Reaktion auf Terrorplan Saudi-Arabien droht Iran mit Vergeltung

"Wir werden Iran für alle Aktionen zur Verantwortung ziehen": Saudi-Arabien droht der Regierung in Teheran mit Vergeltung - weil die hinter dem mutmaßlichen Mordkomplott gegen den saudischen Botschafter in Washington stecken soll. Irans Ex-Präsident Chatami fürchtet gar eine US-Attacke auf sein Land.

AP

Dubai - Der Plan ist zwar gescheitert, doch er heizt die Stimmung im Nahen Osten gefährlich an. Nachdem das mutmaßliche Mordkomplott iranischer Kräfte gegen den saudischen Botschafter in Washington vereitelt wurde, droht das Königreich der Regierung in Teheran mit empfindlichen Konsequenzen.

"Wir werden uns keinem Druck beugen und Iran für alle Aktionen gegen uns zur Verantwortung ziehen", sagte der saudische Außenminister Prinz Turki al-Faisal in Wien. "Jedes Vorgehen Teherans wird eine entsprechende Reaktion aus Saudi-Arabien nach sich ziehen." Man werde sich den Versuchen, mit "Mord und Zerstörung" Druck aufzubauen, nicht beugen, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Faisal weiter. Auch wenn Teheran bisher eine Beteiligung an dem Komplott bestreitet, seien die Beweise erdrückend.

Die USA beschuldigen Iran, hinter den Plänen zur Ermordung des saudischen Botschafters zu stecken. Die Regierung in Washington bemüht sich nun um Unterstützung, damit die Sanktionen gegen die Islamische Republik ausgeweitet werden. Iran weist die Vorwürfe zurück und bezichtigt die USA der Kriegshetze.

Warnung von Irans Ex-Präsident Chatami

Ob derzeit tatsächlich die Gefahr eines Krieges besteht, ist eher fraglich. In Teheran allerdings hat das vereitelte Mordkomplott eine heftige Debatte ausgelöst. So meldet sich der iranische Ex-Präsident Mohammed Chatami zu Wort - und warnt vor einem US-Angriff auf Teheran. "Unsere politischen Vertreter sollten vorsichtig sein, den USA einen Vorwand zu liefern, um gegen unsere Sicherheit und territoriale Integrität vorzugehen", sagte Chatami am Donnerstag der oppositionellen Internetseite Rahesabs. Er bezeichnete die US-Vorwürfe als eine Verschwörung der Regierung in Washington, um sich Vorteile für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr zu verschaffen.

Chatami war von 1997 bis 2005 iranischer Staatspräsident. Seitdem ist der 68 Jahre alte Politiker an führender Stelle in der Opposition tätig. In der Vergangenheit hat er mehrfach scharfe Kritik an seinem Amtsnachfolger Mahmud Ahmadinedschad geübt.

Tatsächlich rücken die USA und das Königreich Saudi-Arabien - ein traditioneller Feind der Islamischen Republik Iran - durch das mutmaßliche Mordkomplott enger zusammen. So hat US-Präsident Barack Obama als Reaktion auf das angeblich geplante Attentat mit dem König des Golfstaates telefoniert. Dabei hätten er und König Abdullah eine "starke und vereinte Antwort" vereinbart, mit der die Verantwortlichen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen würden, teilte das Weiße Haus am Mittwoch mit. Die Attentatspläne stellten eine "ungeheuerliche Verletzung" internationalen Rechts dar. Beide Seiten hätten zudem ihre Partnerschaft bekräftigt.

Unterstützung können sie dabei aus Großbritannien erwarten. Der britische Außenminister William Hague erklärte, man befände sich in ständigem Kontakt mit den USA und werde eng zusammenarbeiten. Die mutmaßlichen Attentatsplanungen Irans bezeichnete er als "massive Eskalation".

Immer mehr Kritik aus den USA

Allerdings werden in den USA auch immer mehr Stimmen laut, die Ungereimtheiten in der bisherigen Darstellung der Affäre bemängeln. So habe die US-Regierung hochrangigen Mitgliedern zufolge keine harten Beweise dafür, dass die oberste iranische Führung von dem angeblichen Attentatsplan gewusst habe.

Die Aktion könne zwar kaum gänzlich außerhalb des Systems geplant worden sein. Andere Teile der zersplitterten iranischen Führung - etwa Präsident Ahmadinedschad - müssten aber "nicht zwangsläufig davon gewusst haben", hieß es weiter.

Mehrere hochrangige US-Regierungsvertreter mussten zudem einräumen, dass das angebliche Komplott ungewöhnlich schlecht organisiert worden sei. "Wir hätten erwartet, dass die Kuds-Truppen ihre Spuren effektiver verwischen würden", sagte einer von ihnen. Die Kuds-Brigaden sind eine Eliteeinheit der iranischen Revolutionswächter. Aus ihren Reihen soll einer der mutmaßlichen Drahtzieher des Attentat-Komplotts stammen.

jok/Reuters/dpa



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Seite 1
user124816 13.10.2011
1. .
wenn die saudis doch nur jetzt schon unsere panzer hätten... so schnell kanns gehen. mal kurz ein geheimdienstgerücht zur offiziellen aussage gemacht und schon hat man einen grund um einen krieg anzufangen. "occupy wallstreet" muss schließlich medial entgegengetreten werden.
keppler 13.10.2011
2. Na
Zitat von sysop"Wir werden Iran für alle Aktionen zur Verantwortung ziehen": Saudi-Arabien droht der Regierung in Teheran mit Vergeltung - weil die hinter dem mutmaßlichen Mordkomplott gegen den saudischen Botschafter in Washington stecken soll. Irans Ex-Präsident Chatami*fürchtet gar*eine*US-Attacke auf sein Land. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,791618,00.html
das wäre doch was: SA gibt das Geld, USA+GB die Soldaten u. Waffen.
Noctim 13.10.2011
3. 1
Hahaha In diesem Artikel: "Auch wenn Teheran bisher eine Beteiligung an dem Komplott bestreitet, seien die Beweise erdrückend." Im vorigen Artikel: "Sanktionen gegen Iran sollen her, so die Forderung der USA - als harte Reaktion auf das Mordkomplott in Washington. Doch nun müssen Regierungvertreter einräumen: Die Beweislage ist dünn, die Anklage zweifelhaft. Ohnehin sei unklar, wer in Teheran von den Plänen gewusst habe." Beide heute (!) erschienen. Wen will man hier eigentlich für dumm verkaufen?
laluna3 13.10.2011
4. Usa
man kann nur hoffen, dass Al-Faisal nicht auf die Gerüchte aus Amerika reinfällt. Aber die Kriegstreiber England und USA stehen schon wieder bei Fuss.
Greg84 13.10.2011
5. ...
Zitat von user124816wenn die saudis doch nur jetzt schon unsere panzer hätten... so schnell kanns gehen. mal kurz ein geheimdienstgerücht zur offiziellen aussage gemacht und schon hat man einen grund um einen krieg anzufangen. "occupy wallstreet" muss schließlich medial entgegengetreten werden.
Vielleicht wollen sie jetzt die Bestellung auch noch um ein paar Panzer aufstocken ;) Würde der deutschen Rüstungsindustrie auch nicht schaden. Ich hoffe nur, dass Deutschland falls es zu einer Auseinandersetzung mit dem Irak kommt, ähnlich reagieren wie in Libyen oder dem Irak. Ich halte es nach wie vor für richtig, dass dort die Bundeswehr nicht zum Einsatz kam.
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