Reaktionen auf Bhutto-Mord "Sie starb den Märtyrertod"

Entsetzen in der Heimat und weltweit: Pakistans Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist tot. Ihre Mitstreiter bezeichnen sie als "Märtyrerin". Die USA und Russland sind besorgt über die Lage im Land. Präsident Musharraf rief die Menschen zur Ruhe auf.


Washington/Moskau - Die USA und Russland haben den Anschlag von Rawalpindi verurteilt, bei dem die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto tödlich verletzt wurde. US-Außenamtssprecher Tom Casey erklärte: "Der Anschlag zeigt, dass es noch immer Kräfte in Pakistan gibt, die die Aussöhnung und eine demokratische Entwicklung untergraben wollen." US-Präsident George W. Bush wollte in seinem Feriendomizil in Crawford später für ein Statement vor die Presse treten. Er sei über die Situation in Pakistan informiert, hieß es aus dem Weißen Haus.

Die USA hatten in den vergangenen Monaten Staatspräsident Pervez Musharraf immer wieder gedrängt, zu einer Übereinkunft mit der früheren Regierungschefin zu kommen. Bhuttos Pakistanischer Volkspartei (PPP) wurden bei der für den 8. Januar geplanten Parlamentswahl gute Chancen eingeräumt.

Musharraf verurteilte den Mordanschlag auf die Oppositionsführerin und rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Angesichts dieser Tragödie sei eine verstärkte Entschlossenheit zum Kampf gegen den Terror nötig, sagte Musharraf nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Associated Press of Pakistan (APP). Der Staatschef setzte ein Krisentreffen der Regierung an.

Großbritanniens Außenminister David Miliband äußerte sich in London "zutiefst geschockt". Das Attentat sei ein "sinnloser Angriff" gewesen. Bhutto sei sich des Risikos bewusst gewesen, nach Pakistan zurückzukehren. "Aber sie war überzeugt, dass ihr Land sie braucht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm die Nachricht vom Tode Bhuttos mit Erschütterung und Abscheu zur Kenntnis, wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin mitteilte. Die Kanzlerin sprach zugleich den Verletzten, der Familie von Bhutto und den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Mitgefühl aus.

Der Anschlag zwei Wochen vor den wichtigen Parlamentswahlen zielt laut Merkel auch auf die Stabilität und den demokratischen Prozess Pakistans. Der Vorgang unterstreiche die Notwendigkeit, den Kampf gegen den Terrorismus fortzusetzen. Die Bundeskanzlerin appellierte an alle politischen Kräfte in Pakistan, in der gegenwärtigen Lage Ruhe zu bewahren und ihrer Verantwortung für Sicherheit und Demokratie gerecht zu werden.

Anhänger Bhuttos versammelten sich nach der Todesnachricht vor dem Krankenhaus von Rawalpindi. Einige traten vor Wut die Glastür am Haupteingang ein, andere brachen in Tränen aus. Viele bedachten den pakistanischen Präsidenten Musharraf mit Schmährufen. Bhuttos Anwalt Babar Awan bezeichnete sie als "Märtyrerin". Auch ein Parteisprecher sagte: "Sie ist den Märtyrertod gestorben."

"Das ist die Tat derer, die Pakistan spalten wollen, denn sie war das Symbol der Einheit", sagte Parteivertreter Farzana Raja. "Sie haben die Familie Bhutto ausgelöscht. Sie sind Feinde Pakistans."

phw/AFP/Reuters/AP

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