"Wenn du etwas von Politik verstehen würdest" Erdogan beleidigt Außenminister Maas

Erdogan verwahrt sich gegen jede Kritik an der türkischen Offensive in Syrien. Auf die Einschränkung der deutschen Rüstungsexporte reagierte er nun mit einem persönlichen Angriff gegen Außenminister Maas.

Erdogan: Mit der Offensive in Syrien isoliert sich die Türkei außenpolitisch zunehmend
Adem ALTAN/AFP

Erdogan: Mit der Offensive in Syrien isoliert sich die Türkei außenpolitisch zunehmend


Im eigenen Land geht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan rigoros gegen Kritiker der Offensive in Nordsyrien vor. Auf internationaler Bühne hilft ihm das nicht weiter. Da greift der Staatspräsident dann schon mal auf Spott zurück. Ziel seiner jüngsten Attacke ist der deutsche Außenminister Heiko Maas.

Nach der Einschränkung der deutschen Rüstungsexporte in die Türkei hat Erdogan den SPD-Politiker persönlich angegriffen. "Da kommt der deutsche Außenminister - ein Mann, der seine Grenzen nicht kennt - und sagt: Wir werden der Türkei keine Waffen verkaufen. Wir sind am Ende", sagte Erdogan. Nicht er, sondern Maas, Deutschland, werde verlieren.

Maas sei zudem arrogant und habe keine Ahnung von Politik; er sei ein Dilettant. "Wenn du etwas von Politik verstehen würdest, würdest du nicht so sprechen", sagte Erdogan an Maas gewandt.

Liefergenehmigungen werden nicht zurückgenommen

Die Einschränkung der Rüstungsexporte in die Türkei ist bisher die einzige Strafmaßnahme aus Deutschland, seit am vergangenen Mittwoch die türkische Offensive gegen kurdische Milizen in Nordsyrien begonnen hatte. Der Export von Waffen, die in dem Konflikt genutzt werden können, wird nicht mehr genehmigt. Andere Rüstungsgeschäfte werden aber weiter erlaubt. Bereits erteilte Liefergenehmigungen werden nicht zurückgenommen.

Erdogan lehnte in dem Gespräch mit Journalisten auch Forderungen der USA nach einer sofortigen Waffenruhe kategorisch ab. Die türkischen Truppen müssten erst ihr Ziel erreichen, und das sei die Einrichtung einer Schutzzone entlang der Grenze.

Die Türkei will einen etwa 500 Kilometer langen und 30 Kilometer breiten Streifen unter ihrer alleinigen Kontrolle einrichten und syrische Flüchtlinge dorthin umsiedeln. Die kurdischen Milizen, die bisher einen großen Teil des Areals in Nordsyrien kontrollierten, betrachtet sie als Terroristen.

Am Mittwoch bricht US-Vizepräsident Mike Pence zusammen mit Außenminister Mike Pompeo zu einer Vermittlungsmission im Konflikt zwischen Türkei und Kurdenmilizen auf. Für Donnerstag ist nach Angaben des Weißen Hauses ein Treffen von Pence mit Erdogan geplant.

asc/dpa

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