Reaktionen Hoffen und Bangen nach Kim Jong Ils Tod

Die Nachricht vom Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il hat international unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Als Folge könne die ganze Region instabil werden, fürchten einige Regierungen. Andere, wie die deutsche, sehen Chancen auf einen diplomatischen Neuanfang.

Kim Jong Il: Der Diktator starb bereits am Samstag
AFP/ KCNA

Kim Jong Il: Der Diktator starb bereits am Samstag


Berlin - Wie geht es weiter in Nordkorea? Nach dem Tod des Diktators Kim Jong Il schauen die Regierungen der Welt gebannt auf das abgekapselte kommunistische Land. Kommt mit dem mutmaßlichen Nachfolger Kim Jong Un ein Wandel? Die Bundesregierung hofft das zumindest. Berlin sehe den Tod als Chance, "dass sich die Dinge dort wenden", sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Montag. "Unsere Erwartungen sind nach wie vor, dass Nordkorea sein Atomprogramm aufgibt und dass die Führung vor allem auch die katastrophale soziale Lage der eigenen Bevölkerung verbessert", sagte der Sprecher weiter. Auch sollte die nordkoreanische Führung zu einer Öffnung in Politik und Wirtschaft bereit sein, demokratische Freiheiten zulassen und die Armut bekämpfen.

Auch London sieht die Möglichkeit für Veränderungen. Der britische Außenminister William Hague sprach von einem Wendepunkt für Nordkorea. "Wir hoffen, dass der neuen Führung klar ist, dass eine Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft der beste Weg ist, um die Lebensbedingungen der einfachen Leute in Nordkorea zu verbessern", hieß es in einer Stellungnahme aus London.

China sprach Nordkorea sein "aufrichtiges Beileid" aus. Peking sei schockiert über den Tod des "großen Führers" und sende dem nordkoreanischen Volk "herzliche Grüße", sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Ma Zhaoxu. Die Menschen in Nordkorea sollten "ihre Trauer in Stärke wandeln und weiter den nordkoreanischen Sozialismus voranbringen".

China gilt als engster Verbündeter des international weitgehend isolierten Regimes in Nordkorea und unterstützt das Nachbarland regelmäßig mit Nahrungsmittel- und Benzinlieferungen. Allein in diesem Jahr war Kim zweimal zu Besuch in China.

Angst vor Instabilität

In anderen Staaten wächst die Sorge, dass die ganze Region destabilisiert werden könnte. "Die Tatsache, dass man die Todesmeldung erst nach zwei Tagen zu veröffentlichen wagte, zeigt, wie unsicher die Lage in Nordkorea ist," sagte der schwedische Außenminister Carl Bildt. Sein australischer Kollege Kevin Rudd rief zu Ruhe und Zurückhaltung auf und appellierte an alle Staaten im pazifischen Raum, Stabilität und Sicherheit in der Region zu gewährleisten. Kims Tod sei "eine Möglichkeit für das nordkoreanische Regime, (...) in die internationale Gemeinschaft aufgenommen zu werden."

Angesichts der andauernden Spannungen mit dem Norden versetzte Südkorea seine Streitkräfte nach Bekanntgabe des Todes des nordkoreanischen Machthabers in "höchste Alarmbereitschaft", wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Präsident Lee Myung Bak berief ein Treffen des nationalen Sicherheitsstabs ein.

Auch der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda traf sich mit seinem nationalen Sicherheitsrat. "Er hat uns angewiesen, uns auf alle unerwarteten Entwicklungen einzustellen", sagte Kabinettssekretär Osamu Fujimura nach dem Treffen. "Zunächst hoffen wir einmal, dass dieses Ereignis keinen negativen Einfluss auf den Frieden und die Stabilität auf der koreanischen Halbinsel hat."

Das Weiße Haus erklärte, es stehe in ständigem Kontakt mit Südkorea und Japan. Die USA seien "der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und der Sicherheit unseres engen Verbündeten Südkorea verpflichtet", hieß es in einer Erklärung.

"Wir unterhalten freundschaftliche Beziehungen zu Nordkorea", zitierte die Nachrichtenagentur RIA Nowosti hingegen den russischen Außenminister Sergej Lawrow. "Wir hoffen, dass der Verlust, den das nordkoreanische Volk erlitten hat, keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung unserer Beziehungen hat."

ler/dapd/dpa



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