denkenden Mullahs in Pakistan wetteifern will." Solche Menschen seien "noch nicht einmal in Pakistan" in machtvolle Positionen gewählt worden.

Der Chef des Ulema Council, dem größten Verband muslimischer Geistlicher in Pakistan, sagte, Trumps Worte förderten Gewalt: "Wenn ein muslimischer Anführer sagt, dass es einen Krieg zwischen Christen und Muslimen gibt, verurteilen wir das. Warum sollten wir es also nicht verurteilen, wenn ein Amerikaner dasselbe sagt?" Die IS-Miliz sei ein syrisches Problem, kein religiöses.

Die Frage des Umgangs mit der Terrorgefahr ist auch eine europäische. Spätestens seit den Anschlägen in Paris wird auch in Deutschland - teils populistisch - diskutiert, wie etwa mit radikalisierten Syrien-Rückkehrern umzugehen ist. Deswegen hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) jetzt vor einer Gleichsetzung des Islam mit dem IS gewarnt. "Wenn Leute glauben, der sogenannte IS sei der Islam, dann ist das Zusammenleben von Christen und Muslimen in diesem Land außerordentlich gefährdet", sagte der Präsident der Organisation katholischer Laien, Thomas Sternberg.

Es müsse deutlich werden, dass Angst - "etwa vor islamischem Religionsunterricht" - fehl am Platz sei. Zugleich verteidigte Sternberg seine Forderung nach einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten, gegen die IS-Milizen. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hatte er gesagt: Wenn es eine Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie gebe, "dann könnte es auch eine Fatwa gegen die Mörder des IS geben". Den Begriff habe er genutzt, weil es sich um einen Rechtsspruch handele. "Das heißt noch nicht, dass man zum unmittelbaren Mord auffordert." Es sei lediglich ein eindeutiger Rechtsspruch.

Zusammenfassung: Der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat einen Einwanderungsstopp für Muslime in die USA gefordert. Nicht nur amerikanische Muslimverbände reagieren mit Fassungslosigkeit, sie sehen die religiöse Freiheit bedroht. Auch in Deutschland wird nach Terrorattacken durch Anhänger der IS-Miliz über das Thema diskutiert. Das ZdK warnt davor, den IS mit dem Islam gleichzusetzen.

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vek/dpa/Reuters

insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
goliat7 08.12.2015
1. Was du nicht willst, dass man dir tu....
Religiöse Freiheit ist in fast allen muslimischen Staaten bedroht, bzw nicht vorhanden. Dazu sagen sie nix.
f.gallo 08.12.2015
2. Er tickt ab, aber...
... "Muslime sehen religiöse Freiheit in den USA bedroht", ich möchte mal lesen "Muslime setzen sich für religiöse Freiheit in Nahen Osten ein..." dort wird der Abfall vom muslemischen Glauben oft mit der Todesstrafe verfolgt! Das ist natürlich kein Grund sich so zu verhalten wie Trump, allerdings würde ich auch in Deutschland, Europa bzw der westlichen Welt ein Gesetz vor schlagen das Religionen nur noch anerkennt wenn sie selber "Religionsfreiheit" anerkennen und "Körperstrafen" verbieten sowie die staatliche Rechtsbarkeit anerkennen...
minando 08.12.2015
3. Als ob Amerika...
...jemals wirklich eine Einheit gebildet hätte, da gibt's nicht mehr viel zu spalten. Als US-Bürger fühlt man sich nur dann, wenn man mit einem Gegener von aussen zu tun hat. Sollte Trump wirklich jemals Präsident werden wird seine erste Aufgabe sein, das Chaos, das er zuvor angeheizt hat zu reparieren, die Leute die er noch weiter auseinandergetrieben hat wieder zu vereinen. Und was bietet sich da eher an als ein Krieg, vorzugsweise gegen einen militärisch deutlich unterlegenen Sündenbock.
Rina Maria 08.12.2015
4. Religionsfreiheit....
besser wäre "Frei von Religion".
geando 08.12.2015
5. Ideocracy
Trump ist ein Polit-Clown. Entweder ist sein Verhalten reine Berechnung, oder er hat nicht alle Latten am Zaun. Auch wenn es Differenzen zwischen einigen Muslimen und der "westlichen Welt" gibt, kann die Lösung nicht in einer Isolation liegen. Ein Einreiseverbot wegen der Religionszugehörigkeit ist reine Diskriminierung. Sollten die US-Amerikaner diesen Vogel zum Präsidenten wählen, verliere ich jeglichen Glauben an die Zurechnungsfähigkeit der Bürger von "Gods own country". Ob da die vielen Jahrzehnte der Mangelbildung einen nachhaltigen Verblödungsprozess bewirkt haben? Wir sollten nochmal über das Gesamtschulmodell ernsthaft nachdenken...
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