Reaktion auf Papst-Rede Maskierte werfen Brandbomben auf Kirchen im Westjordanland

Die umstrittenen Papst-Äußerungen zum Thema Islam und Gewalt haben nun - ausgerechnet - Gewalt zur Folge: Mehrere Maskierte warfen heute Brandbomben auf zwei Kirchen im Westjordanland. Zur Tat bekannte sich eine Gruppe mit dem Namen "Löwen des Monotheismus".


Nablus - Aus einem fahrenden Auto heraus schleuderten die Männer in Nablus im Westjordanland heute Morgen Brandsätze auf zwei Kirchen. Eine Gruppe namens Löwen des Monotheismus teilte in einem Telefonanruf bei der Nachrichtenagentur AP mit, man wolle auf diese Weise gegen die jüngsten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. über den Islam protestieren. Geistliche und Augenzeugen bestätigten die Angriffe auf eine anglikanische und eine griechisch-orthodoxe Kirche.

Griechisch-orthodoxe Kirche in Nablus: Rußspuren von zwei Brandbomben
DPA

Griechisch-orthodoxe Kirche in Nablus: Rußspuren von zwei Brandbomben

Pater Jussef, ein Priester der Anglikanischen Kirche, sagte, mehrere Brandsätze hätten die Mauer seiner Kirche in Nablus getroffen. An den Wänden waren schwarze Spuren der mindestens fünf Brandsätze zu sehen.

Gegen die griechisch-orthodoxe Kirche wurden zwei Brandsätze geworfen, teilte das Oberhaupt der Kirche, George Awad, mit.

Bei den Angriffen wurde niemand verletzt, erklärte Awad heute. Auch sei kein nennenswerter Sachschaden entstanden. Den Angaben zufolge warfen vier oder fünf maskierte Männer aus einem Auto heraus die Brandbomben.

Vertreter der radikal-islamischen Hamas verurteilten die Anschläge. Adli Jaaisch, Bürgermeister von Nablus und einer der Hamas-Anführer, sprach am Tatort von einem "unverantwortlichen Angriff".

Bereits am Freitag hatten rund 2000 Palästinenser gegen die Äußerungen des Papstes protestiert und ihm vorgeworfen, einen neuen Kreuzzug gegen die Muslime zu führen.

Papst Benedikt XVI. hatte am Dienstag in einem Vortrag in Regensburg einen christlich-byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit einer scharfen Kritik an der Aufforderung des Islams zitiert, der Glaube solle mit dem Schwert verbreitet werden. Die Äußerungen stießen auf massive Kritik in der moslemischen Welt. Der Vatikan erklärte, der Papst habe den Islam und die Moslems nicht beleidigen wollen.

kaz/AP/Reuters



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