Reaktionen auf den Kriegsbeginn "Trauriger Tag für die Araber"

Weltweit hat der Beginn des Irak-Krieges unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Russland, Frankreich und die Arabische Liga etwa bedauen, dass die friedliche Lösung des Konflikts gescheitert ist. Japan und die Niederlande dagegen unterstützen den Angriff.


Junichiro Koizumi "versteht und unterstützt" die USA
AFP

Junichiro Koizumi "versteht und unterstützt" die USA

Türkei kritisiert USA

Der türkische Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer hat das einseitige Vorgehen der USA im Irak kritisiert. Der im Uno-Sicherheitsrat begonnene Prozess hätte zu Ende gehen müssen, sagte er am Donnerstag in Ankara. Die türkische Nationalversammlung wird am Nachmittag auf Antrag der Regierung über die Öffnung des Luftraumes für US-Flugzeuge abstimmen. Zugleich sollen die Abgeordneten die Regierung ermächtigen, türkische Soldaten in den Nordirak zu schicken. Der stellvertretende Ministerpräsident Mehmet Ali Sahin bekräftigte, dass die Soldaten dort "lediglich humanitäre Aufgaben" erfüllen sollten. An der Grenze zum Irak sei zur Stunde alles ruhig. Flüchtlinge seien bislang nicht aufgetaucht. Ruhe herrschte auch auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik, auf dem amerikanische und britische Soldaten stationiert sind.

Arabische Liga bedauert

Die Arabische Liga hat auf den Beginn des von den USA angeführten Krieges gegen den Irak mit "großem Bedauern" reagiert. "Dies ist ein sehr trauriger Tag für die Araber, weil eines ihrer Länder angegriffen wurde, ohne auf die Zivilisten oder das Land Rücksicht zu nehmen", sagte Generalsekretär Amre Mussa am Donnerstag in Kairo. Die irakische Führung habe mit ihm Kontakt aufgenommen, um ihn über die wichtigsten Einzelheiten zu informieren. "Der Uno-Sicherheitsrat muss nun Verantwortung übernehmen, denn er ist das Gremium, das für den Schutz von Frieden und Sicherheit in der Welt zuständig ist und den Krieg beenden soll", fügte Mussa hinzu.

Pakistan warnt

"Der Ausbruch der Feindseligkeiten ist sehr bedauerlich, aber das Nachkriegsszenario wird noch Besorgnis erregender sein", sagte Informationsminister Sheikh Rasheed Ahmed am Donnerstag in Islamabad. Pakistan drohten Belastungen in Milliardenhöhe, falls der Ölpreis durch den Krieg steige. Die staatliche Fluggesellschaft PIA schickte vier Maschinen in die Golfregion, um 60.000 pakistanische Gastarbeiter zurückzuholen, zunächst aus Kuweit.

Protest aus China

China hat die Militäraktion der USA gegen den Irak scharf verurteilt. Der Sprecher des Außenministeriums sprach am Donnerstag von einer Verletzung der Charta der Vereinten Nationen und der grundlegenden Normen der internationalen Gemeinschaft.

Russland fordert Bombenstopp

Russlands Präsident Wladimir Putin hat die USA aufgefordert, ihre Angriffe auf den Irak einzustellen. "Militäraktionen können in keinerlei Weise gerechtfertigt werden. Militäraktionen sind ein großer politischer Fehler." Zur Abwehr möglicher Terrorakte wurden die russischen Sicherheitsbehörden in Alarmbereitschaft versetzt. Für die Streitkräfte gelte jedoch keine höhere Alarmstufe, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow verurteilte den amerikanischen Militärschlag als ungerechtfertigt und großen politischen Fehler.

Luxemburg sorgt sich um EU

Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hat den Beginn des Golfkriegs mit Bedauern aufgenommen. Er forderte die USA und Europa auf, ihre angespannten Beziehungen neu aufzubauen. Eine anhaltende Belastung der transatlantischen Verbindung müsse vermieden werden, sagte Juncker dem luxemburgischen Rundfunk vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel. Auch innerhalb der Europäischen Union müsse die Spaltung überwunden werden. "Die Irak-Krise darf keine anhaltende Krise Europas werden", mahnte er.

Paris hofft auf schnelles Ende

Der Krieg werde hoffentlich so rasch wie möglich beendet werden, hieß es in einer Mitteilung des französischen Außenministeriums von Donnerstag in Paris. Der sozialistische Oppositionschef François Hollande verurteilte nach Angaben des französischen Rundfunks France Inter den Militärschlag der Amerikaner als schwerwiegende Handlung.

Zustimmung in den Niederlanden

Die niederländische Regierung unterstützt den Krieg gegen Irak. Nach zwölf Jahren sei der Weg der friedlichen Lösung in dieser Woche zur Sackgasse geworden, sagte Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende in einer Fernsehansprache am Donnerstagmorgen. "Die Niederlande unterstützen den begonnenen Einsatz gegen Sadam Hussein politisch. Friede und Sicherheit - auch für die Bewohner des Irak - sind das höchste Ziel." Militärische Hilfe würden die Niederlande allerdings nicht leisten, erklärte der Christdemokrat. Dafür gebe es in Parlament und Bevölkerung zu wenig Unterstützung. Der Krieg im Irak führte zu einer Krise bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen zwischen den Christdemokraten und der sozialdemokratischen Partei von der Arbeit. Sie lehnt den Krieg gegen den Irak ohne ein Mandat der Vereinten Nationen ab.

Unterstützung aus Japan

"Ich verstehe und unterstütze" das Vorgehen der USA, sagte der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi nach Beginn des Irak-Krieges. Japan unterstütze die Politik von US-Präsident George W. Bush, wonach es um die Entwaffnung des Irak gehe, nicht um einen Angriff auf das irakische Volk. Koizumi hatte sich bereits in den vorangegangen Tagen voll hinter die USA gestellt. Aus Reihen des Kabinetts hatte es geheißen, Japan habe angesichts des Konflikts um das Atomwaffenprogramm seines Nachbarn Nordkorea keine andere Wahl, als die USA im Irak-Konflikt zu unterstützen.

Nato berät in Sondersitzung

Die Nato will am Morgen in Sondersitzungen über den Kriegsbeginn im Irak beraten. "Die Alliierten werden uns über ihr Vorgehen informieren", sagte ein Nato-Sprecher am Donnerstag in Brüssel. Das Bündnis warte die weitere Entwicklung ab, habe aber vorsorglich eine höhere Alarmstufe ausgelöst. Die Sicherheitsvorkehrungen seien verstärkt worden.

"Dies ist keine direkte Nato-Aktion", betonte Nato-Sprecher Mike Laity. Die nordatlantische Allianz habe allerdings Kräfte zum Schutz des Bündnispartners Türkei entsandt und fühle sich als wichtigstes Konsultationsorgan auf militärischer Ebene betroffen. Eine formelle Reaktion der Nato auf den Kriegsausbruch werde es aber nicht geben.

Neuseeland kündigt Hilfsgelder an

Neuseeland hat die Militäraktion gegen den Irak kritisiert und gleichzeitig Finanzhilfen für die Bevölkerung des arabischen Landes angekündigt. "Diese Regierung wird keinen Krieg unterstützen, für den es derzeit keinen Grund gibt", sagte Regierungschefin Helen Clark am Donnerstag vor dem Parlament in Wellington. Neuseeland wird nach Regierungsangaben allerdings die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen mit umgrechnet rund zwei Millionen Euro unterstützten, um das Leid der Bevölkerung zu mildern.

Belgien zutiefst enttäuscht

Belgien will sich mit Deutschland und Frankreich weiter für den Frieden im Irak einsetzen. Das sagte der belgische Premierminister Guy Verhofstadt am Donnerstagmorgen in einer Fernsehansprache zum Ausbruch des Irak-Krieges. "Wir sind zutiefst enttäuscht, dass man nicht alles versucht hat, weiter den Weg des Friedens zu beschreiten", sagte Verhofstadt. Die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen unter der Leitung von Hans Blix hätten ihre Arbeit fortsetzen sollen: "Die belgische Regierung bleibt mit Hans Blix überzeugt, dass es eine Alternative gab."

Der belgische Außenminister Louis Michel sagte im öffentlichen Rundfunksender RTBF, Belgien habe von den am Krieg beteiligten Staaten eine Bitte um Überflugrechte erhalten. Darüber werde in den nächsten Stunden entschieden. Michel und Verteidigungsminister André Flahaut hatten sich am Wochenende strikt gegen jeden Transit von US-Militärs über belgisches Gebiet im Falle eines Krieges ohne Uno-Mandat ausgesprochen. Premierminister Verhofstadt hatte diese strikte Haltung daraufhin kritisiert.



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