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03. September 2017, 12:08 Uhr

Reaktionen

Gabriel sieht "ernste Bedrohung für den Weltfrieden"

Zahlreiche Staaten und Regierungschefs verurteilen den vermutlichen Atomtest Nordkoreas. Auch Russland und China warnen Kim Jong Un, die angespannte Situation "zu verschlimmern".

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un lässt den Konflikt mit den USA und anderen Ländern weiter eskalieren. Der nach Berichten der nordkoreanischen Staatsmedien "erfolgreiche" Atomtest mit einer Wasserstoffbombe ist eine beispiellose Provokation - die Reaktionen fallen entsprechend scharf aus.

Deutschland

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), teilte in einer Stellungnahme mit, ihn "erfüllen" die vermutlichen Atomtests "mit großer Sorge". Nordkorea, sagte Gabriel, "heizt die ohnehin hochangespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel damit bewusst weiter an". Das Regime führe erneut vor Augen, dass es eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden darstelle. Er forderte eine "besonnene, aber eindeutige Antwort" auf die Provokationen. "Mit unseren Partnern in der EU werden wir über diese Reaktion beraten".

Nach einem Telefonat seien sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron darin einig gewesen, "dass Nordkorea das internationale Recht mit Füßen tritt und dass daher die Staatengemeinschaft auf diese erneute Eskalation geschlossen und entschieden reagieren muss", teilte das Bundespresseamt mit. Präsident und Kanzlerin hätten sich für eine Verschärfung der EU-Sanktionen gegen Nordkorea ausgesprochen.


Südkorea

Seoul verurteilte den Atomtest aufs Schärfste und forderte noch härtere internationale Sanktionen gegen das Nachbarland. Man werde alle diplomatischen Maßnahmen ergreifen, um Nordkorea komplett zu isolieren, teilte die Regierung am Sonntag nach einer Dringlichkeitssitzung des nationalen Sicherheitsrats mit. Dazu werde Südkorea auch auf neue Sanktionen des UN-Sicherheitsrats hinwirken.

Zusammen mit dem Verbündeten USA will Seoul den Angaben zufolge auch über die Verlegung "der stärksten taktischen Waffen" nach Südkorea diskutieren. Ob damit die erneute Stationierung von taktischen Atomwaffen gemeint war, blieb jedoch unklar.


China

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums äußerte am Sonntag in Peking "den entschiedenen Widerstand" der Regierung. Man habe den Atomversuch "energisch verurteilt". Nordkorea solle aufhören, "falsche Aktionen zu unternehmen, die die Situation verschlimmern". Das Außenministerium forderte Pjöngjang auf, sich an die Resolutionen der Vereinten Nationen zu halten und dem Willen der internationalen Gemeinschaft zu stellen, die eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen anstrebe. Nordkorea solle an den Verhandlungstisch zurückkehren, hieß es in einer Mitteilung.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping erwähnte den Atomwaffentest allerdings mit keinem Wort, als er mit einer 50-minütigen Rede zur Lage in der Welt das Wirtschaftsforum des diesjährigen Brics-Gipfels in der südostchinesischen Hafenstadt Xiamen eröffnete.

Die Nordkorea-Krise überschattet den Gipfel, an dem neben China die Staaten Brasilien, Russland, Indien und Südafrika teilnehmen. Dazu wird auch Russlands Präsident Wladimir Putin in China erwartet. Vor allem in den bilateralen Gesprächen von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping mit Putin und den anderen Staats- und Regierungschefs dürften Nordkoreas Atomtests eine Rolle spielen.


USA

US-Präsident Donald Trump sprach sich gegen Versuche der Beschwichtigung aus. Südkorea merke nun, so wie er es schon gesagt habe, dass eine Appeasement-Politik nicht funktioniere, schrieb Trump am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Sie verstehen nur eines!", twitterte er, ohne genauer darauf einzugehen.

Worte und Taten Nordkoreas seien weiterhin sehr feindselig und bedrohlich für die USA. "Nordkorea ist ein Schurkenstaat", der auch zu einer großen Bedrohung und Peinlichkeit für China geworden sei. China versuche zwar, im Nordkorea-Konflikt zu helfen, habe aber wenig Erfolg.


Russland

Moskau warnte Nordkorea vor schwerwiegenden Folgen wegen seines jüngsten Atomversuchs. Der Test sei eine weitere demonstrative Missachtung der Vorgaben des UN-Sicherheitsrats durch Pjöngjang, teilte das russische Außenministerium am Sonntag mit. "Unter diesen Bedingungen ist es unerlässlich, Ruhe zu bewahren und jegliche Handlungen zu unterlassen, die zu einer weiteren Eskalation der Spannungen führen."

Das Ministerium sprach von einer ernsthaften Gefahr für den Frieden in der gesamten Region. Vizeaußenminister Sergej Rjabkow rief alle Beteiligten zu Verhandlungen auf. Es gebe keine Alternativen dazu, sagte er der Agentur Interfax.


Japan

Die japanische Regierung berief angesichts eines möglichen neuen nordkoreanischen Atomtests den nationalen Sicherheitsrat ein. Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte am Sonntag, sollte es sich bei dem kurz zuvor gemessenen Erdbeben in Nordkorea tatsächlich um einen Atomtest gehandelt haben, sei dies absolut inakzeptabel. Man werde aufs Schärfste protestieren.


Frankreich

Präsident Emmanuel Macron forderte eine schnelle Reaktion der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats. "Die internationale Gemeinschaft muss diese neue Provokation mit größter Standhaftigkeit behandeln", teilte der Élyséepalast am Sonntag in Paris mit. Ziel sei es, Nordkorea dazu zu bringen, "ohne Bedingungen auf den Weg des Dialogs zurückzukehren und die vollständige, überprüfbare und irreversible Stilllegung seiner nuklearen und ballistischen Programme vorzunehmen". Macron verurteilte den Test und sprach von einer "neuen Verletzung des Völkerrechts".


Nato

Das westliche Militärbündnis verurteilte den Atomtest als offene Verletzung diverser Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. "Die Nato ist besorgt über Pjöngjangs destabilisierendes Verhaltensmuster, das eine Bedrohung der regionalen und internationalen Sicherheit darstellt", erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Sonntag. Nordkorea müsse sofort alle Atom- und Raketenprogramme nachprüfbar und unwiderruflich einstellen und den Dialog mit der Weltgemeinschaft wieder aufnehmen.

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