Reaktionen Zurückhaltung im Ausland

Die meisten Staats- und Regierungschefs haben auf den endgültigen Wahlausgang in den USA mit Zurückhaltung reagiert. In ihren Glückwunsch-Telegrammen an den Republikaner George W. Bush äußerten sie vor allem Erleichterung über das Ende des juristischen Tauziehens nach dem äußerst knappen Wahlergebnis vom 7. November.


Hamburg - Der britische Premierminister Tony Blair unterstrich die "gemeinsamen Interessen und Werte", die Großbritannien und die USA verbänden. In seiner Botschaft drückte Blair die Hoffnung aus, dass sich die "besondere Freundschaft" zwischen den beiden Nationen auch künftig fortsetzen wird.

Frankreichs Premierminister Lionel Jospin schrieb Bush als "Monsieur le Gouverneur" seine Glückwünsche und wünschte dem bisherigen Gouverneur von Texas und seinem Team Erfolg. "Frankreich und die USA haben gemeinsam viel zu tun", sagte Jospin.

Tschechiens Staatspräsident Vaclav Havel hat Bushs Wahlsieg als demokratische Entscheidung gewürdigt. Die USA hätten mit Hilfe ihrer Verfassungstraditionen eine schwierige Situation bewältigt, sagte das Staatsoberhaupt.

Der australische Außenminister Alexander Downer hofft, dass unter Bushs Führung Fortschritte im freien Welthandel erreicht werden. Japans Ministerpräsident Yoshiro Mori gratulierte Bush "von Herzen". Er sei überzeugt, dass Bush eine aktive Rolle als Führer der Welt spielen werde.

Chinas Staats- und Parteichef Jiang Zemin drückte die Hoffnung aus, dass Bush nicht von der China-Politik seiner Vorgänger abweiche. Er bot dem designierten US-Präsidenten seine Zusammenarbeit an. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums forderte die künftige US- Regierung auf, die von US-Präsident Bill Clinton vorerst ausgesetzten Pläne für Raketenabwehrsysteme ganz aufzugeben.

Dagegen verwies der taiwanische Außenminister Tien Hung-mao auf die gute Partnerschaft zwischen der Inselrepublik und ranghohen Vertretern von Bushs Republikanischer Partei. Er zeigte sich optimistisch hinsichtlich der weiteren Beziehungen Taiwans zu den USA.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin gratulierte seinem künftigen Kollegen George W. Bush zum Wahlsieg und drückte die Hoffnung "auf einen konstruktiven Dialog" mit ihm aus. Putin hofft auch "auf eine weitere Vertiefung der konstruktiven Zusammenarbeit Russlands und der USA im Interesse unserer Länder und Völker, und auf eine Festigung der internationalen Sicherheit und der strategischen Stabilität".

Der EU-Beauftragte für die gemeinsame Sicherheits- und Außenpolitik, Javier Solana, rief Bush zur Erhaltung der transatlantischen Partnerschaft auf. "Wir müssen die bestehende enge Zusammenarbeit weiterführen, um unsere gemeinsamen Interessen erfolgreich zu sichern."

Der Botschafter der USA in Deutschland, John Kornblum, erwartet nach dem Wahlsieg von Bush keine Veränderungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Kornblum wies die Mutmaßungen zurück, dass der künftige US-Präsident keinen großen Wert auf die Beziehungen zu Europa lege.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.